Starke Marke: Nivea hat 2015 mehr Umsatz gebracht als 2014. (Nive-Haus Hamburg)
Starke Marke: Nivea hat 2015 mehr Umsatz gebracht als 2014. (Nive-Haus Hamburg) © Foto: Unternehmen

Bilanz | | von Susanne Herrmann

Beiersdorf mit 25 Prozent mehr Gewinn

Einen satten Gewinnzuwachs erwirtschaftete 2015 der Konzern Beiersdorf. Der auf die Anteilseigner entfallende Überschuss stieg um rund ein Viertel auf 660 Millionen Euro (Ergebnis nach Steuern: 671 Mio./2014: 537 Mio. Euro). Der Umsatz stieg von 6,29 auf 6,69 Milliarden Euro 2015.

Eine Folge des vor Jahren eingeschlagenen Sparkurses? Zuletzt Ende 2011 hatte der Nivea-Hersteller bekanntgegeben, dass weltweit 1000 Stellen (von damals 18000) abgebaut werden müssten, außerdem wurde damals eine stärkere Ausrichtung auf die Kernregionen Europa, Nordamerika und Asien sowie Schwellenländer angekündigt. Sparziel: ab 2014 jährlich 90 Mio. Euro laut "Hamburger Abendblatt". Wirklich schlecht aber ging es dem Konzern nicht: 2011 war das Ergebnis nach Steuern auf 259 Mio. Euro, der Umsatz auf 5,6 Mrd. gefallen, die Rendite lag bei 11,4 Prozent. Den Umsatz schmälerten unter anderem die Kosten für den Konzernumbau. Die milliardenschwere Jubiläumskampagne "100 Jahre Hautpflege fürs Leben", mit der Beiersdorf unter anderem auf die Gewinnrückgänge der Vorjahre reagiert hatte, dürfte 2011 ebenfalls ein großes Loch gerissen haben.

Mit einem Werbebudget von brutto rund 245 Millionen Euro (Januar bis Dezember 2015, 0,4% mehr als 2014) gehört Beiersdorf laut Nielsen Werbetrend zu den Top-Ten-Werbekunden in Deutschland (Platz 8). Die ersten beiden Plätze allerdings belegen nach Werbeausgaben in Above-Line-Medien die stärksten Konkurrenten auf dem Pflegemarkt: Procter & Gamble investierte 2015 564 Millionen Euro in Werbung (6,7% mehr als 2014), L'Oréal 395 Millionen (5,1% weniger als 2014). Stammagentur von Beiersdorf ist FCB.

In der aktuellen Bilanz zeigen die Signale ganz klar auf Wachstum zumindest der Finanzkennzahlen. Damit das so bleibt, schüttet das Hamburger Traditionsunternehmen dieselbe Dividende aus wie schon seit 2009 (0,70 Euro je Aktie). Gut die Hälfte der Aktien liegt in den Händen der Tchibo-Erben Herz. Stattdessen soll nun eingekauft werden: "Wir fangen jetzt langsam an zu angeln", kündigte Beiersdorf-Chef Stefan Heidenreich am Mittwoch auf der Bilanzpressekonferenz des Unternehmens an. Wachstum aus eigener Kraft habe zwar weiterhin Priorität und die Marke Nivea biete dafür auch noch ausreichend Potenzial, das es zu heben gelte. Intensiver als bislang wolle sich Beiersdorf aber nun dem Thema Akquisitionen nähern. Geld für Zukäufe hat Beiersdorf nach eigenen Angaben genug. Allein die Barmittel beliefen sich Ende 2015 auf knapp 3 Mrd. Euro. Das Problem sei eher, die geeigneten Kandidaten zu finden, sagte Heidenreich.

Für das laufende Jahr gab sich der Konzern, zu dem aber auch die Klebstoffmarke Tesa gehört, zurückhaltend, was die Gewinnerwartungen angeht. Die Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern (Ebit), die 2015 mit 14,4 Prozent auf den höchsten Stand in der Unternehmensgeschichte kletterte, soll 2016 nur "leicht" zulegen. Beim Umsatz rechnet Beiersdorf mit einem Wachstum aus eigener Kraft in Höhe von drei bis vier Prozent. Im vergangenen Jahr hatte der Konzern die Messlatte beim Umsatz einen Tick höher gelegt, musste dann aber im Herbst zurückrudern.

Unternehmenschef Heidenreich bezeichnete 2015 als ein "erfolgreiches Jahr" für die Hamburger. Der Konzern habe Marktanteile hinzugewonnen und sei noch wettbewerbsfähiger und effizienter geworden. Heidenreich führt Beiersdorf seit vier Jahren. Er hat das Unternehmen stärker auf die Kernmarken Nivea, Eucerin und La Prairie ausgerichtet und den Konzern auch in den Schwellenländern vorangebracht.

Die Umsatzbeschleuniger: Duschgels, Deodorants, Sonnenmilch und Antifaltenpflege waren bei den Verbrauchern im vergangenen Jahr besonders gefragt. Vor allem die Apothekenkosmetik von Eucerin lief 2015 wie geschmiert und überrundete mit einem Umsatzpus von 5,4 Prozent sogar das Flaggschiff Nivea, das um 4,5 Prozent zulegen konnte.

Wachsen konnte der Konzern in fast allen Regionen, auch in schwierigen Märkten wie Russland. Allerdings bremste die schwache Entwicklung in Italien und der Schweiz. Das um Sondereffekte bereinigte operative Ergebnis (Ebit) legte um zwölf Prozent auf 962 Millionen Euro zu.

Die Tochter Tesa ist wie alle Klebstoffhersteller stark vom Verlauf der Konjunktur abhängig. Ohne den Rückenwind des Euro konnte sie 2015 daher kaum wachsen. Allerdings hatte Tesa im Vorjahr auch noch stark von Projektaufträgen aus der Elektronikindustrie profitiert, die sich 2015 nicht wiederholt haben. (sh/dpa)

Beiersdorf mit 25 Prozent mehr Gewinn

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