Der Elektroauto-Neuling Faraday Future hat einen Supersportwagen als seinen ersten Prototypen vorgestellt. Der "FFZERO1" hat eine futuristische Form.
Der Elektroauto-Neuling Faraday Future hat einen Supersportwagen als seinen ersten Prototypen vorgestellt. Der "FFZERO1" hat eine futuristische Form. © Foto:Faraday Future

Technikmesse in Las Vegas | | von Deutsche Presse-Agentur

CES mutiert zum Treff der Automobilbranche

Die erste große Ankündigung aus der Autobranche zur Elektronik-Messe CES kam schon vor Beginn der Technik-Schau im Spieler-Paradies Las Vegas. Die Opel-Mutter General Motors pumpt 500 Millionen in den amerikanischen Fahrdienst-Vermittler Lyft, um gemeinsam ein Netz von Roboter-Taxis zu entwickeln. Das Timing zementiert die Rolle der einst auf Fernseher und Hausgeräte fixierten Messe als Plattform für die Präsentation der automobilen Zukunft. Schon vor einem Jahr enthüllte hier Daimler seinen futuristischen selbstfahrenden Prototypen F015, ein Audi fuhr autonom 900 Kilometer von Kalifornien in die Kasino-Stadt in der Wüste von Nevada.

Mit einem außergewöhnlichen Design kann in diesem Jahr ein Newcomer aufwarten. Der von einem chinesischen Internet-Milliardär finanzierte Tesla-Herausforderer Faraday Future will die alte Autobauergarde aufschrecken: Der mit viel Vorschusslorbeeren bedachte Elektroauto-Neuling hat einen Supersportwagen als seinen ersten Prototypen vorgestellt. Der "FFZERO1" hat eine futuristische Form, ist extrem flach und bietet nur Platz für den Fahrer. Chefdesigner Richard Kim arbeitete unter anderem bei BMW an den Elektroautos i3 und i8.

Die Basis für den ausgefallenen Sportwagen sei aber eine Fahrwerks-Plattform, auf der Faraday Future "jede Art von Auto" bauen könne, betonte Top-Manager Nick Sampson bei der Präsentation auf der Technik-Messe CES. Sampson ließ sich einen Seitenhieb gegen klassische Autokonzerne nicht entgehen: "Man braucht keine 100-jährige Tradition, um zu definieren, wie die nächste Generation der Mobilität aussieht", erklärte er.

Die Attackierten versuchen ebenso mitzuhalten: So wird erwartet, dass General Motors die produktionsreife Version des kleineren und günstigeren Elektroautos Chevy Bolt vorführt. Der vom Abgas-Skandal durchgerüttelte Volkswagen-Konzern will ebenfalls ein Elektrofahrzeug vorstellen. Spekuliert wird, es könnte eine mit Strom fahrende Neuauflage des legendären VW-Busses sein. Zwei von Volkswagen veröffentlichte Fotos mit Vorder- und Rückansicht lassen auf jeden Fall einen Van vermuten. Auf einem davon ist als möglicher Name "Budd.e" zu erkennen - wohl in Anlehnung an "Bulli", wie der klassische VW-Transporter auch oft genannt wird.

Neben Elektroautos werden auf der diesjährigen CES Roboter-Wagen im Mittelpunkt stehen. Zuletzt gab es Medienberichte, Google und Ford wollten eine Partnerschaft bei selbstfahrenden Autos bekanntgeben. Der Autoriese könnte demnach die von Google entwickelten kleinen Elektro-Zweisitzer für die Stadt bauen. Einer anderen Darstellung zufolge kommt die Software des Internet-Konzerns für autonomes Fahren in Wagen von Ford. Der US-Autobauer gab bisher nur bekannt, dass Google und Apple den Zugang zu Unterhaltungsanlagen der Fahrzeuge erhalten. Zugleich soll das eigene System "AppLink", auf dem auch das von Toyota genutzte "SmartDeviceLink" basiert, ebenfalls weiterhin eingesetzt werden.

Die Flut der Ankündigungen ist umso erstaunlicher, da nur eine Woche später mit der Detroit Motor Show eine spezialisierte Automesse ansteht. Aber die Autobauer gehen gern mit ihren Neuheiten nach Las Vegas, um den Schulterschluss mit Elektronik- und Internet-Branche zu demonstrieren.

Auch wenn sich Autos ins CES-Rampenlicht drängen - die Verbraucher-Elektronik, mit der die Messe vor fast 50 Jahren begann, ist auch noch da. Hier zeichnen sich dieses Jahr vor allem drei Schwerpunkte ab: Virtuelle Realität (VR), das Internet der Dinge mit dem vernetzten Zuhause und alle Arten von Wearables, der kleinen Computer, die man direkt am Körper trägt.

Für die VR-Brillen, mit denen der Nutzer in virtuelle Welten eintauchen kann, kommt 2016 nach jahrelanger Entwicklung schließlich der erste Markttest. Samsung verkauft seine Gear VR bereits, demnächst folgen Sony mit der Playstation VR und die seit langem erwartete Brille des Pioniers Oculus, der inzwischen zu Facebook gehört. Jetzt wird es Zeit, mit Inhalten wie Spiele und Videos zu zeigen, was die Technik kann. Schließlich muss der Verbraucher überzeugt werden, sich recht klobige Geräte aufzusetzen, die an undurchsichtige Skibrillen erinnern.

Samsung will die CES nutzen, um bei der Heimvernetzung das TV-Gerät in den Mittelpunkt zu rücken. "Der Fernseher ist mit allen Konnektivitäts-Optionen ausgestattet, damit kann er ideal als Hub für die Vernetzung der Hausgeräte fungieren", sagt Samsung-Manager Kai Hillebrandt. Der südkoreanische Elektronik-Riese kündigte an, dass alle seine neuen Fernsehgeräte mit Ultra-HD-Auflösung auch als Schaltzentralen für das vernetzte Zuhause eingesetzt werden könnten. Insgesamt dürfte es eine Flut von Technik für das Smart Home geben.

Bei den Wearables waren in den vergangenen Jahren in Las Vegas viele Fitness-Tracker und Computer-Uhren zu sehen, die meisten hinterließen jedoch kaum eine Spur außerhalb des Messegeländes. Seit der vergangenen CES etablierte sich die Apple Watch vom Start weg als Marktführer bei Computer-Uhren, und der Platzhirsch Fitbit blieb die Nummer eins im Geschäft mit Fitness-Bändern. Die CES könnte einen Hinweis geben, was die Konkurrenz dagegenzusetzen hat. So will Samsung einen smarten Gürtel aus seinem Innovationslabor Creative Labs zeigen, der unter anderem die gemachten Schritte und die im Sitzen verbrachte Zeit zählt.

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