Zehn Geldgeber für die Europameisterschaft 2012.
Zehn Geldgeber für die Europameisterschaft 2012. © Foto:Fotocollage: W&V

| | von Lena Herrmann

Fußball-EM in der Ukraine: Sponsoren in Schockstarre

Die ganze Welt spricht gerade über die Fußball-Europameisterschaft in der von Bomben­anschlägen und der Timoschenko-Affäre erschütterten Ukraine – doch die Sponsoren befinden sich in Schockstarre. Keine unüberlegte Äußerung, Schulterschluss mit dem Veranstalter Uefa, keine Stellungnahme zur Inhaftierung der Oppositionsführerin Julia Timoschenko, scheint die Devise zu lauten. Es steht viel auf dem Spiel: Eine von politischen Scharmützeln überschattete EM kann schnell negativ auf die Sponsoren abfärben, schließlich sind sie Geldgeber des Spektakels. Boykott­aufrufe via Facebook – wie im Herbst geschehen, als die Tötung ukrainischer Straßenhunde die Konsumenten dazu brachte, Sponsoren wie McDonald’s, Continental und Adidas wüst zu beschimpfen – sind schnell gestartet und arten zu Shitstorms aus. „Sponsoring ist Image-Transfer“, sagt Oliver Kaiser, Präsident des Fachverbands Sponsoring Faspo. "Wenn rund um das Fußballfest Probleme auftauchen, belastet das auch die Sponsoren."

Noch stehen die zehn Partner der Uefa geschlossen hinter dem Veranstalter. "Als Sponsor der Uefa Euro 2012 unterstützt Adidas die Position der Uefa, sich nicht in interne Regierungsangelegenheiten einzumischen", lässt Adidas verlauten. Und Coca-Cola sagt: "Wir bitten um Verständnis, dass wir keine Stellung zu politischen Ereignissen beziehen möchten, die nicht direkten Bezug zu unserer Unternehmenstätigkeit haben." "Politik ist nicht unsere Aufgabe", heißt es bei Continental.

Aber kann eine Sportveranstaltung unpolitisch sein, deren Vergabe bereits ein Politikum war? Als die Europameisterschaft im Jahr 2007 an Polen und die Ukraine ging, war die Demokratiebewegung des Landes in vollem Gange; die Idee der Uefa war, mit der EM das aufblühende Land zu unterstützen. Das internationale Großereignis sollte Demokratisierung und Wirtschaft einen Schub verpassen. Dumm nur, dass fünf Jahre nach der Vergabe mit Viktor Janukowitch ein fast diktatorisch agierender Regent die Herrschaft übernommen hat.

Das Problem für die Konzerne, die sich finanziell an dem Fußballspektakel beteiligen: Sie müssen gute Miene zum bösen Spiel machen, wollen sie es sich mit der Uefa nicht verscherzen. Viele Engagements gehen über den Sommer 2012 hinaus. Außerdem kommen die Sponsoren aus den Verträgen nicht raus, das Geld für das Engagement ist bezahlt. Selbst das Erscheinen auf den Banden am Spielfeldrand kann nicht mehr unterbunden werden. Die Frage ist, wie lange die Sponsoren noch stillhalten. Denn je brisanter die Austragungsorte sind, desto riskanter sind Sponsoring-Engagements für die Konzern. "Bei den Unternehmen gibt es ein Umdenken, künftig nicht mehr alles mitzumachen", sagt Kaiser. Er glaubt, dass schon bald über eine Ausstiegsklausel beim Thema Menschenrechte und Korruption verhandelt wird. Bisher können die Unternehmen nur bei Doping die Reißleine ziehen.

Die Verbraucher bauen Druck auf: Dank der sozialen Netzwerke bekommen die Unternehmen Gegenwind aus der Bevölkerung stärker und unmittelbarer zu spüren. Gut möglich, dass auch die Formel 1-Sponsoren daher in der nächsten Verhandlungsrunde mit dem Rennserienveranstalter eine Abkehr vom menschenrechtsverachtenden Bahrain als Austragungsort fordern. Kaiser: "Die Initiative muss von den Sponsoren kommen." Schweigen und Schulterschluss mit dem Veranstalter wären dann passé.

Fußball-EM in der Ukraine: Sponsoren in Schockstarre

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht