Wearable | | von Uli Busch

Das sagen Designer über die neue Apple Watch

Seit Steve Jobs' Zeiten setzt die Designstrategie von Apple Maßstäbe. Diesen Anspruch muss auch die neue Apple Watch erfüllen. Wie schätzen Designer das neue Gadget ein? W&V hat bei Gregor Ade, Christian Doering, Lars Kreyenhagen und Sebastian Zirfas nachgefragt.

Lars Kreyenhagen, Mitgründer und Geschäftsführer von Karl Anders, Hamburg:

Nun ist es endlich so weit: die Apple Watch kommt in den Handel. Die Erwartungen sind hoch, die Fingernägel von vermutlich allen Apple-Mitarbeitern bereits zur Gänze abgekaut und die Vorfreude war riesig. Und für mich ist ganz klar: das Gadget wird sich mit ziemlicher Sicherheit richtig gut verkaufen. Denn die drei verschiedenen Ausführungen: Apple Watch, Watch Sport und Watch Edition bieten jede Menge Trageanlässe für die unterschiedlichsten Personenkreise. Dazu verschiedene Armbänder, die, je nach Nutzung und Style, frei wählbar sind, sowohl farblich, als auch vom Material. Schließlich legt Apple ja seit seinem Bestehen höchsten Wert auf das Hand-in-Hand-Gehen von technischem Vorsprung und Design.

Natürlich wird alles wieder super hochwertig gemacht. Unzerkratzbares Saphirglas, Edelstahlgehäuse, ebenfalls unkaputtbar, modernste Technik, unbesiegbar. Mein Herz blieb für einen kurzen Moment stehen, als ich den angeblichen Preis für die Watch Edition-Ausführung entdeckte. Ok, Gelbgold- bzw. Roségold-Gehäuse, mit immerhin 18 Karat, ist schon hochwertig. 10.000 Dollar und nur in ausgewählten Stores erhältlich. Für das Geld kaufe ich mir aber lieber eine Royal Oak.

Aber mit der Luxus-Ausführung streckt Apple seine Fühler auf jeden Fall erstmalig in Richtung Premium-Segment aus und dort gibt es noch einiges zu holen. Bin sehr gespannt auf zukünftige Kooperationen mit den Luxusmodemarken und die Sondereditionen der Uhr. Die PR in der Vanity Fair war da sicher schon ein entsprechender Vorbote. Ganz schön clever, die Damen und Herren von Apple. Fazit: Eine richtig schöne Uhr, die sowohl sportlich, als auch verdammt elegant daherkommt, garantiert jede Menge Spaß und Fans generieren wird, nicht zuletzt durch eine völlig neue Art der Benutzerführung und Bedienung und ein weiterer Schritt in Richtung Weltherrschaft ist. Wie heißt der Spruch so schön: Wir leben in der Zukunft und damit verabschiede ich mich und freue mich schon auf die Zeit, in der ich meine E-Mails per Uhren-Durchsage einsprechen kann.

 

Gregor Ade, Geschäftsführer Peter Schmidt Group:

Mit Preisen von bis zu 10.000 Euro zielt die Apple Watch deutlich auf das Luxussegment – also auf Käufer, die bislang vielleicht in eine Rolex investierten: Sofern die Uhr nicht gerade von einem Laster überrollt wird, lässt sich eine Rolex nach einigen Jahren oft noch mit Wertsteigerung verkaufen. Dieser Anspruch an Langlebigkeit und Präzision steckt auch im Design der Apple Watch und macht sie für mich zum bislang besten Produkt im Bereich der Wearables. Allerdings: Die Langlebigkeit des Designs steht im Widerspruch zur gewohnten Halbwertszeit technischer Geräte. Passt Technik, die nach drei Jahren veraltet ist, zu einem Produkt, das man im Zweifel Jahrzehnte am Handgelenk trägt? Eher nicht.

Der Einstieg in den Bereich Fashion ist auf jeden Fall spannend: Apple öffnet sich hiermit komplett neuen Produktkategorien. Was wohl als nächstes kommt? Auf jeden Fall werden ungewohnte Gesten in unseren Alltag einziehen: Nach dem „Handy am Ohr“ und dem „Smartphone in der Hand“ werden wir auf der Straße Menschen begegnen, die in ihr Handgelenk sprechen.

Verstörend finde ich allerdings die Kommunikation der Apple Watch: Im Werbespot joggt Model Christy Turlington am Fuß des Kilimandscharo – so weit, wie Mütter in Entwicklungsländern zum nächsten Krankenhaus laufen müssen. Das finde ich zum einen fast schon geschmacklos – und außerdem zeigt der Spot ziemlich genau, wie nutzlos das Produkt streng genommen ist. Wie wohltuend ist da hingegen der Film, mit dem Apple sein neues Macbook erklärt: Produkt-Inszenierung vom Feinsten, mit grandiosen Detailaufnahmen kleinster Bauteile. Dieser Film bringt das Apple-typische Streben nach Perfektionierung einer Ikone einmal mehr auf den Punkt. Und hat mich daher am Montagabend weit emotionaler berührt, als die Präsentation der Apple Watch.

 

Christian Doering, Creative Director und Head of Design bei Kolle Rebbe:

Die Apple Watch von Sir Jony Ive ist meiner Meinung nach absolut kein Fashion Statement. Das kleine multifunktionale Monster wird die klassische Armbanduhr sicher nicht ablösen, dagegen spricht die Design-Ästhetik und die Relevanz. Kommerziell wird die ‚iWatch' trotz des relativ hohen Preises dennoch erfolgreich sein.

 

Sebastian Zirfas, Senior Art Director bei Scholz & Volkmer:

Was mir gefällt: Apple hat nachweislich die Schwungmasse, um neue Gerätetypen nachhaltig im Markt zu etablieren. Besonders gefällt mir daher, dass es dazu führen wird, dass wir uns mit einer neuen spannenden Interface-Form auseinandersetzen können. Nebensächlich ist für mich persönlich die Möglichkeit der Individualisierung über unzählige Armbänder, es trägt aber womöglich zur Akzeptanz bei.

Das Kronenrad: Eine physische Komponente in der Gerätesteuerung zu haben, hat auch schon dem iPhone gut getan. Zwar ist es im Falle des kleinen Displays der Watch auch kaum anders möglich, dem Nutzer komfortabel solche Funktionen zu erlauben, allerdings sehe ich es eher als gelungene Hommage.

Das Display, das die Intensität der Berührung messen kann:  Längst überfällig. Andere Eingabegeräte, wie z.B. Controler für Spielkonsolen können das gefühlt schon immer. Innovativ wäre endlich mal eine sich ändernde Oberfläche.

Die Gesundheitsfunktionen:  Ich kann mich mit diesem Gedanken nur schwer anfreunden. Momentan scheinen die Features eher Spielerei als von wirklich medizinischem Nutzen zu sein. Dennoch gibt es bereits Gesundheitsunternehmen, die Beiträge mit der Nutzung bestimmter Trackingsysteme verknüpfen.Um zu wissen ob ich mich viel oder wenig bewegt habe muss ich nicht meine Schritte zählen, das merke ich in den Beinen. Aber wenn ich daran erinnert werde, mal wieder aufzustehen, hätte ich nichts dagegen.

Der eigentliche Nutzen: Die  Erweiterung und Ergänzung vorhandener Devices und Funktionen. Es ist eine Art Vorschaufenster mit abgesteckten Funktionalitäten am Handgelenk.

Kaufen oder nicht?  Eher nicht, da ich keine Uhr trage. Glücklicher Weise werden wir als Agentur aber sicherlich Testgeräte benötigen.

 

Hans Neubert, Chief Creative Officer Frog:

Die neue Apple Watch versucht den Menschen mit ihrem Leben zu verbinden, auf eine Art und Weise, die viel kontextbezogener ist, im Moment stattfindet und die Leute persönlich motivieren soll. Wenn Apple damit Erfolg hat, bedeutet dies das Ende der herkömmlichen Uhr, so wie wir sie kennen. Genauso wie das iPhone das Ende des Telefons war.

Das sagen Designer über die neue Apple Watch

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