Die Fifa und Coca-Cola arbeiten seit Jahrzehnten zusammen. Das Foto zeigt Coca-Cola-Chef Muhtar Kent (l.) gemeinsam mit dem umstrittenen Fifa-Mann Joseph Blatter bei einem Marketing-Termin im Jahr 2009.
Die Fifa und Coca-Cola arbeiten seit Jahrzehnten zusammen. Das Foto zeigt Coca-Cola-Chef Muhtar Kent (l.) gemeinsam mit dem umstrittenen Fifa-Mann Joseph Blatter bei einem Marketing-Termin im Jahr 2009. © Foto:Coca-Cola

Fußball | | von Deutsche Presse-Agentur

Fifa: US-Konzerne wollen Joseph Blatter loswerden

Um Joseph Blatter wird es in den letzten Monaten seiner skandalumtosten Dauerregentschaft immer einsamer. Auf den historisch einmaligen Vertrauensentzug von gleich vier wichtigen Fifa-Geldgebern aus Amerika reagierte der taumelnde Weltverbandsboss aber wie in den längst vergangenen Zeiten seiner absoluten Macht. Sofortiger Rücktritt? Nein! Ausgeschlossen!

"Herr Blatter widerspricht mit allem Respekt der Haltung und glaubt fest daran, dass ein Abschied aus dem Amt weder im Interesse der Fifa wäre, noch den Reformprozess voranbringen würde und wird daher nicht zurücktreten", hieß es in einer Erklärung der Anwälte des 79 Jahre alten Schweizers.

Zuvor hatten die Blatter auch in Krisenzeiten lange in Treue verbundenen Sponsoren Coca-Cola, McDonald's, Visa und Anheuser-Busch für ein Novum gesorgt und innerhalb weniger Stunden in separaten Statements den unverzüglichen Rückzug Blatters gefordert - knapp fünf Monate vor dessen angekündigtem Abschied beim Wahlkongress am 26. Februar. "Mit jedem Tag, der vergeht, werden das Bild und der Ruf der Fifa weiter befleckt", hieß es von Coca-Cola.

Eine Woche nach Eröffnung eines Strafverfahrens gegen den Fifa-Boss durch die Schweizer Bundesanwaltschaft wegen des Verdachts der "ungetreuen Geschäftsbesorgung sowie - eventualiter - wegen Veruntreuung" wenden sich die amerikanischen Konzerne radikal von Blatter ab. Ob die Motivation - wie angegeben - moralischer Natur ist oder eher ein Selbstschutz angesichts der intensiven Ermittlungen der US-Justiz, ist Interpretationssache.

Die weiteren Fifa-Sponsoren aus Deutschland (Adidas), Südkorea (Hyundai/Kia) und aus dem unverändert Blatter-freundlichen WM-Gastgeberland 2018 Russland (Gazprom) folgten der offenkundig konzertierten Aktion nicht. "Wie in der Vergangenheit mehrfach betont, müssen bei der Fifa im Sinne des Fußballs grundlegende Veränderungen durchgeführt werden. Daher muss der eingeleitete Reformprozess transparent und zügig fortgesetzt werden", sagte Adidas-Sprecher Oliver Brüggen.

Über die Macht des Geldes könnte Blatter unverzüglich zu stürzen sein, meinen die Kritiker des Schweizers. Im Finanzzyklus von 2011 bis 2014 machten die Marketingeinnahmen rund 1,6 Milliarden Dollar und damit 29 Prozent der Einnahmen aus. Der Sponsorenaufstand ist für die Fifa also durchaus ein Alarmzeichen. Zur Zeit gibt es ohnehin nur fünf statt der avisierten sechs bis acht Exklusivpartner der höchsten Sponsorkategorie.

2014 hatten sich die Fluglinie Emirates und der Elektronikkonzern Sony aus dem Fifa-Pool verabschiedet. Beide Unternehmen nannten ökonomische statt moralische Gründe für ihre Entscheidung. Im Juli hatte der mittlerweile wegen Korruptionsvorwürfen suspendierte Fifa-Generalsekretär Jérôme Valcke erklärt, dass bis zu einer Neuordnung der FIFA-Spitze neue Sponsorendeals unmöglich seien.

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