Bei den Terroranschlägen in Paris starben Freitag Abend mindestens 132 Menschen.
Bei den Terroranschlägen in Paris starben Freitag Abend mindestens 132 Menschen. © Foto:iStock

Konsumklima nach dem Attentat | | von Deutsche Presse-Agentur

Europas Wirtschaft trotzt Terroranschlägen von Paris

Europa steht nach der Terrorserie von Paris unter Schock. Lassen sich Verbraucher von den schrecklichen Bildern verunsichern? Hemmen verschärfte Grenzkontrollen künftig den Handel? Die Deutsche Presse-Agentur hat Reaktionen gesammelt.

Anleger und Ökonomen reagieren besonnen. "Den Terroristen wird es nicht gelingen, die wirtschaftlichen Fundamente des Westens zu beschädigen", argumentiert Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. Selbst die Anschläge vom 11. September 2001 hätten die US-Konjunktur kaum belastet. Der Welthandel habe nicht sichtbar darunter gelitten, dass Staaten ihre Grenzkontrollen im Kampf gegen den Terror verschärft hatten, analysiert Krämer. Nach Einschätzung der Außenhandelsverbandes BGA wird es allerdings entscheidend darauf ankommen, wie die Kontrollen ausgestaltet werden und wie lange sie dauern. "Das Europa der offenen Grenzen trägt wesentlich zum Wohlstand bei", sagt ein BGA-Sprecher.

"Die Folgen der Terroranschläge von Paris werden sich gesamtwirtschaftlich gesehen in Grenzen halten", sagt auch Dekabank-Chefvolkswirt Ulrich Kater. Auswirkungen auf einige Regionen oder Branchen seien allerdings wahrscheinlich, zum Beispiel auf den Tourismus in der französischen Hauptstadt. Kater rechnet nicht damit, dass die Anschläge Verbraucher oder Unternehmen in Deutschland nachhaltig verunsichern. "Wir erwarten keine Auswirkungen auf Stimmungsindikatoren wie den Info-Geschäftsklimaindex oder das GfK-Konsumklima".

Holger Schmieding, Chefvolkswirt der Privatbank Berenberg, verweist auf bisherige Erfahrungen: Sowohl nach den Bombenanschlägen in London im Jahr 2005 als auch nach den Terroranschlägen in Madrid 2004 und nach dem 11. September 2001 habe sich gezeigt, dass in den betroffenen Ländern die Konsumausgaben weiter zugelegt hätten.

Skeptischer ist der Marktforscher GfK. "Ich gehe jetzt mal davon aus, dass es in der Stimmung nicht ganz ohne Folgen bleiben wird", sagt GfK-Experte Rolf Bürkl. Die Anschläge hätten sich nicht nur nahezu vor unserer Haustür ereignet, sondern auch gezeigt, dass die Terroristen möglichst viele Menschen treffen wollten. Vorstellbar sei, dass sich manch einer stärker in die eigenen vier Wände zurückzieht und größere Ereignisse wie Weihnachtsmärkte eher meidet, sagt Bürkl. Genauer beurteilen ließen sich die Folgen aber erst bei der nächsten Befragungswelle für das Konsumklima, die im Dezember beginnt.

An den Aktienmärkten reagierten Anleger am Montag besonnen. Die Terrorserie führte nur zu vergleichsweise geringen Kursbewegungen. Die Aktie der Lufthansa litt allerdings zeitweise unter der Verunsicherung. Terror-Attacken seien unvorhersehbar und wirkten entsprechend negativ auf die Touristen-Ströme, fasst Analyst André Juillard von der Bank Kepler Cheuvreux die Belastung für die Reiseindustrie zusammen.

Der internationale Luftverkehr hatte wie kaum eine andere Branche unter den Al-Kaida-Anschlägen am 11. September 2001 gelitten. Zu abschreckend waren die Bilder der Passagierflugzeuge, die in die Türme des World Trade Centers krachten. Die Fluggäste blieben auf lange Zeit weg, so dass Airlines in Europa zusammenbrachen und in den USA in den Gläubigerschutz fliehen mussten. Erst fünf Jahre nach "Nine-Eleven" hat die Industrie ihrem Verband IATA zufolge im weltweiten Maßstab wieder Gewinn gemacht.

Doch nach dem schwarzen Freitag von Paris scheint die Situation eine komplett andere, da dieses Mal keine Flugzeuge als Terrormittel eingesetzt worden sind. "Ich sehe nach den Anschlägen mittelfristig keine Auswirkungen auf die Luftverkehrsindustrie", sagt Experte Gerald Wissel von der Beratungsgesellschaft Airborne.

Unsicherheiten gibt es allerdings beim Ölpreis, der mit seinen Niedrigständen in den vergangenen Monaten einen großen Teil zur aktuell guten Ertragslage der Airlines beigetragen hat. Das verschärfte militärische Eingreifen Frankreichs in den Syrienkonflikt könnte das Angebot verknappen, hatten Händler bereits am Sonntag spekuliert. Am Montag legten die Preise zunächst aber nur moderat zu. Preisdämpfend wirkten etwa die vergleichsweise hohen Öl-Vorräte in den USA.

"Der Terrorismus ist kein ökonomisches Problem", sagt Chefvolkswirt Kater. Die größte Gefahr ist aus seiner Sicht, dass "sich infolge von Terror und Unsicherheit die politische Landschaft in Richtung Abschottung entwickelt". Sollten Regierungen die europäische Integration in Fragen stellen, werde dies gravierende Folgen für wirtschaftliche Entwicklung haben.

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