Social Media | | von Frauke Schobelt

H&M wird für Model mit Kopftuch gefeiert

Es ist nur ein kurzer Moment in dem Spot der aktuellen Kampagne "Close the Loop", aber die zwei Sekunden bringen der Modekette H&M viel Lob und Applaus in den sozialen Netzwerken. Denn zu sehen ist nicht nur Altrocker Iggy Pop und jede Menge andere Typen, mit denen H&M für Fashion-Vielfalt wirbt. Sondern auch ein Model mit Kopftuch - eine Premiere für den schwedischen Modekonzern.

Der Spot bewirbt die neue Recycling-Jeanskollektion "Close the loop". Kunden werden aufgefordert, dafür gebrauchte Kleidung in die Läden zu bringen. H&M wollte sich damit als nachhaltige Marke präsentieren. Für mehr Aufmerksamkeit sorgt aber nun das Model - eine junge Frau mit Sonnenbrille, Nasenring und einem Kopftuch, dem Hidschab. Als sie im Spot erscheint, sagt die Stimme im Hintergrund: "Sei schick".

Ein Kopftuch als schickes Mode-Accessoire - das gab es bisher nicht in der Werbung eines westlichen Konzerns. Denn im Westen bewerten viele das Tragen eines Kopftuchs eher als Zeichen für die Unterdrückung von Frauen. Umso stärker ist die Wirkung eines solchen Statements von einer globalen Marke, immerhin ist H&M weltweit nach der Inditex-Gruppe der zweitgrößte Modehändler. 

Das Model aus dem Video, die 23-jährige Mariah Idrissi aus Großbritannien, war nach eigenen Angaben zunächst selbst skeptisch, als sie für H&M gecastet wurde. So berichtet es die Britin mit Eltern aus Pakistan und Marokko dem Portal "Fusion.net". Schließlich trage sie seit ihrem 17. Lebensjahr immer einen Hidschab, damit wirbt sie auch auf Instagram. Doch H&M wollte sie und habe sie beim Shooting "sehr respektvoll" behandelt. Die Kampagne bezeichnet Idrissi als "großen Erfolg", sie werde von Zuschriften junger Frauen förmlich "bombadiert". Die meisten wollen wissen, wie sie ihr Kopftuch binde. Muslimische Mode erlebe in der westlichen Welt einen "Boom", sagt die junge Frau. Muslimische Frauen fühlten sich von der H&M-Kampagne ernstgenommen. Entsprechend positiv reagieren viele im Netz, auch Medien wie der "Guardian" loben die Kampagne als wichtigen Beitrag für Vielfalt und "religiöse Freiheit" in Großbritannien.

Ob H&M nun diesen großen Mode-Markt für sich entdeckt, ist offen. Auf Anfrage der "Süddeutschen Zeitung", ob der Moderiese künftig in seinen Läden auch Kopftücher verkauft, äußerte sich das Unternehmen nicht. 

H&M wird für Model mit Kopftuch gefeiert

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