Die Anti-Werbe-Aktivisten von Brandalism kapern Pariser Werbeplätze und parodieren Marken wie Volkswagen.
Die Anti-Werbe-Aktivisten von Brandalism kapern Pariser Werbeplätze und parodieren Marken wie Volkswagen. © Foto:Brandalism Screenshot

Paris COP 21 | | von Frauke Schobelt

Guerilla-Aktionen und Kampagnen zum Klimagipfel

Beim UN-Klimagipfel in Paris ringen aktuell 150 Staats- und Regierungschefs um einen gemeinsamen Kurs für die Zukunft der Erde. Erstmals sind die Aussichten für einen Erfolg und einen verbindlichen Klimavertrag so gut wie seit Jahren nicht. Mit entsprechenden Hoffnungen schaut die Welt auf den Gipfel COP 21, der bis zum 12. Dezember unter massiven Sicherheitsvorkehrungen in der französischen Hauptstadt tagt. Viele Kampagnen und Aktionen begleiten das Großevent. Damit fordern Organisationen und Unternehmen die Regierungschefs aber auch jeden Bürger zum Handeln auf, um den Klimawandel zu stoppen. Wir stellen einige vor. 

Brandalism parodiert VW und Gipfel-Sponsoren

Diese Werbung wird Volkswagen nicht gefallen. Rund 600 fingierte Werbeplakate haben die Anti-Werbe-Aktivisten von Brandalism in Paris aufgehängt, gestaltet von mehr als 80 Künstlern weltweit. Dabei gaben sie sich für die Guerilla-Aktion als Mitarbeiter von Außenwerber JCDecaux aus und überklebten reguläre Plakate in Bushaltestellen mit den markenkritischen Botschaften. Diese parodieren Unternehmen wie Air France, den Energieversorgungskonzern GDF Suez und Dow Chemical - alles Sponsoren der Klimagipfels. Aber auch VW bekommt sein Fett weg, mit einer Anspielung auf den Abgas-Skandal: Ein Plakat zeigt ein VW-Modell mit dem Spruch "We`re sorry that we got caught" ("Es tut uns leid, dass wir erwischt wurden"). Die Street-Art-Gruppe Brandalism hat sich 2012 in London gegründet. Sie kämpft gegen Massenkonsum und die Macht von globalen Marken und Konzernen.

BETC

Die Pariser Agentur BETC macht ebenfalls mit einer Guerilla-Aktion auf den Weltklimagipfel und dessen Ziele aufmerksam. Unter dem Motto "The Climate is in Our Hands" klebt die Agentur in ganz Paris Plakate auf, die Porträts verschiedener Menschen zeigen. Sie alle halten einen Spiegel in den Händen, der den Himmel reflektiert. Eine Metapher für die Verantwortung jedes einzelnen. Auch ein Online-Video gibt es dazu:

Motive BETC
Le climat est entre nos mains #COP21PARIS

Le climat est entre nos mains #COP21PARIS

Posted by BETC on Donnerstag, 26. November 2015
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Klimaschutzkampagne von Ben & Jerry's

Für die Eismarke Ben & Jerry's entwickelte die Hamburger Agentur Dokyo eine breite Social-Media-Kampagne, um Menschen in Deutschland, Österreich und der Schweiz für den Klimaschutz zu begeistern. Dafür warb die Marke als eine der ersten weltweit auf Instagram und startete als erste Unilever-Marke eine Twitterkampagne.

Die Eismarke setzt sich seit Jahren für dieses Thema ein und arbeitet dafür mit Klimaaktivisten zusammen. Zum Weltklimagipfel in Paris rief Ben & Jerry's zum Global Climate March auf. In Deutschland gingen am 29. November in Berlin rund 17.000 Menschen auf die Straße, weltweit mehr als 720.000, um den Druck auf die Regierenden in der ganzen Welt zu erhöhen. Damit möglichst viele Menschen auf die Straße gehen, startete die Eismarke am 16. November 2015 eine Twitter-Kampagne.

Ben Jerrys

Zum Auftakt der Klimaschutzkampagne 2015 hatte Ben & Jerry's bereits im Februar mit der Aktivierungsplattform Avaaz eine gemeinsame Online-Klimaschutzpetition gestartet, die mittlerweile Tausende unterschrieben haben. Unterhaltsam, nicht "oberlehrerhaft" wollte Dokyo das gesellschaftliche und politische Thema vor allem Jüngeren näher bringen. Dafür setzte die Agentur auch auf Events wie der Ben & Jerry's Movie Night Tour. Die Eismarke besuchte im Sommer 13 Städte und baute an ungewöhnlichen Orten Open Air Kinos auf. Die Besucher bekamen Eis geschenkt und wurden über den Klimawandel informiert. Insgesamt kamen 55.000 Besucher. Die Aktivierung erfolgte über Facebook, Instagram und Twitter. Ein viraler Erfolg: Alleine in Berlin kamen so viele Eventzusagen auf Facebook, dass Dokyo die Werbung dort abschaltete.

Am 1. September brachte Ben & Jerry's die Sorte "Save our Swirled" (SOS) auf den Markt, mit der auf den Klimaschutz aufmerksam gemacht werden soll. Unter dem Motto "Lass die Kohle stecken" demonstrierte Ben & Jerry’s außerdem im Mai beim G7 Energieministertreffen in Hamburg und beim Petersberger Klimadialog in Berlin. Im September gab es eine Aktion beim UN-Klimasekretariats, um 4.000 UN-Delegierte auf Paris einzustimmen. Zusätzlich entwickelte Dokyo Klimaschutz-Content für Instagram, Facebook und für die Ben+Jerry’s Websites.

Peperoni für die Berliner Stadtreinigung

Auf die Verantwortung jedes einzelnen weist auch die Berliner Stadtreinigung mit ihrer Initiative "Trenntstadt Berlin" hin, die für die richtige Mülltrennung wirbt. Zum Klimagipfel läuft ein Spot bis zum 16. Dezember in zahlreichen Berliner Kinos und online. In dramatischen Bildern, unterlegt mit Mozarts Requiem, zeigt der Film die jetzt schon sichtbaren Folgen der Klimaerwärmung. Um am Ende auf "Spendenboxen" hinzuweisen - die Berliner Mülltonnen. Die Idee zum Klimaspot stammt von der Peperoni Werbe- und PR-Agentur, umgesetzt wurde er von der Trigger Happy Productions GmbH.

Demonstrationsverbot und Greenpeace

Das Demonstrationsverbot in Paris umgingen die Aktivisten mit einer Guerilla-Aktion: Sie stellten Hunderte von Schuhen auf, die für Politiker und Demonstranten stehen.

Worum es in Paris geht, erklärt auch Greenpeace Deutschland in seinem Kampagnenvideo:

Guerilla-Aktionen und Kampagnen zum Klimagipfel

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