In der Tat scheint es Klärungsbedarf zu geben. Einen Tag vor der Berichterstattung in der "Süddeutschen Zeitung" räumte der Club in einer Pressemitteilung"einige Unklarheiten" in den vergangenen Jahren ein, die durch ein seit 2014 gültiges Regelwerk "vollständig ausgeräumt" worden seien. "Bislang gab es bei der Wahl zum Lieblingsauto des Jahres kein verbindliches Regelwerk, was nach Veröffentlichung der Ergebnisse gelegentlich zu Nachfragen von einzelnen Herstellern geführt hat", erklärt Sprecherin Marion-Maxi Hartung auf Anfrage. "So wurden beispielsweise im Jahr 2013 in der Kategorie 'Lieblingsauto' überproportional viele ungültige Stimmen abgegeben und entsprechend aus der Wertung genommen. Gleichzeitig konnte jedoch sicher ausgeschlossen werden, dass sich am tatsächlichen Ergebnis und dem im Jahr 2013 veröffentlichten Ranking Veränderungen in der Platzierung ergeben haben." Sieger wurde damals die Mercedes A-Klasse.

Die Wahl zum „Lieblingsauto" basiert auf dem ADAC-Kundenbarometer, bei dieser repräsentativen Online-Befragung werden jedes Jahr über 20.000 Autobesitzern mehr als 100 Fragen zu allen Themen rund um die Zufriedenheit mit ihrem Fahrzeug und dem Service in der Werkstatt gestellt. Beim Publikumsvoting zum "Lieblingsauto" stehen die dort gelisteten Fahrzeuge zur Wahl.

Der ADAC weist die Vorwürfe in der "Süddeutschen Zeitung" zurück. "Wir werden zu gegebener Zeit weitere Schritte prüfen", erklärt Hartung. "Alle Preise, die der ADAC seit nunmehr 10 Jahren bei seiner großen Veranstaltung 'Gelber Engel' vergibt, beruhen auf sauberen, statistisch repräsentativen Auswertungen der Stimmen unserer knapp 19 Millionen Mitglieder, seien es Stimmen, die online oder die über 'Motorwelt'-Coupons abgegeben wurden". Diese Stimmen spiegelten die Präferenzen der Mitglieder wider. "Alle Aussagen, die etwas anderes behaupten, sind schlicht und ergreifend unwahr. Mag das manchen 'Kritikern' des ADAC gefallen oder auch nicht: das Urteil unserer Mitglieder ist ein völlig unabhängiger und nicht zu beeinflussender Maßstab für die Automobilindustrie - oder - um es noch präziser zu formulieren, es ist und bleibt DER Maßstab in Deutschland und daran wird sich auch in Zukunft nichts ändern."

Von den angefragten Autoherstellern wollte sich keiner konkret zu den Vorwürfen gegen den ADAC äußern, die als "interne Angelegenheit" des Clubs bewertet werden. Ein Sprecher verweist darauf, dass man "gut und eng" mit dem ADAC zusammenarbeite und daher die Vorgänge nicht kommentiere. Ein anderer Sprecher versichert, dass es keine Zweifel an den Wahlergebnisse gebe, diese seien nachvollziehbar und "passten ins Bild".

Das in diesem Jahr neu geschaffene Regelwerk soll die Preisvergabe in den einzelnen „Gelber Engel“-Kategorien "noch transparenter und nachvollziehbarer" machen, heißt es in einer weiteren Mitteilung des ADAC. Die Bekanntgabe über das Zustandekommen der Zahlen wäre da ein notwendiger und wichtiger Schritt. Denn der ADAC ist selber eine Marke, die bei den Deutschen hohes Vertrauen genießt und diesem Ruf gerecht werden muss.


Autor:

Frauke Schobelt, Ressortleiterin
Frauke Schobelt

koordiniert und steuert als Newschefin der W&V den täglichen Newsdienst und schreibt selber über alles Mögliche in den Kanälen von W&V Online. Sie hat ein Faible für nationale und internationale Kampagnen, Markengeschichten, die "Kreation des Tages" und die Nordsee. Und für den Kaffeeautomaten. Seit 2000 im Verlag W&V.