| | von Markus Weber

"Exzessives Marketing" soll Krawalle in Großbritannien geschürt haben

Im vergangenen August wurden zahlreiche englische Großstädte von einer Serie gewalttätiger Ausschreitungen heimgesucht, die im Londoner Stadtteil Tottenham ihren Anfang nahmen. Jetzt kommt ein von der britischen Regierung eingesetzter Ausschuss zur Untersuchung der Krawalle in seinem Abschlussbericht unter anderem zu dem Ergebnis, dass - neben vielen anderen Ursachen - auch Werbung den Druck auf Jugendliche aus den Problembezirken erhöhe.

85 Prozent der Befragten in den betroffenen Bezirken hätten das Gefühl, "dass Werbung Jugendliche dem Druck aussetze, die neuesten Produkte haben zu müssen." Über zwei Drittel hätten weiter das Gefühl, dass der Materialismus unter jungen Leuten ein Problem darstelle. 70 Prozent gaben an, dass die Menge an Werbung, die sich an junge Menschen richte, zurückgefahren werden müsste.

Man könne zwar nicht einzelnen Marken die Schuld geben, heißt es in dem Untersuchungsbericht weiter. Dennoch müssten Kinder und Jugendliche künftig besser vor "exzessivem Marketing" geschützt werden. Deshalb empfiehlt der Ausschuss, dass sich die britische Werbeaufsichtsbehörde ASA stärker des Themas annimmt und dass die Regierung einen Beauftragten ernennt, der sich künftig um einen Dialog zwischen der Regierung und den "großen Marken" rund um dieses Thema kümmern soll.

Laut dem Abschlussbericht ging es bei den August-Unruhen zu 50 Prozent um Plünderungen. Betroffen waren vor allem Läden mit hochwertigen Markenprodukten - von Smartphones und Computern bis hin zu Bekleidung.

Als Ursachen für die Ausschreitungen nennt der Bericht außerdem den schlechten Zustand vieler Familien und mangelndes Vertrauen in die örtliche Polizei.

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