Wahlkampf | | von Frauke Schobelt

"Juhu, ein neues Meme": Netz lacht über #Merkelraute

Die CDU setzt in der Schlussphase des Bundestagswahlkampfes auf Großplakate der interaktiven Art. Sie zeigen Kanzlerin Angela Merkel - und können "sprechen". Allerdings nur, wenn der Betrachter ein Smartphone besitzt, auf das er die Merkel-App heruntergeladen hat. Eingeschaltet und aufs Plakat gerichtet, sieht man auf dem kleinen Bildschirm, wie Merkel um Stimmen für ihre Partei wirbt. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe stellte die neue Plakat-Aktion am Donnerstag in Berlin vor.

Für mehr Interaktion als von der Partei wohl jemals gewollt, sorgt das bisher größte Wahlplakat der CDU, das am Montag in Berlin enthüllt wurde. Es zeigt die typische Hände-Pose von Angela Merkel - gebaut aus tausenden Fotos von Unterstützern. Während die Opposition über einen "Personenkult" schimpft, ist die "Merkelraute" eine Steilvorlage für Verulkungen im Netz: Auf die Merkel-Hände bauen Spaßvögel die Oberkörper von Figuren aus Fernsehserien, Kinofilmen und auch der realen Welt. Zu sehen etwa im rasant wachsenden Tumblr-Blog http://merkelraute.tumblr.com. und auf Twitter unter #merkelraute. So gibt es schon Bildmontagen mit dem Simpson-Fiesling Burns, der Borg-Königin, Gollum, Darth Vader, aber auch Margret Thatcher und Mao - und offenbar für Liebhaber der großen Koalition, mit Peer Steinbrück. Der "Tagesspiegel" hat seine Leser aufgerufen, weitere Motive zu schicken.

Auch Ministerpräsidenten-Anwärter Christian Ude lieferte mit seiner Wahlkampagne schon eine Vorlage für Neuinterpretationen im Netz. Statt "Wort" hält der SPD-Kandidat auf den Ulk-Motiven jede Menge andere Dinge in den Händen. (fs/fm/dpa)

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Merkelraute: "Gesunde Respektlosigkeit gegenüber Politik"

von Franziska Mozart

Christian Ude war schon dran, genauso Oliver Kahn und Gustl Mollaths Pflanze, um nur einige zu nennen. Und jetzt ist Angela Merkel die Impulsgeberin für ein Internet-Meme. Die CDU-Pressestelle freut sich, dass die "Plakate und -Aktionen so viel Interesse und Kreativität hervorrufen", erklärt sie auf Nachfrage. Schadet es Merkel? Nutzt es ihr? Jo Wedenigg, Director Social Media bei Fischer-Appelt Relations, findet das Meme gut, es zeige eine gesunde Respektlosigkeit der Menschen gegenüber Politik, erklärt er im Gespräch mit W&V Online.

Herr Wedenigg, Angela Merkel amüsiert mit ihrer markanten Hand-Haltung das Netz. Genauer gesagt amüsieren die vielen kreativen Photoshop-Bastler, die daraus satirische Kollagen gemacht haben, die Internet-Nutzer. Das CDU-Plakat, das die Vorlage ist, zeigt nur Merkels berühmte Raute mit den Händen, Ober- und Unterkörper fehlen. War es da nicht vorhersehbar, dass Spaßvögel das Plakat als Vorlage für allerlei Unfug verwenden?

Alles was satirisches Potential hat, wird heute von irgendjemandem verwendet. Bestes Beispiel: Die "Schlandkette". Das ist ja eigentlich nur eine Kette, die eine Person im Fernsehen getragen hat. Daraus wurde erst ein Twitteraccount und dann ein Internetphänomen, über das die Medien berichtet haben. Die Verbreitung und Verselbstständigung solcher Meme ist inzwischen wahnsinnig schnell. Die meisten sind aber auch schnell wieder weg.

Wenn man heute eine Kampagne plant, muss man so etwas einplanen? Oder vielleicht sogar selbst aktiv werden? Hätte nicht zum Beispiel die SPD selbst den Tumblr-Blog Udeholdingthings ins Leben rufen müssen, wenn sie schon auf Christian Udes Wahlplakat "Ude hält Wort" mit diesem bekannten Meme spielt?   

Man wundert sich ja bei manchen Kampagnen, ob sie wirklich zu Ende gedacht waren. Wenn Agenturen und Werbungtreibende Inhalte produzieren, müssen Sie immer fragen, welche Konsequenzen sich daraus ergeben und wie diese Inhalte weitergespielt werden können. Was dann aber daraus entsteht, ist vielfach Zufall. Man kann auch nicht alles von vornherein ausschließen, sonst könnte man bald mit gar keiner Redewendung mehr spielen.

Sind Politiker besonders gefährdet, zum Satire-Objekt im Web zu werden?

Sie sind es sicherlich gewohnt, dass man sich satirisch mit ihnen auseinandersetzt. Politiker-Tumblrs sind ein Zeichen unserer Zeit. Sie zeigen eine gesunde Respektlosigkeit der Menschen gegenüber der Politik, alte Machtpositionen lösen sich auf. Die Menschen zeigen: Ihr könnt die Gesetze machen, wir machen das Internet. Das finde ich gut.

Solche Bild-Kollagen sind auch Zeichen einer Respektlosigkeit gegenüber den Urheberrechten.

Das ist richtig. Ein Wahlplakat zu fotografieren und ins Netz zu stellen, ist zwar noch keine Urheberrechts-Übertretung, aber wenn man Bilder aus Filmen und Fernsehserien dazu montiert, wird es schon schwierig. Da könnten die Rechteinhaber wahrscheinlich schon klagen. Aber dass sie wegen eines einzelnen Bildes die ganze Rechte-Maschinerie in Gang setzen, halte ich für unwahrscheinlich. Und auch die CDU wird nicht dagegen vorgehen.

Nein, sicher nicht. Die CDU-Pressestelle sagt:"Wir freuen uns, wenn unsere Wahlkampf-Plakate und -Aktionen so viel Interesse und Kreativität hervorrufen." Heißt das übersetzt "Lieber veräppeln uns die Menschen, als dass sie die Plakate gar nicht wahrnehmen?"

Es gibt sicher einige Leute, die bisher keine Berührungspunkte mit der CDU hatten und die sich jetzt mit den Wahlplakaten der CDU auseinandersetzen. Das ist Aufmerksamkeit, aber ob das einen Effekt auf den Ausgang der Wahl haben wird, maße ich mir nicht zu vorauszusagen. Merkels Hand-Haltung war ja schon vorher bekannt. Von dem Hype um die Merkelraute wird das Image der Bundeskanzlerin wahrscheinlich keinen Schaden nehmen.

von Franziska Mozart - Kommentare Kommentar schreiben