Spobis-Auditorium in Düsseldorf.
Spobis-Auditorium in Düsseldorf. © Foto:Sponsord / picture alliance

Sponsors Business Summit | | von Ben Krischke

Das Klassentreffen der Sportmarketer

Wäre das Campo Bahia nicht rechtzeitig fertig geworden, hätte Manuel Neuer freiwillig im Garten gezeltet. Der Stützpunkt der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft in Brasilien wurde rechtzeitig fertig. Wenn auch nicht bis ins Detail, denn ganze drei Mal musste Sami Khedira einen Wasserschaden beim Hausmeister melden.  Es sind auch Geschichten wie diese, die Oliver Bierhoff beim Sponsors Business Summit 2016 (Spobis 16) in Düsseldorf Anfang der Woche zum Besten gab. Die Aufmerksamkeit war ihm sicher, die Lacher auch.

Zwei Tage dauerte das "Klassentreffen der Sportbusinessbranche" ("Sponsors"), an dem hochkarätige Vertreter des Sportbusiness, und solche, die es werden wollen, Ein- und Ausblicke gaben, Visitenkarten sammelten und verteilten, und sich beim abendlichen Get-Together im Düsseldorfer Congress Center kennenlernten. Die verschiedenen Foren mit diversen Referenten hießen "Innovationstreiber Sport", "Club-Strukturen im Fußball", "Werbepotenzial Olympia" oder  einfach nur "Fußballbundesliga". 1800 Teilnehmer waren es insgesamt, sagen die Veranstalter.

Der Erfolg von Angelique Kerber bei den Australian Open und der Weltmeistertitel der deutschen Handballherren waren abseits der Foren die großen Themen, ansonsten ging es – erwartungsgemäß – vor allem um König Fußball. Schließlich ist dieses Jahr die Europameisterschaft in Frankreich, aber auch die Bundesliga hat in den vergangenen Jahren, spätestens seit dem Aufeinandertreffen des FC Bayern und Borussia Dortmund im Champions-League-Finale in Wembley, gewaltig an internationalem Prestige zugenommen. Nur eine Kennzahl: Allein mit Trikotsponsoring generierte der FC Bayern München in der abgelaufenen Saison rund 30 Millionen Euro.

König Fußball

Zurück zu Oliver Bierhoff und der deutschen Nationalmannschaft. Im Jahr 2018 läuft der Vertrag mit Ausrüster Adidas aus. Ob der Vertrag verlängert wird, oder gar Nike den Zuschlag bekommt, steht laut Bierhoff noch nicht fest. Obgleich in den Medien bereits von einer Entscheidung zugunsten des Sportartikelherstellers aus Herzogenaurach berichtet wurde.

Auf die Frage, welche Faktoren am Ende ausschlaggebend seien, antwortete der Manager der deutschen Nationalmannschaft: "Natürlich spielen verschiedene Dinge eine Rolle: monetäre Leistungen, Sachleistungen bis hin zu Vermarktungsleistungen, Image zur Unterstützung der DFB-Akademie, aber auch Tradition." Und fügte an: "Adidas ist ein jahrelanger Partner." Die Entscheidung werde jedenfalls "keine leichte".

Laut Medienberichten soll Adidas bereit sein, 750 bis 800 Millionen Euro für zehn weitere Jahre zu bezahlen. Das wäre in etwa das Dreifache der aktuellen Summe.

"Auffangjahr" für Absteiger

Es müssen nicht immer die großen Summen sein, manchmal geht es einfach nur um ganze Existenzen. Ein Abstieg aus der 1. In die 2. Bundesliga geht auch mit hohen finanziellen Einbußen einher, etwa was die TV-Gelder aus der Zentralvermarktung betrifft. Deshalb hat sich Dietmar Beiersdorfer, Vorstandsvorsitzender des Hamburger SV, dafür ausgesprochen, über die Einführung eines finanziellen Ausgleichs für Absteiger aus der ersten in die zweite Liga nachzudenken. "Ein Abstieg kann beinahe existenzgefährdend sein und einen Club zerlegen", so Beiersdorfer auf der Spobis-Hauptbühne, wo er sich mit seinem ehemaligen Teamkollegen Marco Bode zum "Nordgipfel" einfand.

Der Aufsichtsratsvorsitzende des SV Werder Bremen teilt die Ansichten Beiersdorfers. "Wir stellen uns vor, dass die TV-Gelder in der Bundesliga etwa zur Hälfte paritätisch ausgeschüttet werden. Innerhalb der zweiten Hälfte könnten sowohl sportliche, als auch TV-relevante Komponenten bezüglich der Attraktivität der einzelnen Clubs zum Tragen kommen", so Bode. Im Sinne des "Solidaritätsgedankens"  halte er außerdem daran fest, dass die TV-Gelder auch künftig im Verhältnis von 80 zu 20 an die Profivereine der Ersten und Zweiten Liga verteilt werden. "Sonst werden immer die Aufsteiger wieder absteigen und das würde uns viele spannende Inhalte und Themen nehmen", so Bode.

Beide Vereine übrigens, Werder Bremen und der Hamburger SV, schreiben seit vier Jahren nur rote Zahlen. Das nur am Rande.

Der FC Bayern in China

Seit Beginn der Saison 2014/15 ist die DHL Logistik- und E-Commerce-Partner des FC Bayern München. Beim Spobis in Düsseldorf waren auch Andreas Jung, Vorstand Marketing des deutschen Rekordmeisters, und Jürgen Gerdes, Vorstandsmitglied der Deutschen Post, zu Gast.

Zur Partnerschaft mit dem FC Bayern München sagte Gerdes: "Sie ist nicht entstanden, weil wir unsere Marke in Deutschland mehr aufladen wollen. Wir wollten uns viel mehr in Bezug auf die Internationalisierung zusammentun", so der DHL-Mann. Die Basis der Partnerschaft sei "gemeinsam amerikanische und asiatische Märkte zu erobern", schließlich, so Gerdes, werden nach heutiger Schätzung zwischen 2020 und 2025 etwa 55 Prozent der Menschen in Asien leben. Dort als Unternehmen nicht aktiv zu sein wäre "ein Fehler".

Für den FC Bayern München spielten aber auch rein praktische Gründe eine Rolle, so Andreas Jung: "Die Menschen mussten oftmals zum Zollamt gehen, um unsere Lieferungen abzuholen. Das bedeutete natürlich einen enormen Aufwand und war ein Grund, dass die Leute nicht gekauft haben." Außerdem, so Jung, legten auch die Fans in China "viel Wert" auf Originale. Mit der Partnerschaft würde man auch Probleme mit Plagiaten besser lösen können.

Fußball zu populär

Es war ein Tiefschlag für den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) als die Hamburger im vergangenen Jahr gegen die Austragung der Olympischen Spiele in der Hansestadt stimmten. Das Vertrauen in die Verbände sei angeknackst, die Elbphilharmonie bis heute nicht fertig, außerdem Angst vor Terroranschlägen. Erklärungsversuche für das Scheitern des Vorhabens gibt es viele. Und liegt es vielleicht auch an der Aufmerksamkeit, die dem Fußball zu Gute kommt?

"Dass insgesamt ein Ungleichgewicht zugunsten des Fußballs und zulasten der anderen Sportarten in den Medien besteht, das sich tendenziell von Jahr zu Jahr gefühlt weiter in eine unerfreuliche Richtung entwickelt, ist festzuhalten." Dieser Satz stammt von keinem  Geringeren als dem DOSB-Präsidenten Alfons Hörmann, unabhängig von der Olympia-Pleite in Hamburg.  Am Ende sei der Fußball "so stark und populär", dass sogar vertragliche Vereinbarungen darunter litten, sagte er auf dem Spobis. "Der Fußball hat hervorragende Perspektiven, Dinge sogar gegen den Wunsch der Medien durchzusetzen, und damit andere Sportarten das Nachsehen haben", so Hörmann.

Allerdings, räumt der DOSB-Chef ein, müssten andere Sportarten auch selbst dazu beitragen, mehr Aufmerksamkeit zu bekommen. "Die Ergebnisse der Handball-EM zeigen das wunderbar", so Hörmann. Zu  Turnierbeginn lag der Marktanteil bei 13 Prozen und im Endspiel bei unglaublichen 42 Prozent. Den Turniererfolg von Angelique Kerber in Australien sahen durchschnittlich über 1,15 Millionen Zuschauer.

Vor und während des Auftritts von Hörmann stimmten die Spobis-Besucher zur Frage ab, wie es nach Hamburg um Großevents abseits des Fußballs stehe. Über 55 Prozent stimmten mit "mittelmäßig", nicht einmal 20 Prozent der Besucher stimmten mit "eher gut" ab. Bedenkt man, welches Publikum hinter dieser Umfrage steckt, sind die Ergebnisse alarmierend.

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