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Essen oder Liegen lassen? Diese Frage stellten sich Kinder schon vor Ferrero.
Essen oder Liegen lassen? Diese Frage stellten sich Kinder schon vor Ferrero. © Foto:Ferrero/zgH

Ü-Ei-Spot | | von Lena Herrmann

Ferrero-Spot: Was die Hirschen von YouTube gelernt haben

Die neue Kampagne für den Schokoladenkonzern Ferrero von der Hamburger Agentur Zum goldenen Hirschen ist gerade erst auf den Sendern, schon wissen einige Leute, dass es die Idee schon einmal gab. Auf der Facebookseite von Zum goldenen Hirschen verlinkt ein User auf einen YouTube-Spot, der mit der gleichen Mechanik spielt. Ein Kind wird von einer Erwachsenen vor eine Süßigkeit gesetzt. Die Frau verlässt den Raum, nicht ohne den Kleinen einen Deal angeboten zu haben: Wenn Du es schaffst, die Süßigkeit nicht zu essen, bevor ich wiederkommen, bekommst du eine zweite.

Im Falle des Ferrero-Produkts Kinder Überraschung sollen die lieben Kleinen dem bunten Ü-Ei widerstehen. Und so sitzen sie vor dem verpackten Ding, schütteln es und üben sich in Beherrschung.

Das Original ist wesentlich länger und auch deutlich lustiger. Die Kids nagen an dem Marshmallow, versuchen, es in Ruhe zu lassen, versenken ihre kleinen Näschen in der Süßigkeit oder futtern das Ding einfach mit einem großen Haps weg.

Stephen Wright nennt sich der Urheber, der das Video 2009 ins Netz gestellt hat. Der Viralmarketingspezialist und Social-Media-Experte suchte damals mit diesem Video einen neuen Job.

Ferrero-Spot: Was die Hirschen von YouTube gelernt haben

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Ferrero und die abgekupferte Idee: Jetzt äußern sich die Hirschen

von Lena Herrmann

Der neue Spot für das Ferrero-Produkt lässt die Gemüter der Branche hoch kochen. Während die einen von "Ideenklau" sprechen, gehen andere mit dem Thema entspannt um, wirklich originäre Ideen gäbe es sowieso nicht, jeder Einfall sei immer auch auf einer anderen Idee begründet. Auch die Agentur der diskutierten Kampagne, die Hamburger Dependance von Zum goldenen Hirschen, gibt sich gelassen.

"Der Neugiers-Test ist inspiriert durch das berühmte wissenschaftliche Experiment von Walter Mischel aus den 60ern. Besser bekannt als Marshmallow-Experiment", bestätigt die Agentur. "Die Bekanntheit des Tests ist ja nicht zum Nachteil für die Kampagne und soll auch kein Geheimnis sein." In der Pressemitteilung der Agentur, war allerdings zunächst darauf nicht verwiesen.

Jetzt könnte man natürlich argumentieren, dass es zur Allgemeinbildung gehört, Mischels Test zu kennen, den beispielsweise die Schweizer Zeitung NZZ ausführlich erklärt. Auch vom Tiefkühlfischverarbeiter Iglo findet sich ein ebenfalls an den Test angelehnter Spot bei Youtube:

Die Diskussion wird also weitergehen, wann es Ideenklau ist oder nicht. Aus Agenturkreisen ist zu hören, dass es Usus ist, sich zunächst einmal konkurrierende Unternehmen und ihre Werbeauftritte - oft auch die aus dem Ausland - anzuschauen. In einzelnen Fällen dringt auch die Marketingabteilung des Kundens darauf, sich an erfolgreiche Vorlagen anzulehnen.

Gut möglich, dass auch Ferrero von der Vorlage gewusst hat - das Unternehmen äußert sich jedoch nicht. 

Bleibt noch die Überlegung, ob es klug ist, dass sich jetzt alle mit eigentlichen Experiment beschäftigen. Denn das besagt, dass die Kinder, die nicht widerstehen können, später im Leben größere Probleme haben werden als die Kinder, die widerstehen. Im Ferrero-Spot öffnen am Ende alle das Ei.

von Lena Herrmann - Kommentare Kommentar schreiben