Hipster-Marke? Der Einhorn-Gründer Philip Siefer hat mit diesem Label keine Probleme. Mit W&V Online spricht er über die Marketing-Strategie seines Unternehmens.
Hipster-Marke? Der Einhorn-Gründer Philip Siefer hat mit diesem Label keine Probleme. Mit W&V Online spricht er über die Marketing-Strategie seines Unternehmens. © Foto:Einhorn/Liz von Wagenhoff und Marco Woldt

Interview mit Philip Siefer | | von Sebastian Blum

Einhorn-Marketing: "Wir lieben es, über Kondome und Sex zu reden"

Vegane Öko-Gummis in stylischer Verpackung: Für seine nachhaltig produzierten Kondome bekommt das Berliner Startup Einhorn zur Zeit jede Menge Aufmerksamkeit - auch von der Konkurrenz. Die Gründer Waldemar Zeiler und Philip Siefer suchen jetzt einen neuen Geschäftsführer. W&V Online hat mit Siefer über die Marken-Strategie der Präser-Brand gesprochen.

Herr Siefer, Hand aufs Herz: Wann haben Sie das letzte Mal ein Einhorn-Kondom benutzt?

Gestern. Ich bin in einer festen Beziehung, wir haben anfangs viele Marken ausprobiert. Im Moment testen wir natürlich besonders gerne Einhorn-Kondome.

Ihr Startup sitzt in Berlin und produziert vegane Präservative aus nachhaltig angebautem Natur-Kautschuk. Passt das Label "Hipster-Marke" im Fall von Einhorn?

Waldemar Zeiler und ich werden oft Hipster genannt. Die Sache ist die: Im Volksmund wird der Hipster als bärtiger Typ aus Berlin mit Vintage-Klamotten wahrgenommen, der so ein California-mäßiges Ding macht. Rein oberflächlich trifft das auf uns beide zu. Bei Einhorn geht es zudem viel um Design, Branding und Nachhaltigkeit – 50 Prozent der Erlöse gehen an gemeinnützige Zwecke. Ja, ich denke, das Label "Hipster-Marke" trifft es ganz gut.

Einhorn bekommt zur Zeit sehr viel Aufmerksamkeit – Herr Zeiler und Sie haben vor kurzem in der Vox-Startup-Show „Die Höhle der Löwen“ gepitcht. Wie sieht die Marketing-Strategie von Einhorn aus?

Wir entscheiden gemeinsam in einem siebenköpfigen Team und sprühen alle vor magischen Feenstaub-Ideen. Der Spaß ist uns sehr wichtig – für uns und unsere Kunden. Wir wollen Freude am Leben vermitteln. Unsere Themen müssen immer fair und nachhaltig sein. Einhorn ist eine freundliche Marke, niemand soll sich ausgeschlossen fühlen. Ziel ist auch, dass wir ordentlich Reichweite generieren und alles im Rahmen unserer Ressourcen bleibt.

Wir lieben es außerdem über Kondome und Sex zu reden und wollen das Thema Präservative aus der Schmuddelecke bringen. In "Die Höhle der Löwen" ist uns das sehr gut gelungen. Wir sprechen auch gerne über andere Themen, deshalb haben wir unser eigenes Video-Format Einhorny TV gestartet. Unser nächstes Projekt ist ein Tantra-Workshop. Ich möchte nicht viel verraten. Nur so viel: Wir suchen den Ober-Einhorn-Lover beziehungsweise die Ober-Einhorn-Loverin.

Aufmerksamkeit gibt es für Einhorn ja nicht nur in den Medien, sondern auch vor Gericht. Ihr Konkurrent Fair Squared erwirkte zunächst eine einstweilige Verfügung gegen die Behauptung, Einhorn produziere das „weltweit erste nachhaltige Kondom“. Fair Squared stört sich zudem an der Formulierung „7 Kondome entsprechen 21 Orgasmen“ auf der Verpackung. Vom rechtlichen Standpunkt einmal abgesehen: Wie reagiert man, damit die eigene Marke keinen Schaden nimmt?

Wenn ein größerer Mitbewerber uns abmahnt, ist das zunächst ein Riesen-Kompliment. Jemand scheint zu denken, dass wir vieles richtig machen und ihm Marktanteile klauen. Wenn man als Marke viel Wind macht, versucht die Konkurrenz dann gegenzusteuern. Wir sind jetzt aber ein bisschen vorsichtiger geworden, vielleicht waren wir am Anfang auch zu blauäugig.

Was den Streit um die 21 Orgasmen angeht: Ein Höhepunkt pro Kondom ist einfach traurig – Frauen können auch multiple Orgasmen haben, einer oder eine geht da immer leer aus. Wir haben gegen diesen Missstand humorvoll demonstriert. Unseren Kunden interessieren Rechtsstreitigkeiten jedoch nicht. Das ist die Sache unserer magischen Anwälte...

Welche Fehler machen Startup-Gründer häufig?

Sie verkennen oft die Kraft der eigenen Ideen, den kleinen Größenwahnsinn, der sich für witzige Sachen nutzen lässt. Angela Merkel hat vor Kurzem ganz richtig gesagt: "Angst ist ein schlechter Ratgeber." Fragt euch, wie ihr die Welt zu einem besseren Ort machen könnt! Es lohnt sich, vieles auszuprobieren und um die Ecke zu denken – gerade beim Produkt. Crowdfunding hat uns am Anfang wahnsinnig geholfen. Durch das Feedback der Kunden konnten wir nochmal an unserem Produkt feilen. Das war für uns dann der Proof of Concept.

Auf Ihrem neuen Kanal Einhorny TV gibt es bereits eine eigene Sendung. Das Thema: die Suche nach einem Einhorn-CEO. Was hat es damit auf sich?

Wir wollten etwas Lustiges machen und zeigen, dass wir uns selbst nicht zu ernst nehmen. Die Brand Einhorn soll mit ihren Kunden auf Augenhöhe kommunizieren. Waldemar und mir macht das Marketing und die Produktentwicklung viel Spaß. Das operative Geschäft kann am Anfang von zwei kleinen Scheißern wie uns gemacht werden. Um weiter zu wachsen, hätten wir jedoch gerne jemanden, der sich richtig gut auskennt und seit zwanzig Jahren nichts anderes gemacht hat. Bei Google lief das ja genauso. Der Geschäftsführer beziehungsweise die Geschäftsführerin sollte sich um die operativen "Hausaufgaben" kümmern. Unser Onlineshop muss etwa noch ausgebaut werden, wir wollen im nächsten Jahr international arbeiten.

Können Sie sich eigentlich vorstellen, einmal ganz "klassisch" mit einer Agentur zu werben?

Klar. Es haben sich bereits Agenturen bei uns gemeldet, die mit uns kooperieren wollen. Wenn wir noch mehr wachsen und die Ressourcen da sind, werden wir mit Kreativen und Agenturen zusammenarbeiten müssen. Unser Tempo darf nicht abnehmen, die eigene Handschrift von Einhorn soll jedoch erkennbar bleiben. Unsere erste Zusammenarbeit war übrigens mit Brandzeichen aus Düsseldorf, die wissen, wie gute Pressemitteilungen aussehen müssen.

Vervollständigen Sie bitte diesen Satz: In drei Jahren ist Einhorn…

In drei Jahren ist Einhorn Lover’s Choice.

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