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Wie ein B-Movie

Wie ein B-Movie

veröffentlicht am 06.08.2009 um 15:05 Uhr · Köpfe · Artikel

Thema Kindheit scheint Rémi Babinet durch sein Leben zu begleiten. Zum einen sei es das „innere Kind“ in ihm, das ihn permanent antreibt, wie er sagt. Zum anderen ist das Sujet Kindheit oft präsent in Kampagnen seiner Agentur, etwa für Petit Bateau. Oder aktuell für Evian:Mit den Virals und Spots „Rollerbabies“, bei dem Knirpse auf Rollschuhen Breakdance hinlegen, hat Babinets Agentur BETC Euro RSCG einen Coup gelandet. Millionenfach wurden die Filme angeklickt.

Die Kampagne ist typisch für Babinet, selbst Vater von drei Kin­dern. „Werbung ist wie ein B-Movie“, sagt er, „sie ist populär – und eben keine Hochkultur, die nur einem kleinen Teil der Menschheit vorbehalten ist.“ Und genau das ist es, was den 52-Jährigen fasziniert: diese offene Welt, in der jeder teilhaben kann.

Der Pariser legte eine Bilderbuchkarriere hin. Er begann 1985 als Texter bei BDDP, wo er sich schnell den Ruf als einer der besten Kreativen Frankreichs machte. Er gewann zahlreiche Preise mit Arbeiten für Polaroid, Virgin oder BMW.

1994 verließ Babinet BDDP, um seine eigene Firma mit Eric Tong Cuong zu gründen: BETC Euro RSCG. Er steht für das „B“. Längst zählt die Company mit 600 Mitarbeitern zu den größten Agenturen des Landes, wurde elfmal zur „kreativsten französischen Agentur“ gekürt und jüngst vom Zeitschriftenverband APPM zur „Agentur des Jahres“. 2003 bis 2007 war Babinet Präsident des französischen Art Directors Club. Heute ist der Chairman zugleich Global Creative Director des Networks Euro RSCG, einer Havas-Tochter.

Der begeisterte Klavierspieler liebt den Wettbewerb. Er lässt sich vom Leben auf der Straße, dem Alltäglichen inspirieren. Nicht umsonst hat BETC ihren Sitz im 10. Arrondissement, einem lebhaften Szeneviertel, „voller Energie“, wie Babinet schwärmt. Er hat früh angefangen, jenseits der klassischen Werbung zu arbeiten. Da passt ins Bild, dass er seit 2001 mit der TV-Produktions-Unit „Panik“-Partys in Paris organisiert, bei denen Künstler aus der Alternativ-Rock- und Elektronik-Musik-Szene auftreten. Oder dass sich im Erdgeschoss der Agentur auf 800 Quadratmetern regelmäßig Größen aus Mode, Design und Kunst präsentieren, darunter Yohji Yamamoto und Christian Lacroix. „Passage du Désir“ hat Babinet dieses Projekt genannt.

Die Zusammenarbeit ist nicht immer leicht mit ihm. Weil er Perfektionist ist. Er hört viel zu, trifft dann auch schnell Entscheidungen. Bei aller Offenheit kann er auch dickköpfig sein, sagt er. Felix Glauner, Kreativchef von Euro RSCG Deutschland, schätzt an ihm, dass er kein Selbstdarsteller ist und sich auf seine Arbeit fokussiert. Das nächste Projekt ist bereits in Arbeit.

Die Idee: Die Evian-„Rollerbabies“ entwickelten sich seit dem Launch im Juli zu einem der erfolgreichsten Virals: Über 38 Millionen mal wurden die Clips, in denen Knirpse zur Musik von Rapper’s Delight auf Rollschuhen rocken, abgerufen (Produktion: Partizan, Regie: Michael Gracey). Facebook- und MySpace-Applikationen ergänzen den Auftritt.

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