Im Falle des First-Class Vorwurfes durch den Spiegel hat man versucht, mit juristischen Mitteln eine Veröffentlichung zu verhindern. Ein solches Vorgehen ist jedoch schon dann problematisch, wenn die Vorwürfe nicht der Realität entsprechen. Entspricht der erhobene Vorwurf jedoch auch noch den tatsächlichen Gegebenheiten, resultieren aus dem Einsatz juristischer Mittel oft auch noch strafrechtliche Konsequenzen. In einer publizistischen Auseinandersetzung sollten immer a priori publizistische Mittel eingesetzt werden und nicht die der Jurisprudenz.
 
4. Authentizität vor Rollenspiel

Van Elst hat sich von Anfang an auf seine Position als katholischer Professor zurück gezogen. Sein Auftreten ist konsequent durch eine Betonung seiner klerikalen Intellektualität geprägt. Er erscheint dadurch als wenig authentisch und nicht einsichtig. Viel wichtiger wäre es jedoch, sich in einer so schwierigen Situation sich auf seine Rolle als Mensch zu konzentrieren. Empathie spielt in solchen Kommunikationsprozessen eine entscheidende Rolle.  Eine Anmutung der Unfehlbarkeit erleichtert den Gegenspielern, den Druck weiter aufzubauen und das Verhalten des Protagonisten in immer größeren Dimensionen zu kritisieren.
 
5. Beichte, Reue, Absolution

Wie im katholischen Kontext nach  erfolgter Beichte, die Sünde vergeben wird, so können auch publizistische Auseinandersetzungen durch die Analyse und das Eingestehen von eigenen Fehlern deeskaliert werden.


 
Hasso Mansfeld ist Kommunikationsberater und vermittelt in besonders verfahrenen Situationen zwischen Medien und dem Objekten der Berichterstattung, so zum Beispiel im Siemens-Schelsky-Prozess oder im EBS-Skandal. Für seine Arbeit ist er mehrfach ausgezeichnet worden.


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W&V Redaktion
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