WM-Vergabe 2006 | | von Markus Weber

DFB-Affäre: So reagieren Beckenbauers Werbepartner

Franz Beckenbauer ist ins Zentrum der Affäre um die angeblich gekaufte WM-Vergabe 2006 gerückt: Die DFB-Interimsführung treibt ihn in dieser Frage immer mehr in die Enge, weil Beckenbauer angeblich im Jahr 2000 eine brisante Vereinbarung mit dem früheren Fifa-Vizepräsidenten Jack Warner unterschrieben hat. Selbst die "Bild"-Zeitung lässt den "Kaiser" fallen. "Mit der Unterschrift und mit dem vorformulierten Vertragstext ist es schwierig, da etwas auszuräumen", zitiert "Bild" DFB-Interimschef Reinhard Rauball, im Hauptberuf Rechtsanwalt.

Was sagen eigentlich Franz Beckenbauers Werbepartner zur aktuellen Entwicklung? - W&V Online hat nachgefragt. 

Beckenbauer ist langjähriger Partner des Pay-TV-Senders Sky und tritt hier unter anderem regelmäßig als TV-Experte auf. Bei Sky ist man grundsätzlich gegen eine Vorverurteilung. Was Beckenbauers Mitwirkung beim Sender angehe, "so stehen wir in engem Austausch mit seinem Management und beobachten außerdem aufmerksam die weitere Entwicklung", heißt es im Statement des Senders.

Franz Beckenbauer ist außerdem nach wie vor Markenbotschafter von Adidas. Im vergangenen Sommer erst wurde unter anderem die Sonder-Edition "Adidas Originals X Beckenbauer Pack" verkauft. Außerdem ist Adidas Generalausrüster des DFB. Auf Anfrage von W&V Online heißt es aber lediglich: "Spekulationen und Gerüchte kommentieren wir grundsätzlich nicht. Wir erwarten, dass alle Vorgänge rund um die WM-Vergabe 2006 aufgeklärt werden."

Mercedes-Benz verweist darauf, dass der Markenbotschafter-Vertrag mit Beckenbauer von 2010 bis 2014 lief. "Es bestehen keine aktuellen Verträge mehr", heißt es von Seiten der Pressestelle. Und weiter: "Wir beobachten die Entwicklungen im Zusammenhang mit der Vergabe der WM 2006 genau und erwarten eine lückenlose Aufklärung." Mercedes-Benz ist der Generalsponsor des Deutschen Fußball-Bundes.

Beckenbauer ist außerdem offizieller Werbebotschafter der Russischen Gasvereinigung RGS und unterstützt in diesem Zusammenhang unter anderem das Gazprom-Projekt "Football for Friendship". Eine W&V-Anfrage an den russischen Gasverband blieb zunächst unbeantwortet.

Auch wenn das Image der bisherigen "Lichtgestalt" Franz Beckenbauer durch die Affäre um die WM-Vergabe 2006 deutliche Kratzer bekommen dürfte, so muss man aber wahrscheinlich dennoch davon ausgehen: Bei der Bewertung der Lebensleistung des zweifachen Weltmeisters (als Spieler und Trainer) dürfte der Affäre am Ende wohl eher der Charakter einer Fußnote zuteil werden. Ärger mit der Justiz hatten schließlich schon ganz andere. Erinnert sei in diesem Zusammenhang etwa an die vermeintliche Unterschlagung von Unicef-Geldern durch die Pele-Marketingfirma im Jahr 2001. Oder an das aktuelle Steuerhinterziehungs-Verfahren gegen Lionel Messi, in dem es um Einnahmen aus Bildrechten geht.

Die Fans, die ihren Sport so gerne glorifizieren, sollten sich aber wenigstens einer Tatsache immer bewusst sein: Seitdem mit Fußball rund um den Globus viele Milliarden verdient werden, übt der Sport gerade auf windige Geschäftsleute und eher zwielichtige Berater und Agenten eine immer magischere Anziehungskraft aus.

DFB-Affäre: So reagieren Beckenbauers Werbepartner

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Sky ohne "Kaiser": Franz Beckenbauer hört auf

von W&V Online

Franz Beckenbauer beendet seine Arbeit als Fußball-Experte im Sport-Angebot der Pay-TV-Plattform Sky. Der Einsatz beim Achtelfinal-Rückspiel der Champions League zwischen dem FC Bayern und Juventus Turin am Mittwochabend soll auf seinen Wunsch der vorerst letzte sein, teilt Sky wenige Stunden vor dem Spiel in München mit.

Als Grund nennt das TV-Unternehmen auch "einen schweren privaten Schicksalsschlag". Beckenbauers Sohn war im Vorjahr nach langer Krankheit gestorben. Seit 50 Jahren stehe der Münchner zudem bereits in der Öffentlichkeit. "Nach so langer Zeit möchte ich mir eine Pause gönnen", wird der 70-jährige Beckenbauer zitiert. Er war zuletzt vor allem durch seine Verwicklung in den Skandal um die Fußball-WM 2006 heftig in die Kritik geraten.

Sky-CEO Carsten Schmidt sagt zum Abschied des "Kaisers" von Sky:

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"Es war allen Kollegen bei Sky sowie mir selbst eine große Freude, über insgesamt 25 Jahre mit Franz zusammenzuarbeiten. Seine Persönlichkeit und seine fachkundigen Analysen haben unsere Sendungen ebenso bereichert wie seine charmante Art."

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red/dpa

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