In einem Gespräch mit der estnischen Ratspräsidentschaft habe sie die Frage gestellt bekommen: Warum habt Ihr ein Problem mit der DSGVO? Und die Antwort gleich dazu erhalten: Weil Ihr nicht alles digitalisiert habt! Merkel schließt mit einem humorvollen Seitenhieb auf deutsche Behäbigkeit: "Wenn Sie alles noch in einem Buch aufführen, das der Großvater des Vereins liebevoll angelegt hat, dann dauert das hundert Tage und zwölf Nächte".

Deutscher Hyperscaler

Kritik an der deutschen Wirtschaft äußert die Kanzlerin auch im Umgang mit Daten. "Mir macht das Datenmanagement der deutschen Wirtschaft doch erhebliche Sorgen, weil viele Firmen ihre Daten auf Clouds von amerikanischen Firmen geben", so Merkel. "Irgendwann werden Sie nicht mehr Herr Ihrer Kunden sein."

Das Ziel sei die Einrichtung eines Hyperscalers, so Merkel. Zu den großen Hyperscalern am Markt gehören derzeit die vier großen Cloud-Anbieter IBM, Amazon, Microsoft und Google. Die Produkte Amazon Web Services (AWS), Microsoft Azure und die Google Cloud Platform decken zusammengenommen rund 75 Prozent des Gesamtmarktes an Public-Cloud-Angeboten ab. Allein AWS hat einen Marktanteil von rund 40 Prozent.

Eigene Standards halten!

Auch beim Thema der Umsetzung freiwilliger Selbstverpflichtungen nimmt die Kanzlerin die Wirtschaft ins Gebet. "Ich möchte Sie bitten", so Merkel, "dass Sie sehr sensibel reagieren, wenn Sie Verpflichtungen eingehen, aber nicht umsetzen. Wenige schwarze Schafe können viel Schaden anrichten, der in ordnungspolitischen Maßnahmen endet."

Insbesondere Deutschlands Vorzeigeindustrie hat bei der Kanzlerin offenbar keinen guten Eindruck hinterlassen. "Wir haben uns jahrelang mit der Automobilindustrie rumgeschlagen", gesteht Merkel.


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Rolf Schröter
Rolf Schröter

Als Mitglied der Chefredaktion und neugieriger Kurpfälzer interessiert sich Rolf Schröter prinzipiell für alles Mögliche. Ganz besonders mag er, was mit Design und Auto zu tun hat.