Jung von Matt | | von Ulrike App

Edeka macht auf supergeil

Vor einigen Monaten hat Edeka die Kiffer der Republik mit einem Online-Video umgarnt. Jetzt folgt ein weiterer Versuch, die Jungen zu beeindrucken. Dabei hilft der Berliner Friedrich Liechtenstein. Das Multitalent, mit einschlägiger Erfahrung als nörgelnder Youtube-Video-Hauptdarsteller, gibt in einem Webspecial der Supermarkt-Kette den Song "Supergeil" zum Besten. Das Motto der ganzen Aktion, erdacht von Stammagentur Jung von Matt: "Super Markt. Super Marke. Supergeil". Der Protagonist darf in insgesamt sieben Filmchen auftreten, die sich mal an die Kollegen, Geburtstagskinder oder Väter richten.

Das Lied "Supergeil" gibt es bereits seit einem Jahr, Liechtenstein hatte es mit "Der Tourist" aufgenommen. Der Hauptstädter hat für Edeka nun eine eigene Version kreiert. Der Händler nennt das Ganze "eine künstlerisch-musikalische Begegnung mit den Eigenmarken von Edeka". Liechtensteins Youtube-Karriere gründet sich unter anderem auf das Video "Kackvogel".

Das Musikvideo:

Kollegen:

Frauen:

Männer:

Mütter:

Väter:

Geburtstagskinder:

Edeka macht auf supergeil

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Medien entdecken Viral "Supergeil" von Edeka

von Ulrike App

Viele Medien berichten äußerst selten über Kampagnen. Wohl auch weil sie Angst haben, in Verdacht zu geraten, Schleichwerbung zu betreiben. So interessieren sich andere Medienhäuser selten für solche Meldungen, wie sie W&V Online am vergangenen Donnerstag brachte: "Edeka macht auf supergeil". In diesen Tagen macht das Viral "Supergeil" der Supermarktkette aber eine echte Medienkarriere: So veröffentlicht beispielsweise die "Bild" ein Interview mit Protagonist Friedrich Liechtenstein. "Ich werde sogar schon auf der Straße nach Autogrammen gefragt", gibt er dort zu Protokoll. Einige Tage zuvor hatte das Blatt bereits der im Clip vorkommenden "Super-Uschi" einen Artikel gewidmet. Nicht nur der Boulevard nimmt sich dem Thema an: Edeka schafft es sogar in den Wirtschaftsteil der "Süddeutschen Zeitung" oder zu "Handelsblatt Online". Und auch der englischsprachige Dienst "Business Insider" widmet sich dem Filmchen.

Das Edeka-Musikvideo kommt bei Youtube mittlerweile auf 2,7 Millionen Klicks (Stand 26. Februar). Auch die insgesamt sechs Grußfilmchen mit Liechtenstein sammeln jeweils mehrere Hunderttausend Views ein. Alle Werke finden sich in einem Edeka-Webspecials, erdacht von der Agentur Jung von Matt. Das Motto: "Super Markt. Super Marke. Supergeil". Der Händler promotet damit seine Eigenmarken. Dafür startet ab Montag Edeka auch noch einen ganz klassischen TV-Spot - der allerdings ohne Liechtenstein auskommt.

Das Lied "Supergeil" gibt es bereits seit einem Jahr, Liechtenstein hatte es mit "Der Tourist" aufgenommen. Der Hauptstädter hat für Edeka eine eigene Version kreiert. Nochmals für alle, die es geschafft haben "Supergeil" noch nicht zu sehen, die Supermarkt-Variante:

Und die ersten Parodien kursieren bei Youtube auch schon:

von Ulrike App - Kommentare Kommentar schreiben

Die Geschichte hinter "Supergeil"

von Uli Busch

Alle reden über Viral-Hits wie Supergeil oder Umparkenimkopf - aber wie kommen diese Kampagnen eigentlich zustande? Woher kam die Idee und wie hat sie sich durchgesetzt?

Unsere neue Rubrik W&V-Viralogie lässt die Macher zu Wort kommen.

Den Anfang macht Jens Pfau von Jung von Matt in Hamburg, der kreative Kopf hinter Edekas "Supergeil"-Auftritt:

"Es hörte sich erst recht bescheuert an"

von Jens Pfau

"Als wir uns gemeinsam mit Edeka an die Kreation der diesjährigen Eigenmarken-Kampagne machten, wollten wir deren Bekanntheit auch in einer jüngeren Zielgruppe steigern. Zu der Zeit tanzte Friedrich Liechtenstein mit Supergeil durch den Untergrund des Internets. Bei uns in der Agentur ging der Song an den Rechnern rum und mein Kreativdirektor Hans-Peter Sporer stellte den Song in einer Abstimmung vor: "Lasst uns doch den Typen nehmen und der singt, wie supergeil die Edeka-Produkte sind…!" Was sich erst recht bescheuert anhörte, wurde plausibler mit dem Original-Song. Der reizte mich sofort. Und noch mehr zog mich dieser Rauschebart in dem Video in seinen Bann.

Buzzfeed titelte: "Swag is universal". Das trifft es sehr gut.

Dann setzten wir uns ran und überlegten nach einer sinnvollen Aufmachung – sofern da überhaupt eine Idee für Edeka drinstecken sollte. Wir schrieben zwei Strophen und dachten uns das zugehörige Video aus, wie Friedrich Liechtenstein durch das deutsche Privatleben tanzt.

Unser Kunde fand die Idee auf Anhieb supergeil. Dass dies eine Idee war, mit der man auch scheitern kann, war allen bewusst. Das war sehr wichtig. Denn man weiß nicht, ob solch eine sperrige Viral-Idee zündet, oder nicht.

Wir mussten jetzt nur noch gemeinsam mit Gerrit Winterstein von unserem Partner White Horse Music Künstler und Interpret einfangen. Der Musiker und Regisseur Jakob Grunert, mit dem wir später auch das Video gedreht haben, war sofort angetan von der Idee und holte Friedrich Liechtenstein ins Boot. 

Zusammen mit Edeka, Jakob Grunert und unseren Kollegen von White Horse Music entstanden dann Texte und Bilder für das bildgewaltige Musikvideo. Das Projekt machte sofort allen Beteiligten riesigen Spaß und wir merkten, wie viel Potenzial in der Idee steckte.

Der Dreh fand in Berlin mit vielen Freunden und Bekannten in deren Wohnungen statt, alles war sehr eingeschworen und familiär. Ich glaube, das merkt man dem Video an.

Als ich den ersten Schnitt des Videos gesehen hatte, war ich mir schon recht sicher, dass sich das nicht im Internet versenden würde. Dazu war es einfach zu anders. Dass es ein Erfolg wird, wusste ich, als wir über Nacht knapp 250.000 Klicks sammelten und am nächsten Tag Buzzfeed berichtete."

Jens Pfau,36, ist stellvertretender Geschäftsführer von Jung von Matt/Elbe.

Mehr zur "Supergeil"-Kampagne gibt es im W&V-Storify:

von Uli Busch - Kommentare Kommentar schreiben

Edeka: TV-Spot ohne "Supergeil" und Liechtenstein

von Ulrike App

Edekas Eigenmarken-Kampagne hat in den vergangenen zehn Tagen richtig viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Das liegt natürlich an dem Musikvideo "Supergeil", in dem der Berliner Friedrich Liechtenstein die Hauptrolle übernimmt. Während das Multitalent aus der Hauptstadt durch die Medien gereicht wird, legt die Supermarktkette jetzt mit dem klassischen Auftritt für die Eigenmarken los. Doch: Die Agentur Jung von Matt kehrt bei dem neuen TV-Spot wieder in die übliche Edeka-Welt zurück. Der schräge Liechtenstein mit seinen "supersexy" Anspielungen taugt eben nicht für das Familienfernsehen - dafür aber der 30-Sekünder "Blicke": Hier heißt das Duell Bub gegen Mädel. Flankiert wird das Filmchen von zahlreichen On- und Offline-Maßnahmen wie Anzeigen, Bannern oder POS-Materialien.

Das Webspecial der Supermarkt-Kette unter dem Motto "Super Markt. Super Marke. Supergeil." mit den Lied gibt es natürlich weiterhin. Mittlerweile kommt das Song-Video "Supergeil" bei Youtube auf 4,8 Millionen Klicks.

Mehr zum "Supergeil"-Hit gibt's im W&V-Storify:

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Pro & Contra: Muss Edeka im TV auch supergeil werben?

von Uli Busch

Edeka hat nach der Supergeil-Furore im Netz im Fernsehen einen fast zahmen, familienfreundlichen Spot ganz ohne Friedrich Liechtenstein geschaltet. Die W&V-Redakteure Frank Zimmer und Anja Janotta diskutieren: Hätte der Supermarkt im Sinne einer geglückten Multichannel-Strategie nicht an den Web-Erfolg anknüpfen müssen? Ist ein harmloser Familienspot jetzt einfach nur feige? Ja, findet Frank Zimmer:

Pro Liechtenstein

Liebe Edeka-Werber, ich verstehe euer Problem: "Supergeil" war ein Risiko. Einen übergewichtigen Endfünziger durch einen Supermarkt tanzen zu lassen und ihn in Milch schwimmen lassen: damit hättet ihr euch und die Marke Edeka für alle Zeiten blamieren können. Oder zumindest für eine Woche (was im Netz so ziemlich dasselbe ist). Ihr habt euch aber nicht blamiert. Ihr habt einen unglaublichen Hit gelandet. Warum ist euch das eigentlich so peinlich, dass ihr ihn in eurem aktuellen TV-Spot mit keiner Silbe erwähnt und Friedrich Liechtenstein in euren Märkten nicht stattfinden lasst? Klar, Youtube und klassische TV-Werbung sind unterschiedliche Kanäle. Aber es wäre doch sinnvoller, diese Kanäle miteinander zu verbinden, anstatt sie durch meterhohe Mauern und Stacheldraht voneinander abzuschotten.

Was wäre so schlimm daran, in jedem Supermarkt eine lebensgroße Pappfigur von Liechtenstein aufzustellen oder ihn kurz im Spot aufscheinen zu lassen? Welche 60-jährige Frührentnerin würde aus Protest Edeka boykottieren? Keine einzige. Niemand. Aber Millionen von Jungen und Junggebliebenen könnten sehen, dass Edeka supergeil ist. Wollt ihr das wirklich nicht?

Anja Janotta sieht das anders:

Contra Liechtenstein

Edeka muss zwei Wege fahren, um sein Kommunikationsziel zu erreichen. Die Zielgruppe im Web ist nicht gleichzusetzen mit einer Zielgruppe, die abends vor dem Fernseher sitzt. Natürlich erreicht Edeka im Netz die Jungen, die sich von dem Supermarkt um die Ecke auch ein bisschen was Knalligeres und Geileres erwarten als das weichgespülte alte  "Wir lieben Lebensmittel."

Aber auch wenn mittlerweile beachtliche fünf Millionen Nutzer das Youtube-Original angeklickt haben - die Alterspyramide von Edekas Zielgruppe reckt sich höher als bis zu den Mittdreißigern. Und in diesen höheren Regionen, besonders bei den Familien und Senioren, geht es nicht um Marken-Attribute wie "cool" oder "verrückt" oder "geil", sondern um "vertrauenserweckend" und "sympathisch". Gerade ersteres ist schwer gewonnen und schnell verspielt.

Sollte Edeka dieses Markenvertrauen für ein paar mehr schnelle Klicks und ein bisschen mehr Ventilation aufgeben? Nicht, wenn der Viral wie alles im Social Web schneller abgelaufen ist als die Milch, in der Friedrich Liechtenstein in seinem Musikvideo badet.

Zum Mitreden - der zahme: TV-Spot "Blicke":

Und zum Vergleich - as Supergeil-Video mit Friedrich Liechtenstein:

von Uli Busch - Kommentare Kommentar schreiben

Liechtenstein und IC Berlin: Sehr, sehr geile Brillen

von Christa Catharina Müller

Nicht nur Edeka setzt mit seiner von Jung von Matt konzipierten Viral-Kampagne auf Friedrich Liechtenstein. Denn der zum Berliner Darling gewordene Flaneur und Schmuckeremit – wie er sich selbst gerne bezeichnet – wirbt bereits seit Frühjahr 2013 für die Brillenmanufaktur IC Berlin. Doch obwohl Liechtenstein der Firma grundsätzlich für Fotoaufnahmen zur Verfügung steht, handelt es sich nicht um einen klassischen Werbedeal zwischen den beiden Parteien. Vertraglich ist nichts geregelt. Liechtenstein bezeichnet ihre Beziehung lieber als „freundschaftliche Verbindung jenseits von normalen Marketing-Absichten“.

Als alter Freund von Ralph Anderl, dem Geschäftsführer von IC Berlin, wohnt der 58-Jährige seit Ende 2012 im Turmzimmer der Firma. Gemeinsam trinken sie morgens ihren Kaffee oder fahren auf Messen, wo Liechtenstein dann auftritt. Beide würden dieselbe Art zu leben schätzen:  „Das ist der Grundhumus, auf dem unser beider Geschichte gedeiht.“ Anderl bezeichnet ihn im Gegenzug als „Kind von IC Berlin.“ Kein Wunder also, dass Liechtenstein die Berliner Brillenbande auch in den aktuellen Spots der Supermarktkette Edeka unterstützt. „Die Brille kommt da drin vor, weil die Leute die geil fanden und die gut zu mir passt und das war’s.“ Mehr will Liechtenstein zum gelungenen Content Marketing des Labels nicht sagen.

Stattdessen winkt er am vergangenen Donnerstagabend lieber vom Balkon des Geschäftsgebäudes am Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin. Er hat es seinen Fans auf Facebook versprochen: „Facebook hat nicht mehr so gut geklappt, ich war überfordert. Ich konnte nicht mehr allen antworten und deshalb dachte ich, ich geh‘ da jetzt raus, auf den Balkon, wink‘ den Leuten zu. Ist ja auch eine soziale Geschichte. Da sieht man sich mal. Die meisten erkennt man ja nicht. Die Fotos sind ja alle gephotoshoppt. Mal sehen, ob sie zurückwinken, ob’s ihnen gefällt. Ich hab‘ Bock drauf.“ Er zupft die Handschuhe zurecht. Sie sind gelb und passen farblich zum Rollkragenpullover. Er trägt ein Brillenmodell von IC Berlin. Unten auf der Straße stehen seine Anhänger. Sie haben ein Lächeln im Gesicht als Liechtenstein die Worte spricht, auf die sie alle warten: „Und wenn ihr eines Tages vor dem Spiegel steht, dann sagt euch selbst: Mein Gott bist du geil. Und wenn ihr es dann richtig drauf habt, dann geht zu jemanden, den ihr sehr gut leiden könnt und sagt: Hey, du bist sehr, sehr geil. Ihr werdet sehen: Die Welt wird geil.“

Fast  beiläufig funktioniert der Trick, den Jean-Remy von Matt vergangene Woche im Interview mit W&V (9/2014) noch als den großen Trend der Marketing-Kommunikation bezeichnet hat. Wenn Liechtenstein im Edeka-Viral-Spot Sahnetorte, Milch und Croissants mit sonorer Stimme besingt, hält er die Balance zwischen Ernst und Ironie scheinbar mühelos. Supergeiler Dorsch, supergeiles Klopapier, supergeile Brille. So einfach ist es. Erklären kann er sich den Erfolg aber nicht: „Dieses Werbegeschäft, was ich nicht durchschaue und auch nicht wirklich kenne, hat ja ein derartiges Eigenleben entwickelt. Wenn man sieht, welche Budgets da bewegt werden, wie viele Kampagnen, wie viel Geld da fließt und wie unberechenbar es dennoch bleibt, glaube ich, dass sogar die Werber nicht genau wissen, was sie da tun. Diese Sache hat jetzt mal geklappt und alle werden wissen, warum. Aber durchdeklinieren, warum es geklappt hat, kann man nicht. Das bleibt im Verborgenen.“

Vielleicht steckt IC Berlin auch deshalb alles Geld in die Qualität der Brillen und verzichtet auf „ordnungsgemäße Werbung“ wie Ralph Anderl das Geschäftsmodell beschreibt. Wie auch immer, es funktioniert. Die Modelle von IC Berlin, die so wohlklingende Namen wie Guenther N., Wallis oder Helene tragen, kann man zwar in keiner Edeka-Filiale kaufen, das dürfte aber weiter niemanden stören. Die Supermarktkette hat mit den Trittbrettfahrern jedenfalls kein Problem.   

Anfragen an Friedrich Liechtenstein richten Werbekunden am besten direkt an den Künstler unter info@friedrichliechtenstein.de.

von Christa Catharina Müller - Kommentare Kommentar schreiben