Im Sommerquartal sei die deutsche Wirtschaft endlich zu dem geworden, was viele internationale Kritiker seit langem fordern: "Eine von innen getriebene Wirtschaft."
Im Sommerquartal sei die deutsche Wirtschaft endlich zu dem geworden, was viele internationale Kritiker seit langem fordern: "Eine von innen getriebene Wirtschaft." © Foto:Schloss Arkaden Braunschweig

Ifo Institut und Statistisches Bundesamt | | von Deutsche Presse-Agentur

Konsumklima: Deutschland hilft sich selbst

Die deutsche Wirtschaft lässt sich ihre Zuversicht nicht nehmen. Viele Unternehmen blicken trotz zahlreicher Krisen positiv in die Zukunft. Und auch das Wachstum hält an - hat jedoch an Fahrt verloren. "Die deutsche Wirtschaft zeigt sich von der zunehmenden weltweiten Unsicherheit unbeeindruckt", sagte der Präsident des Ifo Instituts, Hans-Werner Sinn, am Dienstag.

Im November stieg der Ifo-Geschäftsklimaindex überraschend von 108,2 im Oktober auf 109,0 Punkte. Ihre aktuelle Geschäftslage sowie die Erwartungen für die kommenden sechs Monate bewerteten die befragten Unternehmen besser als zuletzt. "Nicht einmal die Anschläge von Paris haben sich in den Daten negativ bemerkbar gemacht", sagte Sinn in München. Auch in den Antworten, die danach eingegangen seien, habe sich keine negative Tendenz gezeigt, ergänzte Klaus Wohlrabe, Konjunkturexperte des Ifo Instituts.

Hoher Konsum sorgte im Sommer dafür, dass das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal 2015 um 0,3 Prozent nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im Vergleich zum Vorquartal stieg. Im Frühjahr war die Wirtschaftsleistung im Quartalsvergleich noch um 0,4 Prozent gewachsen, zum Jahresbeginn um 0,3 Prozent. "Die Verbraucher haben die Wirtschaft gerettet und die Industrie-Flaute im Sommer kompensiert", betonte Carsten Brzeski, Chef-Ökonom der ING-DiBa. Nach Angaben der Statistiker nahmen sowohl die privaten Konsumausgaben (plus 0,6 Prozent) als auch die des Staates kräftig zu (plus 1,3 Prozent).

"Hier dürften bereits Mehrausgaben zur Aufnahme der Flüchtlinge für die spürbare Steigerung verantwortlich sein", meinte BayernLB-Ökonom Stefan Kipar. Ein Anstieg in vergleichbarer Höhe beim öffentlichen Konsum sei zuletzt in Zeiten der Konjunkturprogramme 2009 verzeichnet worden. Gute Konsumstimmung und Investitionen zur Bewältigung des Flüchtlingszustroms würden die Binnennachfrage ankurbeln, sagte auch KfW-Chefvolkswirt Jörg Zeuner.

Die Unternehmen - verunsichert etwa durch den befürchteten "Grexit" oder die Flaute in den Schwellenländern - investierten zwischen Juli und September hingegen weniger als noch im Frühjahr. Sowohl die Ausgaben für Ausrüstungen wie Maschinen, Geräte und Fahrzeuge (- 0,8 Prozent) als auch für Bauten (- 0,3 Prozent) gingen zurück.

Auch der Außenhandel bremste das Wachstum: Die Ausfuhren stiegen leicht um 0,2 Prozent an, die Importe erhöhten sich jedoch deutlich stärker um 1,1 Prozent. Laut Ifo-Index lassen sich die deutschen Chefetagen allerdings nicht von der Schwäche der Schwellenländer beeindrucken. Der weiterhin gute Handel mit Europa sowie mit den USA wirke ausgleichend, sagte Ifo-Konjunkturexperte Wohlrabe.

Die Bundesbank traut der deutschen Wirtschaft in absehbarer Zukunft keine großen Sprünge zu. "Das leicht verringerte Expansionstempo der deutschen Wirtschaft im Sommer könnte auch im Jahresschlussquartal 2015 anhalten", heißt es im Monatsbericht für den November.

Einig sind sich die Experten, dass die niedrigen Energiepreise, die hohe Erwerbstätigkeit bei steigenden Löhnen, die Mini-Zinsen und die Zuwanderung die Kauflust der Verbraucher weiter befeuern und damit die Konjunktur in Schwung halten werden.

Das Ifo Institut befragt jeden Monat 7000 Unternehmen nach ihrer aktuellen Lage und ihren Erwartungen für die kommenden sechs Monate. Experten hatten im November mit einer leichten Eintrübung gerechnet, nachdem das Konjunkturbarometer im Vormonat leicht zurückgegangen war. Stattdessen legte der Index für die aktuelle Geschäftslage von 112,7 auf 113,4 Punkte zu, der Erwartungsindex verbesserte sich von 103,9 auf 104,7 Punkte. Der Ifo-Index gilt als wichtigster Frühindikator der deutschen Wirtschaft.

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