| | von Frauke Schobelt

Ikea will nachhaltiger werden

Der internationale Möbelkonzern Ikea arbeitet daran, nachhaltiger zu werden. "Langfristiges Ziel ist, dass alle unsere Produkte verwertet, wiederverwendet oder recycelt werden", sagte der für Nachhaltigkeit zuständige Ikea-Vorstand Steve Howard der Nachrichtenagentur dpa. "Das Holz von Regalen oder Tischen könnte man sechs- bis siebenmal recyceln", erläuterte er bei dem Gespräch in der deutschen Ikea-Zentrale in Hofheim-Wallau bei Frankfurt. Dabei spiele nicht nur Ressourcenschutz eine Rolle - recyceltes Holz habe in der Möbelproduktion den Vorteil, dass es trockener als Frischholz sei.

Die Idee, dass der Kunde sein abgenutztes Billy-Regal bald wieder bei Ikea zurückgibt, hält Howard aber für weit hergeholt. "Bei dieser umgekehrten Lieferkette gibt es viele Fragen." Ikea erprobe aber in einigen Ländern, Plastikwaren oder Gartenmöbel zurückzunehmen. "Wir arbeiten an Geschäftsmodellen", die bräuchten allerdings noch mehrere Jahre Entwicklung.

Denn das Konzept muss zum Geschäftsmodell passen: "Wir müssen Nachhaltigkeit erschwinglich machen", sagte der promovierte Ökologe Howard (46). Er arbeitete in Umweltgruppen und leitete die  Klimaschutz-Beratung Climate Group, bevor er Anfang 2011 zu Ikea wechselte. Dort ist der Brite einer der ersten Topmanager, die nicht innerhalb des Möbelriesen Karriere gemacht haben. Der Seitenwechsel zu Ikea habe nichts an seinen Überzeugungen zur Nachhaltigkeit geändert, sagte Howard. "Wir werden in den kommenden Jahrzehnten etwa das Anderthalbfache dessen verbrauchen, was dieser
Planet erzeugt. Zwei Drittel der Menschheit lasse das Stadium der Armut hinter sich und werde mehr konsumieren - umso wichtiger sei ein schonender Umgang mit Naturressourcen und Energie.

Als Beispiel für Nachhaltigkeitseffekte nennt Howard Induktionsherde, von denen Ikea im Geschäftsjahr 2011 rund 168.000 verkaufte. Fast jeder zweite verkaufte Herd hatte die neue Technik, durch die weniger Energie als bei herkömmlichen Elektro- oder Gasherden verbraucht wird. "Andere Firmen machen die neueste Technologie am teuersten. Wir wollen Innovationen erschwinglich anbieten und das über Massenproduktion ausgleichen."

Die Stellschrauben für Nachhaltigkeit, an denen Howard arbeitet, helfen auch Ikea selber, Kosten für Rohstoffe, Energie oder Transport zu senken. Als Großverbraucher von Energie habe der Konzern im letzten Geschäftsjahr 470 Millionen Euro in Wind- und Solarenergie investiert, sagte Howard. "60 Gebäude sind mit Photovoltaik-Anlagen ausgestattet." In sechs Ländern betreibe Ikea eigene Windparks. Strom aus eigener Produktion decke etwa ein Sechstel des Bedarfs, insgesamt werde zur Hälfte erneuerbare Energie konsumiert. "Wir wollen auf 100 Prozent kommen", sagte Howard. Im Nachhaltigkeitsbericht 2011 hatte das Unternehmen noch keine Frist dafür genannt. "Aber wir werden bald einen Zeitrahmen festsetzen."

Ikea setzte im Geschäftsjahr 2011 (bis 31. August) weltweit 24,7 Milliarden Euro um und erzielte einen Nettogewinn von 2,9 Milliarden Euro.  Deutschland ist der größte Einzelmarkt für das Möbelhaus mit schwedischen Wurzeln, das heute von einer Stiftung in den Niederlanden gesteuert wird. (dpa)

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