Handel | | von Frauke Schobelt

"Ideenlabor" Rewe: Milliarden für die Märkte der Zukunft

Edeka liebt Lebensmittel, Kaufland lässt Bananen tagträumen - und Rewe erzählt den Kunden in seinen Spots, wie man das Einkaufen von profanen Lebensmitteln etwas abwechslungsreicher gestaltet. Etwa, in dem man nur Sachen kauft, die man nicht kennt. Oder die mit "O" beginnen.

"Hungrig auf Neues", das ist Rewe nicht nur in seiner Markenkampagne, gestaltet von Heimat Berlin. Diese Lust am Ausprobieren zeigt der Handelskonzern auch bei der Gestaltung seiner Filialen und beim Testen neuer Einkaufskonzepte.

"Kein Supermarkt ist dem Zeitgeist so gnadenlos auf der Spur wie Rewe", schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in ihrem Wirtschaftsteil über das "Rewe-Prinzip". Darin bescheinigt das Blatt Rewe-Chef Alain Caparros eine Vorreiterrolle mit Weitsicht, die den gesamten Lebensmitteleinzelhandel aufmischen könnte.

Wer in Zukunft im Lebensmitteleinzelhandel überleben will, muss dem Kunden mehr bieten als triste Einkaufsstätten und Rabattschlachten, davon ist der Franzose überzeugt. Deshalb setzt er konsequent auf Nachhaltigkeitsprojekte und die Bio-Eigenmarke Pro Planet, unter der beispielsweise zu klein geratene Äpfel von deutschen Obstbauern vertrieben werden, die durch die kühle Witterung im Frühjahr und Winter zu leiden hatten.

Weil Rewe seinen Kunden zum guten Gewissen auch ein neues Einkaufserlebnis bieten will, treibt Caparro die Umwandlung der Rewe Center massiv voran: 1,5 Milliarden Euro nimmt der Rewe-Chef dafür in diesem Jahr in die Hand, um die europaweit 3.000 Märkte umzubauen, die Hälfte davon fließt nach Deutschland in 600 Märkte. Außerdem sind in diesem Jahr 140 Neueröffnungen geplant.

"Supermarkt and more", lautet seine Vision. Die Märkte sollen eine Art "Marktplatz" werden, ein Treffpunkt, an dem sich die Menschen wie auf dem Wochenmarkt zusammenfinden, um einen Kaffee zu trinken, miteinander zu reden und natürlich einzukaufen. Caparros will die Menschen emotional packen - nicht nur die Lebensmittel sollen sie lieben, sondern auch den Ort, wo sie diese kaufen können. Ihm schwebt dabei eine Mischung aus Bistro und Markthalle, aus Wochenmarkt und Eventgastronomie vor.

Das Tante-Emma-Prinzip - mit persönlichem Flair, Bio und erlebnisorientiert - setzt Rewe beispielsweise mit den Temma-Märkten um. Für die Nahversorgung in der Stadt gibt es kleine Märkte - Rewe City oder Rewe to Go. Außerdem testet Rewe derzeit das neue Gastro-Konzept Made by Rewe. In den Bistros in Köln bekommt der Kunde frisch zubereitete Snacks, kleine Gerichte oder hausgemachte Limonade. Neu ist auch die Produktlinie "Smart People - ready to cook". In den Packungen findet der Kunde alle Zutaten für ein selbst gekochtes Gericht, inklusive Rezept. Das kann er dann mit nach Hause nehmen, oder in einer Showküche direkt vor Ort zubereiten.

"Der Handel ist an einem Scheidepunkt", meint Alain Caparros laut FAZ. Und auf dieser Reise führt kein Weg am Internet vorbei, dies hat - drei Jahre nach Tengelmann - auch der Rewe-Konzern erkannt. Der Online-Lieferservice von Rewe ist nur der Anfang, seit November können Kunden in den Supermärkten mobil bezahlen. Außerdem erwarb die Rewe Group kürzlich für viele überraschend Anteile am Online-Möbelhändler Home24. "Der Einstieg bei Home24 ist für uns eine großartige Chance wichtige neue Erfahrungen im Online-Handel zu sammeln, von den Besten zu lernen und uns weiter in der E-Commerce-Szene zu vernetzen", erklärt Lionel Souque, im Rewe Group-Vorstand zuständig für E-Commerce. "Wir müssen von diesen Verrückten lernen, denn uns fehlt das Online-Gen in unserer Händler-DNA", bringt es Caparros für die FAZ auf den Punkt. Deshalb will der Franzose auch einen eigenen Inkubator in Köln aufbauen, für weitere Online-Shops. "Ganz Rewe ist ein Ideen-Labor", freut sich der Rewe-Chef. Und hofft, dass diese Ideen auch wirklich zukunftsfähig und erfolgreich sind.

 Das hängt ganz vom Konsumenten ab und wie dieser die neuen Angebote annimmt. Wie der Konsument in Zukunft tickt - das möchte nicht nur die Rewe-Gruppe wissen. Das EHI Retail Institute hat daher gemeinsam mit 25 Marketingleitern aus Handel, Medien und Dienstleistungsunternehmen mögliche Zukunftsszenarien entwickelt. Sie skizzieren unterschiedliche Konsumententypen im Jahr 2025 und sollen den Händlern Anhaltspunkte liefern, wie ihre Kunden künftig kommunizieren wollen. Und wie sich Shopping-Alltag und Wertehaltungen verändern. Neben Cyber-Kunden sieht der Blick in die Kristallkugel auch Lifestyle-Kunden, die Öko-Schickeria und Werbegegner als herausfordernde Konsumentengruppen der Zukunft. Klar ist: Die Digitalisierung wird den Kommunikations- und Shopping-Alltag drastisch verändern. Aber auch der stationäre Handel hat Chancen, die es zu ergreifen gilt.

 Mehr über die Studie lesen Sie in der aktuellen Ausgabe der Werben & Verkaufen (Nr. 46), die am 11. November erscheint. Sie ist auch Thema beim EHI Marketing Forum am 26. und 27. November in Düsseldorf.

"Ideenlabor" Rewe: Milliarden für die Märkte der Zukunft

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Rewe investiert 2014 weitere 1,6 Milliarden Euro

von Frauke Schobelt

Rewe-Chef Alain Caparros setzt konsequent auf Expansion und die Modernisierung der Lebensmittelmärkte im In- und Ausland. 1,6 Milliarden Euro will die Gruppe, Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler, dafür 2014 investieren - so viel wie noch nie. 2013 hatte Rewe 1,5 Milliarden Euro in die Umgestaltung der Märkte investiert, davon die Hälfte in Deutschland. 

"Eventuelle Akquisitionen würden on top kommen", erklärt Caparros im Interview mit dem "Handelsblatt". Die Zeitung widmet sich in ihrer Montagsausgabe ausführlich der "Kampfzone Supermarkt". Die Investitionen seien möglich, weil die Rewe-Gruppe 2013 ihre Umsatzziele erreicht habe (Jahresumsatz in Europa: knapp 50 Milliarden Euro). Und sie seien nötig, um sich von der Konkurrenz abzuheben. "Wenn wir nicht aufpassen, wird der Supermarkt überflüssig", erklärt Caparros. "Schließlich werden wir gleich von zwei Seiten attackiert: von den Onlinehändlern und den Discountern".

Um langfristig zu überleben, setzen die Rewe-Manager deshalb auf Erlebnis-Shopping. Zusätzliche Angebote wie Bistro, Café oder Sushi-Bar sollen die Supermärkte aufpeppen. Caparros schweben "echte Marktplätze" vor, in denen sich die Menschen nicht nur zum Einkaufen treffen.

Caparros will auch das Online-Geschäft ausweiten. Einerseits, um Anbietern wie Amazon die Stirn zu bieten, aber auch um Marktführer Edeka zu überholen. Derzeit liefert Rewe Online in sieben Städten Waren aus den Filialen. Rewe beteiligt sich deshalb - wie Konkurrent Tengelmann - an Internetfirmen, um von den "verrückten Nerds" zu lernen, so Caparros. Er fordert ein Umdenken im eigenen Konzern. Die "hemdsärmeligen Händler" müssten davon überzeugt werden, dass Rewe die "Internet-Jungs" brauche und deshalb finanziere. "Sie sind unsere Zukunft."

von Frauke Schobelt - Kommentare Kommentar schreiben

Rewe wappnet sich gegen Amazon Fresh

von Deutsche Presse-Agentur

Die Supermarktkette Rewe will ihr Online-Geschäft weiter ausbauen. Neben den bereits vorhandenen E-Commerce-Shops für Wein und für Tierbedarf - Weinfreunde.de und Zooroyal.de - plant der Handelsriese auch ein Internet-Angebot für Kosmetik, wie Rewe-Chef Alain Caparros im Interview mit der "Wirtschaftswoche" verriet. Vor allem aber habe das Unternehmen seinen Online-Bestellservice Rewe.de ausgebaut und liefere Lebensmittel jetzt in 70 Städten aus.

"Wir müssen dabei sein, sonst nehmen uns andere das Geschäft ab", sagte Caparros mit Blick auf Amazon. Der Rewe-Chef geht davon aus, dass der amerikanische E-Commerce-Riese bald auch in Deutschland seinen Lebensmitteldienst Amazon Fresh starten wird: "Da wird etwas kommen. Wir wissen, dass sich Amazon Lagerstandorte angeschaut hat, und es werden gerade auch Mitarbeiter rekrutiert." Caparros sieht neue Player wie Amazon als "Weckruf, noch mehr zu investieren und zu experimentieren".

Doch auch im stationären Handel sieht der Manager noch Wachstumspotenzial - etwa bei City-Shops für den schnellen Bedarf wie sie Rewe unter dem Namen Rewe-ToGo entwickelt hat. "Rewe-ToGo werden wir jetzt deutschlandweit ausrollen. In den kommenden Jahren sehen wir Potenzial für 400 bis 500 solcher Märkte", sagte Caparros.

von Deutsche Presse-Agentur - Kommentare Kommentar schreiben