Frank Schroedter: Der Chef von Engel & Zimmermann spricht für Wiesenhof.
Frank Schroedter: Der Chef von Engel & Zimmermann spricht für Wiesenhof. © Foto:

| | von Frank Zimmer

Der Fall Wiesenhof: Wie Engel & Zimmermann die Krisen-PR organisiert

Schloß Fußberg im oberbayerischen Gauting gilt auch für Münchner Verhältnisse als gehobene Bürolage. Von den Niederungen norddeutscher Geflügelmastbetriebe ist man Flugstunden entfernt. Eigentlich. Tatsächlich laufen hier die Fäden der Wiesenhof-Kommunikation zusammen. Im Schloß residiert die PR-Agentur Engel & Zimmermann AG, die als externe Pressestelle des Geflügelkonzerns gerade den kommunikativen Ausnahmezustand erlebt.

Agenturchef Frank Schroedter ist in vorderster Front dabei, in den Medien tritt er als "der" Wiesenhof-Sprecher in Erscheinung. Nach der Ausstrahlung der umstrittenen ARD-Dokumentation "System Wiesenhof" hatte Schroedter noch eine lange Nacht. "Wir haben bis um zwei Uhr auf Anfragen reagiert und unseren Faktencheck im Web dokumentiert", erzählt der E&Z-Vorstand im Gespräch mit W&V Online. Schroedter ist mit zwei Agenturmitarbeitern in die niedersächsische Provinz gereist und hat sein Büro vorübergehend in der Wiesenhof-Zentrale in Rechterfeld aufgeschlagen. Auf der Wiesenhof-Website haben sie einen Newsroom eingerichtet.

Im Social Web ist Wiesenhof mit einiger Vorsicht unterwegs. Es gibt einen YouTube-Kanal (ohne Kommentarfunktion) und man stellt sich immerhin bei Twitter den Vorwürfen aus dem Tierschutzlager. Von Facebook hält sich das Unternehmen lieber noch fern. Wegducken will man sich aber nicht: "Wir haben bis Donnerstagmittag rund 1000 E-Mails bekommen und wollen jede beantworten", so Schroedter. Nur auf Beleidigungen werde man nicht reagieren. Engel & Zimmermann arbeitet seit 24 Jahren für Wiesenhof, das schweißt zusammen. Das Unternehmen lasse seiner Agentur große Freiheiten, heißt es in der Branche. Zeitraubende Abstimmungen zwischen Gauting und der niedersächsischen Wiesenhof-Zentrale seien unüblich, die Agentur könne in der Regel schnell und eigenverantwortlich auf Anfragen reagieren.

Engel & Zimmermann übernimmt für Wiesenhof nicht nur die Pressearbeit und die Consumer-PR. Zum Krisenplan gehört die Kommunikation mit den Wiesenhof-Mitarbeitern und Handelspartnern. Diese Woche gab es eine Extra-Ausgabe der Wiesenhof-Mitarbeiterzeitschrift und zusätzlich eine Rundmail von Firmenchef Peter Wesjohann an die Belegschaft. Eine Anzeigenkampagne ist derzeit nicht geplant.

Mittlerweile hat der Geflügelkonzern Wiesenhof Konsequenzen aus den teils drastischen Fernsehbildern gezogen. Die richten sich gegen die Mitarbeiter der im TV-Bericht gezeigten Fremdfirma. Aber auch gegen die ARD selbst. Die Szenen in der ARD-Reportage "Wie ein Geflügelkonzern Tiere, Menschen und die Umwelt ausbeutet" zeigen Mitarbeiter einer externen Firma, die auf einer Putenfarm gegen Tierschutzvorgaben verstoßen. "Diese Tatsache ist für Wiesenhof absolut inakzeptabel", schreibt das Unternehmen in einer Pressemitteilung. Es fordert die Fremdfirma auf, die betroffenen und "identifizierbaren" Mitarbeiter freizustellen, damit sie bei keinem der Partnerlandwirte mehr eingesetzt werden.

Wiesenhof-Chef Peter Wesjohann weist jedoch Vorwürfe der Tierrechtsorganisation PETA von sich, von der die Bilder zum Teil stammen und die jetzt erneut Strafanzeige gegen Wiesenhof gestellt hat. "Dieser Vorfall ist anders als PETA behauptet nicht typisch für Wiesenhof", sagt Wesjohann, Vorstandsvorsitzender der PHW-Gruppe. Er verweist auf amtliche Untersuchungen des Veterinäramtes Cloppenburg, bei dem "keine Auffälligkeiten" festgestellt wurden. In dem Bericht würden außerdem Bilder von einer Elterntierfarm "aufgewärmt", die 2009 wegen Tierschutzverstößen ins Visier geriet.

Wesjohann wirft der ARD Recherchefehler vor und setzt sich mit einem ganz eigenen Weg zur Wehr: Die Begegnung mit dem Film-Team der ARD hat der Firmenchef selbst filmen lassen, der Film läuft im Youtube-Kanal von Wiesenhof und soll den Journalisten unsauberes Arbeiten nachweisen. "Diese Instrumente haben wir noch nie ausprobiert", sagt er im Gespräch mit dem "Handelsblatt". "Aber wenn Sie im Fokus einer solchen Kampagne stehen, haben Sie nur die Chance, durch Öffentlichkeitsarbeit zu überzeugen."

Schon im Vorfeld hatte sich Wiesenhof juristisch gegen den Titel der Reportage gewehrt und dem SWR eine Unterlassungsaufforderung geschickt. Laut "Handelsblatt" weist ein Sprecher des zuständigen SWR die Kritik zurück: "Die Vorwürfe sind haltlos." Die Reportage sei sauber recherchiert worden. Sie ist mittlerweile auch in ganzer Länge bei Youtube zu sehen. fs/fz

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