W&V-Gastautor Norbert Möller ist Executive Creative Director der Peter Schmidt Group.
W&V-Gastautor Norbert Möller ist Executive Creative Director der Peter Schmidt Group. © Foto:Peter Schmidt Group

Kommentar von Norbert Möller | | von einem W&V Leserautor

Designkritik: Der neue Sparkassen-Auftritt von Jung von Matt

Wenn's um Icons geht: Sparkasse. Der Finanzkonzern setzt beim Markenauftritt neuerdings auf Piktogramme, abgeleitet vom klassischen Sparkassen-Logo. Ist die neue Einfachheit sinnvoll oder nicht? Eine Einschätzung von Norbert Möller, Kreativchef der BBDO-Designtochter Peter Schmidt Group.

Wenn Einfachheit verwirrt

von Norbert Möller

Wenn wir uns in der Agentur darüber austauschen, welche Aspekte des Corporate Design künftig an Relevanz gewinnen werden, so landet die Icon-Sprache in der Regel weit oben auf der Liste: Durch Icons lassen sich komplexe Zusammenhänge vereinfachen und zugleich der charakteristische Look eines Unternehmens stärken. Wir betrachten Icons daher mittlerweile als "das sechste Grundelement des Corporate Design", das neben die fünf bekannten – Logo, Schrift, Farb- und Bildwelt sowie Layoutprinzip – tritt.

Von daher ist es durchaus nachvollziehbar, wenn die Sparkasse neuerdings voran geht und Icons für ihre Kommunikation nutzt. Allerdings irritiert die Gewichtung, denn sie räumt den Icons dieselbe Relevanz ein, wie dem seit siebzig Jahren etablierten Logo. Ist dieses also künftig auch nur noch ein "beliebiges" Icon?

Foto: DSGV

Foto: DSGV

Worüber ich außerdem stolpere: Im Logo symbolisiert der Kreis ein Geldstück, das in eine Spardose gesteckt wird. In den Icons wirkt er hingegen oft sinnfrei oder kann als stilisierter Kopf missverstanden werden.

Neben diesen rein gestalterischen Fragen kann man sich natürlich auch über grundlegendere Themen streiten. Nämlich ob "Einfachheit" wirklich der entscheidende Aspekt im Finanzwesen ist – oder ob es nicht vielmehr um "Vertrauen" geht. Unsere Erfahrung für andere Unternehmen der Finanzbranche zeigt eher, dass man in der Kommunikation aufpassen muss, nicht zu banal und oberflächlich zu wirken: Kunden wünschen sich hier stärker als in allen anderen Branchen fundierte Information.

Was ich kurios finde: Genau für die Vermittlung dieser hätte man Icons auf der neuen Website der Sparkasse sinnvoll einsetzen können. Komplexe Themen wie "Betriebliche Altersvorsorge" ließen sich durch Icons und Infografiken verständlich aufbereiten – doch die entsprechenden Unterseiten informieren ausschließlich durch Text. Icons kommen hingehen nur auf der Startseite zum Einsatz. Hier erzeugen sie allerdings eine Art animierten "Kachelteppich", der ganz und gar nicht einfach ist, sondern eher verwirrt und Fragen aufwirft. Daher: Insgesamt ein gut gemeinter Ansatz – aber mit deutlichem Optimierungspotenzial.

Der Autor: Norbert Möller ist Executive Creative Director der Peter Schmidt Group. Die international tätige Agentur für Marken- und Designstrategie mit Hauptsitz in Hamburg gehört zur BBDO-Gruppe. Auf der Kundenliste stehen u.a. Bertelsmann, Boss, Lufthansa, Rewe, die Postbank und das ZDF.

Designkritik: Der neue Sparkassen-Auftritt von Jung von Matt

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