Studie | | von Frauke Schobelt

Im Laden gucken, online kaufen: Showrooming bedroht Einzelhandel

Schwere Zeiten für stationäre Einzelhändler: Viele Kunden nutzen die Läden häufig nur noch zur Information - kaufen aber im Internet. Das belegt eine repräsentative Handelsstudie der Strategieberatung SMP AG. Mehr als 81 Prozent der befragten Verbraucher haben sich trotz fester Kaufabsicht im Ladengeschäft mindestens einmal entschieden, online zu kaufen. Diese Entwicklung wird durch die Verbreitung der Smartphones gefördert, wie TNS Infratest in einer aktuellen Studie belegt.

Mehr als 92 Prozent werden dabei ihrem Händler untreu und wechseln zur Konkurrenz. "Die Händler sprechen von der Showrooming-Bedrohung, bei der ihre stationären Flächen nur noch zum Schauen, Anfassen und Beraten dienen", sagt Fritze von Berswordt, SMP-Partner und Autor der Studie "Cross-Channel-Performance-Index (CPX)", die SMP einmal im Jahr erhebt.

Im Rahmen der Studie hat SMP die Endkunden unter anderem nach ihrem Kauf- und Wechselverhalten bei bestimmten Händlern befragt. Reine Handelsunternehmen mit vergleichbaren Produkten leiden besonders unter der Transparenz im Markt und zwischen den Kanälen. Sie verlieren die meisten Kunden, wenn diese statt im Laden im Netz einkaufen: Unter den zehn am stärksten von Wechslern betroffenen Unternehmen arbeiten neun nach diesem Geschäftsmodell, wie die CPX-Studie 2013 belegt.

"Einige Branchen steuern auf einen Online-Verkaufsanteil von 30 Prozent oder mehr zu", prognostiziert von Berswordt. Besonders unter Kundenschwund im stationären Geschäft leiden derzeit die Elektronikanbieter. Allein bei dem Händler Media-Markt wechseln knapp 60 Prozent der Kunden von stationär zu online und gleichzeitig zur Konkurrenz. Aber auch Mode-Kaufhäuser verlieren eine große Menge von Kunden, wenn diese nach dem "Showrooming" im Internet kaufen. Mit diesem Wechsel ist etwa bei den Händlern Karstadt sowie Kaufhof die Hälfte der Kunden verloren.

„Gerade das breite, preislich vergleichbare und überall zu beziehende Sortiment macht Einzelhändler zu leichten Opfern für Online-Shops“, sagt von Berswordt. Eine stärkere Stellung haben im Vergleich dazu die vertikalisierten Händler, mit einem engeren Zusammenarbeiten von Produzenten und Einzelhändlern. So wandern bei Deichmann und C&A lediglich ein Fünftel aller Kunden zu anderen Anbietern ab, sobald sie vom stationären Laden ins Internet wechseln. Bei H&M sind es 31 Prozent, bei S.Oliver 36 Prozent. "Wer ein vertikalisiertes Konzept besitzt, hat gleichzeitig mehr Alleinstellungsmerkmale."

Doch auch stationären Handelsunternehmen kann es gelingen, sich online zu profilieren – wenn sie konsequent Strategien für ein wettbewerbsfähiges Online-Angebot umsetzen, so ein Fazit der Studie. "Eine relevante Sortimentsgröße, wettbewerbsfähige Preise und Serviceleistungen sind Faktoren, mit denen man sich erfolgreich vom Wettbewerb abgrenzt", sagt von Berswordt.

Grundlage der CPX-Studie 2013 bildet eine repräsentative Umfrage unter mehr als 2200 Endverbrauchern zur Leistung von Händlern, zur Zufriedenheit und zur Loyalität. SMP erhebt den CPX gemeinsam mit dem Meinungsforschungsunternehmen Innofact. Die Stichprobe ist repräsentativ für alle Internetkäufer in Deutschland.

Im Laden gucken, online kaufen: Showrooming bedroht Einzelhandel

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

(3) Leserkommentare

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht

Online-Shopping verführt zum Mehr-Kauf

von Franziska Mozart

Das Web ändert das Einkaufsverhalten der User. Was so mancher mit Blick auf den Kontostand schon ahnte, belegt nun Yahoo mit der Studie "Shopping-Fieber auf allen Kanälen". Demnach schätzt jeder dritte Internetnutzer die Möglichkeit, auch nach Ladenschluss einzukaufen und legt dann vor allem Kleidung und Schuhe in den Einkaufskorb.

Doch Online-Shopping ist nicht nur etwas für Vielbeschäftigte, die dafür zu gewöhnlichen Öffnungszeiten wenig Zeit haben. Gut ein Viertel der Befragten lässt sich im Web dazu verführen, mehr Bekleidung und Schuhe einzukaufen als früher. Über fast alle Branchen hinweg wuchs die Zahl der Online-Einkäufe seit 2013, besonders stark bei der Unterhaltungselektronik. Weniger Online-Bestellungen als 2010 gab es lediglich bei Lebensmitteln.

Die Recherche im Internet ist allerdings für einen Großteil der Kunden schon vor dem Kauf wichtig. Über 90 Prozent der Befragten, die online zu Produkten recherchieren, kaufen häufig oder gelegentlich Produkte ein, für die sie sich aufgrund von Informationen aus dem Internet entschieden haben. Vor allem auf Smartphones informieren sich die potentiellen Käufer über das jeweilige Produkt. Mehr als 40 Prozent der Smartphone-Nutzer recherchieren mobil über Kleidung, Schuhe, Elektronik, CDs, DVD, Spiele und Software – Stichwort Showrooming. Für den stationären Handel ist dieses Phänomen ein Problem.

Nicht nur die Information, auch der Kaufprozess selbst wird zunehmend mobil abgewickelt. Vor allem dabei CDs, DVDs und Spiele landen mobil im Warenkorb. Eine größere Rolle als bei Smartphone-Nutzern spielt der mobile Einkauf allerdings bei Tablet-Besitzern. Von ihnen gehören 44 Prozent zu den mobilen Einkäufern von Bekleidung und Schuhen.

Für die Studie befragte YouGov Deutschland im Februar 2013 in einer Online-repräsentativen Umfrage über 1.000 Internet-Nutzer über 14 Jahre.

von Franziska Mozart - Kommentare Kommentar schreiben