Testimonial | | von Frank Zimmer

Hypovereinsbank nimmt Hoeneß-Videos vom Netz

Uli Hoeneß als medienwirksamer Finanzexperte im Dienst der Hypovereinsbank? Von der Promi-Kampagne aus dem Jahr 2012 möchte der Finanzkonzern jetzt nichts mehr wissen. Die Aktion sei "über ein Jahr alt und ist ausgelaufen", heißt bei der HVB, die zum Fall Hoeneß keinen weiteren Kommentar abgegeben möchte. Auf einer offiziellen Website der Bank sah das aber noch am Sonntagmittag ganz anders aus: In mehreren Videos erklärte der FC-Bayern-Präsident, gegen den offenbar wegen Steuerhinterziehung ermittelt wird, seine Anlagestrategien. Unter einer besonders pikanten Headline: "Wie sicher ist sicher? Wo sich Ihr Geld jetzt wohlfühlt". Hoeneß hat gegenüber dem "Focus" eingeräumt, dass er sich wegen eines Kontos in der Schweiz selbst bei der Steuerbehörde angezeigt hat.

Die Seite hvb-experten.de ist mittlerweile verschwunden; der Link endet jetzt auf der HVB-Homepage. Auch der YouTube-Channel der Hypovereinsbank ist übers Wochenende aufgeräumt worden; die Hoeneß-Videos zum Thema Geld, Investment und Altersvorsorge finden sich dort nicht mehr. In einem Interview antwortete Hoeneß auf die Frage der Hypovereinsbank, ob sein Geld sicher sei: "Ganz sicher kann man natürlich nie sein". Zur Experten-Kampagne mit Hoeneß, dem früheren ARD-Börsenjournalisten Frank Lehmann und HVB-Experten Konstantin Purps gehörten auch ganzseitige Print-Anzeigen und Kundenveranstaltungen, u.a. in der Allianz-Arena

Hoeneß ist als Testimonial geübt: Für die Fastfood-Kette McDonald's stand er noch Ende 2012 zusammen mit Koch Alfons Schuhbeck vor der Kamera. Der Anlass: Das Aktionsprodukt „Nürnburger“ - gemeinsam von Hoeneß' Wurstfabrik HoWe und der Marke entwickelt. Diese Ko-Produktion hatte McDonald’s bereits im Juli 2010 erstmals in die Filialen gebracht. Seitdem taucht der Nürnburger immer wieder im Sortiment auf, eine Website ist noch geschaltet. Momentan gebe es "kein konkretes, gemeinsames Projekt" mit Hoeneß, so McDonald's gegenüber W&V Online.

Auch Wettanbieter Bwin setzte im Februar 2012 Hoeneß für eine Werbeoffensive ein - gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, und dem damaligen Club-Finanzchef Karl Hopfner

Zudem griffen weitere Partner des Vereins in der Vergangenheit auf Hoeneß zurück: unter anderem der Trikot-Sponsor der Bayern, die Deutsche Telekom. Für die IPTV-Offerte Entertain trat Hoeneß 2011 in einem Clip auf. Die Biermarke Paulaner warb 2009 außerdem in einem TV-Spot mit dem Duo Waldemar Hartmann und Uli Hoeneß. (fz/app)

Hypovereinsbank nimmt Hoeneß-Videos vom Netz

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"Jetzt geht es für ihn um die Wurst": Der Fall Uli Hoeneß und die Medien

von Petra Schwegler

Kaum ist FC-Bayern-Präsident Uli Hoeneß ins Visier der Steuerfahnder geraten, schon droht der rührige Unternehmer den berichtenden Medien mit juristischen Schritten. Er wolle kurzfristig nichts mehr zu seinem Fall sagen und kündigt an: "Gegen die Exzesse in einigen Berichterstattungen werde ich mich anwaltschaftlich zur Wehr setzen", so Hoeneß im "Münchner Merkur" (Montag). Einer Münchner Zeitung kündigt er an: "Für die wird das richtig teuer." Er könne vorerst nichts zum schwebenden Verfahren sagen. "Ich werde einige Wochen ins Land ziehen lassen, ehe ich mich äußere."

Schritte, von denen ihm Kommunikationsberater Hasso Mansfeld abrät. "In der jetzigen Situation lauthals zu verkünden, einzelne Medien verklagen zu wollen, ist ein gravierender Fehler. Auch anzukündigen, erst in einigen Wochen Stellung beziehen zu wollen, ist falsch. De facto wird so die Öffentlichkeitsarbeit auf die Medienanwälte übertragen. Dass das keine gute Strategie ist, musste seinerzeit schon Christian Wulff erfahren, der nach dem Rausschmiss seines Pressesprechers seinen Rechtsanwalt Lehr mit dessen Aufgaben betraute", betont Mansfeld gegenüber W&V Online. "Uli Hoeneß droht durch einen harten Konfrontationskurs sämtliche Sympathien in der Medienlandschaft zu verspielen", warnt der Kommunikationsprofi.

Die Fakten: Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt gegen den 61 Jahre alten Sportfunktionär und Unternehmer wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung, wie der aktuelle "Focus" schreibt. Das Nachrichtenmagazin, dessen Herausgeber Helmut Markwort dem Verwaltungsbeirat des FC Bayern angehört, beruft sich auf Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich und Hoeneß selbst. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erklärt, schon seit Längerem Kenntnis von dem Verfahren zu haben. Hoeneß hat sich den Berichten zufolge im Januar selbst beim Fiskus angezeigt und inzwischen Steuern nachbezahlt. Fachleute gehen davon aus, dass die Angelegenheit erst nach Monaten geklärt werden kann.

Während sogar die deutsche "Bild" vergleichsweise harmlos am Montag den Fall skizziert, sein Steuersystem erklärt, bei der Politik nachhakt und die Frage nach einer möglichen Gefängnisstrafe aufwirft, die bei Steuerhinterziehung droht, gehen Schweizer Medien teils hart mit ihm ins Gericht. So verweist die Printausgabe der Zeitung "Blick" am Montag darauf, dass Uli Hoeneß sich stets "als moralische Instanz" gefallen und mit markiger Kritik an anderen nicht zurückgehalten habe. "Jetzt ist der Lack bei Hoeneß selber weg." Er müsse sich nun erklären und jene Transparenz schaffen, die er zuvor überall eingefordert habe. "Denn jetzt geht es für ihn um die Wurst", schreibt das Blatt unter Anspielung auf Hoeneß‘ Erfolge als Wurstfabrikant. "Bis jetzt war er der erhobene Zeigefinger des deutschen Fußballs - doch nun richten sich die Zeigefinger auf ihn selbst", heißt es im Schweizer "Tages-Anzeiger". Und: "Uli Hoeneß stürzt von der Kanzel des Moralpredigers", schreibt die "Neue Zürcher Zeitung". Der Bayern-Präsident sei aufgetreten wie "ein Sittenprediger, der die Leute Mores lehrt". Jetzt stelle sich die Frage, ob er Präsident des größten deutschen Fußballvereins bleiben könne. Denn dies wäre "genau die Frage, die Hoeneß bei jedem Konkurrenten stellen würde", so die "NZZ".

 

Hierzulande profitieren bereits die ersten Medien vom tiefen Fall des FC-Bayern-Präsidenten. So hat die Debatte über den Steuerskandal der ARD-Talkshow "Günther Jauch" am Sonntagabend die beste Einschaltquote seit Sendestart eingebracht: 6,67 Millionen Zuschauer (Marktanteil 23,0 Prozent) haben die Talkrunde zum Thema "Vom Saubermann zum Steuersünder" über die Steueraffäre um 21.45 Uhr eingeschaltet. Mit dabei: NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD), Komiker Oliver Pocher und Sportreporter Dieter Kürten. Das Stück ist online in der Mediathek der ARD zu finden.

Zum heutigen Montagabend will auch Jauchs Talk-Kollege Frank Plasberg vom Skandal rund um den Fußball-Magnaten profitieren und kündigt spontan eine Themenänderung an. "Hart aber fair" wird ab 21 Uhr im Ersten unter dem Motto stehen "Ausgerechnet Hoeneß - wem kann man jetzt noch trauen?". Geladen sind Andrea Nahles (SPD-Generalsekretärin), Hans Leyendecker (Leiter Investigativ-Ressort "Süddeutsche Zeitung", Buchautor "Die große Gier"), Roger Köppel (Chefredakteur der Schweizer Wochenzeitung "Weltwoche") und Manfred Breuckmann (Sportjournalist und Autor). Manni Breuckmann kommentierte über 30 Jahre lang Fußballspiele im Radio und hat gemeinsam mit Hoeneß das Buch "Fußballgipfel" veröffentlicht.

ps/dpa

von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben

Hoeneß-Affäre greift auf Adidas über

von Anja Janotta

Die Hoeneß-Affäre weitet sich aus: Während die Sponsoren des FC Bayern schweigen, gerät einer von ihnen unter Druck: Adidas. Der Sportartikelkonzern ist als Anteilseigner des FC Bayern besonders eng mit dem Rekordmeister verbandelt. Wie die "Süddeutsche Zeitung" meldet, soll der frühere Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus Geld an Uli Hoeneß privat überwiesen haben. Die Rede ist von fünf Millionen Mark und von einem Konto bei der Schweizer Privatbank Vontobel. Für weitere 15 Millionen Mark soll Louis-Dreyfus nach "SZ"-Informationen eine Bürgschaft übernommen haben. Der Deal habe im Jahr 2000 stattgefunden, heißt es. Damals verhandelte Adidas über den Einstieg beim FC Bayern, der im Jahr darauf auch zustande kam. Für 150 Millionen Mark erhielt Adidas einen Anteil von zehn Prozent.

Derweil sollen laut "SZ" die beiden Verhandlungspartner Dreyfus und Hoeneß mit dem privat geliehenen Schweizer Geld an der Börse spekuliert haben. Ein, zwei Jahre später sei der Kredit von Hoeneß zurückgezahlt worden.

Nach W&V-Informationen investierte Adidas im Jahr 2000 von seinen jährlich 1,4 Milliarden Mark schweren Marketing-Budget 700 Millionen Mark im Bereich Sponsoring. 20 Millionen Mark steckte der Sportartikelhersteller damals ins Sponsoring des FC Bayern. Die Summe ist ungefähr so groß wie der mutmaßlich von Louis-Dreyfus eingeräumte Schweizer Kreditrahmen von Hoeneß.

Mittlerweile hat Adidas eine offzielle Stellungnahme abgegeben. Darin wird betont, dass  Robert Louis-Dreyfus, "nicht in die Verhandlungen über eine strategische Partnerschaft mit dem FC Bayern München involviert war". Er sei bis zum 8. März 2001 Vorstandsvorsitzender dgewesen, habe aber bereits zum 1. Januar 2000 das operative Geschäft an Herbert Hainer als stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden und COO übertragen. Die strategische Partnerschaft mit dem FC Bayern München sei am 18. September 2001 bekanntgegeben worden. Die knappe Mitteilung endet mit der Feststellung: "Etwaige private Geschäfte zwischen Robert Louis-Dreyfus und Uli Hoeneß kann der Adidas-Konzern nicht kommentieren."

von Anja Janotta - Kommentare Kommentar schreiben

Wie der "Focus" von der Hoeneß-Affäre profitiert

von Petra Schwegler

In der Steueraffäre um Uli Hoeneß gibt es bisher eigentlich nur Verlierer: den FC-Bayern-Präsident selbst, den Verein und deutschen Meister, der um den Sieg der Champions League und damit um den begehrten Titel-Triple ringt, die wild spekulierenden Medien, denen Hoeneß mit Klagen droht, den Sportartikelhersteller Adidas, der als Anteilseigner des FC Bayern besonders eng mit dem Rekordmeister verbandelt ist oder auch die Hypovereinsbank, die nun auf ein gefallenes ehemaliges Testimonial seiner Finanzprodukte blickt. Aber es gibt auch einen Gewinner: das Nachrichtenmagazin "Focus", dem seit Jahren eine zu große Beliebigkeit seiner Themenauswahl nachgesagt wird.

 

Damit ist diese Woche Schluss: Das Burda-Blatt hat den Fall in seiner aktuellen Ausgabe aufgedeckt und unter der Überschrift "Steuer: Hoeneß unter Verdacht" sehr sachlich über das Ermittlungsverfahren gegen den Fußball-Funktionär berichtet. Bereits am Samstag hat "Focus" das Thema richtig ins Rollen gebracht, als das Team unter Chefredakteur Jörg Quoos einen Tag früher als üblich mit einer Vorabmeldung an die Presse gegangen ist – mit riesigem Erfolg: Große Tageszeitungen wie die "SZ" zogen nach, ARD-Talker Günther Jauch änderte spontan sein Gesprächsthema für Sonntagabend, das Burda-Heft war spätestens am Montag überall zitiert - sogar in der internationalen Presse. Jetzt ist aus dem "Focus"-Reich zu hören: "Noch nie haben wir mit einem Thema so einen Durchschlag erlebt!" Prompt gibt es einen Imagefilm, in dem Quoos über die Recherchen spricht.

Dabei dürfte es nicht so einfach gewesen sein, sich mit "Focus"-Gründer und –Herausgeber Helmut Markwort auf das Procedere zu einigen. Dieser steht als Verwaltungsbeirat des FC Bayern seit Jahren in engem Kontakt mit Uli Hoeneß. Markwort hat nach eigenen Angaben erst durch die Recherchen der Kollegen des Investigations-Teams um Christoph Elflein im Berliner "Focus"-Büro von dem Steuervergehen des Wurstfabrikanten erfahren. Dem engen Draht zwischen Markwort und Hoeneß dürfte der Umstand geschuldet sein, dass der Bericht nüchtern und faktenorientiert ausgefallen ist und kaum mehr als eine Textseite umfasst. Zu wenig Umfang, um ein Titelthema zu bestreiten. So kommt es, dass der "Focus" den größten Coup seit Langem nur mit einem Balken am unteren Rand des Covers anreißt.

 

Aufs Image des Blatts dürfte auch einzahlen, dass Uli Hoeneß nach Vorlage der seit Wochen zusammengetragenen Fakten Ende vergangener Woche dem "Focus" als einzigem Medium per Zitat bestätigt hat, dass er sich im Januar beim Finanzamt selbst angezeigt hat. Kollegen anderer Medien ist im Nachgang eigentlich nur noch gelungen, ein "Kein Kommentar" oder gar eine Drohung einzufangen. Auch wenn "Focus" der Auslöser des riesigen Medienwirbels war: Das Burda-Team rechnet nicht damit, dass Hoeneß gegen den Artikel klagen wird, wie ein Sprecher betont. Die Fakten seien belegt. Ob sich der Clou auch in harten Verkaufszahlen des seit Jahren schwächelnden "Focus" ausdrückt, wird sich zeigen.

Übrigens: Eigentlich hätte der "Focus" einen weiteren Kenner des FC Bayern an Bord. Seit einigen Wochen wirkt Gerald Selch als stellvertretender Chefredakteur mit. Er war zuletzt Vize-Chef und Leiter des Unterhaltungsressorts der "Bild"-Zeitung, kennt aber das Münchner Fußball-Geschäft bestens aus seiner Zeit als Sportressortchef der "tz". Zusammen mit Max Breitner, Sohn des Ex-Bayern-Stars und Fußball-Weltmeisters Paul Breitner, überhob er sich 2006 bei einer Enthüllung über angeblich an Wettmanipulationen beteiligte Profis der Münchner Klubs FC Bayern und 1860. Allen voran regte sich damals Bayern-Manager Uli Hoeneß auf - äußerst lautstark. Allein bei Richtigstellungen und Widerrufen im Blatt blieb es in der Folge nicht: In einer auf der Titelseite gedruckten Entschuldigung hieß es wenige Tage später, Selch habe die Verantwortung für die Berichterstattung im Fußball-Wettskandal übernommen und scheide "im gegenseitigen Einvernehmen aus der "tz"-Redaktion" aus. Auch der Sportjournalist Max Breitner musste gehen. Er tauchte allerdings ein Jahr später an prominenter Stelle wieder auf: in der Pressestelle des FC Bayern. Selch war nach "Focus"-Angaben an den Recherchen zur Steuersache Hoeneß nicht beteiligt.

In den Medien hat sich der "Focus"-Scoop schon jetzt fest verankert. Es bleibt abzuwarten, ob der FC Bayern mit dem Einkauf des BVB-Lieblings Mario Götze lange (und überhaupt) vom Skandal in seiner Chefetage ablenken kann - den er wohl über die Achse "Bild" durchgestochen hat, wie Branchengerüchte vermuten lassen. 

von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben

Die Hoeneß-Affäre ist viel älter

von Jochen Kalka

Am Ende bringt der Zeitschriftenverleger-Verband VDZ den FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß zu Sturz. Denn das investigative Blatt "Print & More" hat in seiner aktuellen Ausgabe auf Seite neun aufgedeckt -  unter der vielversprechenden Headline "Erlebnisse, die man nicht kaufen kann" -, wieso alle Welt von der Hoeneß-Affäre weiß. Es war nicht der "Stern", nicht die "Süddeutsche Zeitung", die dem mutmaßlichen Steuerentlaster auf den Fersen war. Es war, nein, auch erst recht nicht der "Focus", nicht "Print & More" selbst - sondern "Sport Bild".

 

Das VDZ-Blatt hat nun die Öffentlichkeit daran erinnert, womit "Sport Bild" bereits am 20. Februar in Ausgabe 8/2013 titelte. Und womit die Springer-Zeitschrift zum 25-jährigen Jubiläum aufgemacht hat (Zu Jubiläen lässt man sich ja gerne Besonderes einfallen ...).

Ja, Herr Hoeneß strahlt auf dem Titel von damals, sichtlich die Freiheit genießend, mit der unglaublich prophetischen Headline: "Hoeneß verrät alles".

von Jochen Kalka - Kommentare Kommentar schreiben

In der Hoeneß-Affäre hält jetzt die Satire Einzug

von Petra Schwegler

Seit eineinhalb Wochen beherrscht die Steueraffäre rund um den FC-Bayern-Präsidenten Uli Hoeneß die Schlagzeilen - aktuell durch die Klage Münchner Rechtsanwälte gegen die Staatsanwaltschaft wegen vermeintlicher Verstöße gegen das Schweigegebot in Steuerverfahren. Jetzt klinken sich die Kabarettisten ein: So offenbart Matthias Deutschmann eine ungewöhnliche Sicht auf den Fall Hoeneß. In der SWR-Talkshow "2+Leif" hat Deutschmann am Montagabend für Straffreiheit trotz Steuerhinterziehung plädiert. Denn: "Es gibt im deutschen Gesetz die Möglichkeit, dass der Staat auf eine Strafe verzichtet, wenn es im nationalen Interesse liegt. Und wenn Bayern Barcelona jetzt rauskickt, dann ist der Fall schon eingetreten." Hoeneß habe in den letzten zehn Jahren 50 Millionen Euro Steuern bezahlt, verteidigt der Kabarettist, der Fan des SC Freiburg ist, den Bayern-Präsidenten weiter: "Wenn er jetzt zwei Millionen hinterzogen hat, ist er zu 96 Prozent ein guter Steuerzahler."

TV-Kritiker Oliver Kalkofe wettert gegen "linksorierentierte Schmuddelmedien" und erzählt in einem Tele-5-Video, warum der Staat "Extrawürste" für Lichtgestalten wie Uli Hoeneß braten sollte. "Jetzt mal Hand aufs Herz: Wer von uns wirklich noch niemals von einem gut befreundeten Konzernchef ohne großen Papierkram zehn oder 20 Millionen als Spielgeld für dubiose Börsenspekulationen angenommen hat - der werfe die erste Wurst", so Kalkofe, der die eigennützige Organisation "Konten ohne Grenzen" für den Fußball-Manager und Wurstfabrikanten einrichten möchte.

von Petra Schwegler - Kommentare Kommentar schreiben