Kommunikations-Fail par excellence

Was dann aber folgte, war ein Kommunikations-Fail par excellence. Offenbar hatte sich die Kommunikationsabteilung der Bahn zwischenzeitlich  einige Hintergrundinformationen beim Bordpersonal eingeholt:

Thunberg habe auf dem Weg von Frankfurt nach Hamburg zwischen Kassel und Hamburg auf einem Sitzplatz in der Ersten Klasse gesessen - also den größeren Teil der Fahrt, die laut Fahrplan knapp vier Stunden dauert.

Man freue sich, so schreibt die Bahn auf Twitter, dass Thunberg "uns Eisenbahner" im Kampf gegen den Klimawandel unterstütze. Und legt dann aggressiv nach: "Noch schöner wäre es gewesen, wenn Du zusätzlich auch berichtet hättest, wie freundlich und kompetent Du von unserem Team an Deinem Sitzplatz in der Ersten Klasse betreut worden bist."

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Doch damit schießt sich die Deutsche Bahn endgültig ein Eigentor.

Denn anstatt vorher ordentlich zu recherchieren, greift die Kommunikationsabteilung Greta Thunberg öffentlich an, und das vollkommen unberechtigt: Weil ein ICE ausgefallen war, musste Thunberg in Basel umsteigen - und bis Göttingen auf dem Boden sitzen, wie jeder andere Passagier das auch tun muss. Dort konnte sie dann ihren gebuchten Platz einnehmen. "Das ist natürlich kein Problem und ich habe niemals gesagt, dass es eines wäre", twittert Thunberg am Sonntag. Und ergänzt, sie konnte der Situation auch etwas Positives abgewinnen:

"Überfüllte Züge sind ein großartiges Zeichen, weil das bedeutet, dass die Nachfrage nach Bahnreisen groß ist."

Die Deutsche Bahn präsentiert sich kleingeistig

Einmal mehr ist es die 16-jährige Thunberg, die Größe beweist. Die Deutsche Bahn jedenfalls hat sich kleingeistig und aggressiv präsentiert und via Twitter all denen Stärke verliehen, die Thunberg allzu gern kritisieren.

Und das ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, an dem alle Welt frustriert ist über den Ausgang der Klimakonferenz in Madrid. Dort hatte Thunberg kritisiert, den Politikern wohlhabender Staaten fehle jegliches Gefühl für die Dringlichkeit der Krise.

Liebe Deutsche Bahn, anstatt Eure größte Fürsprecherin und Markenbotschafterin zu protegieren, habt Ihr Euch nach Strich und Faden blamiert. Was für eine verpasste Chance!

Belinda Duvinage mit dpa


Autor:

Belinda Duvinage

legt ein besonderes Augenmerk auf alle Marketing-Themen. Bevor die gebürtige Münchnerin zur W&V kam, legte sie unter anderem Stationen bei burdaforward und dem Münchner Merkur ein, leitete ein regionales Magazin in Göttingen und volontierte bei der HNA in Kassel. Den Feierabend verbringt sie am liebsten mit ihren drei Jungs in der Natur, auf der Yogamatte, beim perfekten Dinner mit Freunden oder, viel zu selten, einem guten Buch.