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Nur 22 Prozent glauben, dass bei der WM-Vergabe alles sauber gelaufen ist.
Nur 22 Prozent glauben, dass bei der WM-Vergabe alles sauber gelaufen ist. © Foto:Ketchum Pleon 2015

Ketchum Pleon/YouGov | | von Markus Weber

Mehrheit der Deutschen hält Heim-WM 2006 für gekauft

55 Prozent der Deutschen glauben, dass an den Vorwürfen rund um die angeblich gekaufte Fußball-WM 2006 in Deutschland etwas dran ist. Zu dem Ergebnis kommt eine aktuelle repräsentative Umfrage im Auftrag der Agentur Ketchum Pleon. Durchgeführt wurde die Online-Umfrage vom Marktforschungsinstitut YouGov am 22. und 23. Oktober unter 1.023 Personen. Die Ergebnisse sind gewichtet und repräsentativ für die deutsche Bevölkerung ab 18 Jahren.

Zugleich geben 65 Prozent der Deutschen an, dass sie das Sommermärchen durch den Skandal nicht zerstört sehen. Unter der aktuellen Diskussion leide vor allem das Image des Deutschen Fußballbundes (DFB), sagen 55 Prozent. 17 Prozent glauben, dass durch die "Spiegel"-Skandalgeschichte sowohl das Nachrichtenmagazin selbst als auch der DFB an Ansehen verlieren würden. Offenbar bleibt der "Spiegel" aus ihrer Sicht eindeutige Beweise schuldig. 66 Prozent der Befragten sehen durch die Vorgänge das Image Franz Beckenbauers als gefährdet an.

"Die schöne Erinnerung an die WM bleibt - nicht nur als Fußballfest, sondern weil die Deutschen das Motto 'Die Welt zu Gast bei Freunden' gelebt haben", zieht Ketchum-Pleon-Chef Dirk Popp sein Fazit aus der Umfrage.

Quelle: Ketchum Pleon 2015

Quelle: Ketchum Pleon 2015

Ketchum Pleon 2015

Ketchum Pleon 2015

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Mehrheit der Deutschen hält Heim-WM 2006 für gekauft

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WM 2006: Sponsoren drängen DFB zur Aufklärung

von Deutsche Presse-Agentur

Auch Sponsoren des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) fordern in der Sommermärchen-Affäre um womöglich schwarze Kassen bei der WM 2006 nun lückenlose Aufklärung. "Über die derzeitigen Vorwürfe bezüglich der WM-Vergabe 2006 haben wir mit den DFB-Verantwortlichen gesprochen", sagte Ulrike Strauß, Sprecherin des Versicherungskonzerns Allianz der "Sport Bild". "Wir gehen davon aus, dass der DFB die Vorwürfe lückenlos aufklären wird."

Im Zentrum der Affäre steht eine Zahlung von 6,7 Millionen Euro, die laut Darstellung von DFB-Präsident Wolfgang Niersbach an die Finanzkommission der FIFA gegangen sein soll. Durch diese soll das Organisationskomitee eine Unterstützung in Höhe von 170 Millionen Euro erhalten haben. Der frühere DFB-Präsident Theo Zwanziger sprach von einer "schwarzen Kasse". Den im Raum stehenden Vorwurf eines Stimmenkaufs wies der DFB mehrfach zurück.

Auch beim Düsseldorfer Chemie-Konzern Henkel werden die Vorwürfe genau beobachtet. "Wir verfolgen die aktuelle Berichterstattung rund um die Vergabe der WM 2006 sehr aufmerksam", sagte Henkel-Sprecher Lars Witteck dem Sportmagazin.  "Wir vertrauen darauf, dass der DFB die Vorwürfe, die in diesem Zusammenhang erhoben werden, vollständig aufklären wird."

Ähnlich regierte die Lufthansa in Köln: "Wir warten die Ergebnisse ab und werden abhängig davon die Situation bewerten."

von Deutsche Presse-Agentur - Kommentare Kommentar schreiben

Krisen-PR: Der DFB schweigt jetzt lieber

von Deutsche Presse-Agentur

Nach der großen Steuerrazzia hüllt sich der stark angeschlagene DFB-Präsident Wolfgang Niersbach weiter in Schweigen. Kein Wort zu der sich immer mehr zuspitzenden Affäre um die WM 2006, keine Aussage zu seiner Zukunft. Bei einer spontan einberufenen Mitarbeiterversammlung in der Verbandszentrale, in der Generalsekretär Helmut Sandrock die Beschäftigten über die Entwicklungen vom Dienstag informierte, war Niersbach nicht anwesend.

Ob oder wie lange der 64-Jährige angesichts der Geschehnisse rund um die ominöse 6,7-Millionen-Euro-Zahlung im Vorfeld des Sommermärchens noch im Amt bleibt, ist unklar.

Neben einer möglichen Anklageerhebung wegen Steuerhinterziehung drohen Niersbach, dem damaligen DFB-Boss Theo Zwanziger und dem früheren Generalsekretär Horst R. Schmidt nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" auch Schadenersatzforderungen in Millionen-Höhe. Laut "SZ" werden in Verbandskreisen nachträglich fällige Steuern in Höhe von 2,2 Millionen Euro für möglich gehalten, plus Zinsen seit 2006. Dafür könnte der DFB die damaligen Verantwortlichen in Regress nehmen.

Keine juristischen Konsequenzen hat derzeit Franz Beckenbauer zu fürchten. Gegen Beckenbauer werde nicht ermittelt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Grund dafür sei nicht Beckenbauers Wohnsitz außerhalb von Deutschland, der damalige OK-Chef lebt in Österreich, sondern vielmehr, dass Beckenbauer nichts mit der betreffenden Steuererklärung zu tun gehabt habe. Um andere mögliche Tatbestände wie Untreue oder Bestechung geht es wegen Verjährung nicht.

Beckenbauer selbst schweigt. Zumindest das verbindet ihn noch mit seinem alten Weggefährten Niersbach. Im Verband will derzeit noch keiner den Königsmörder geben. "Wolfgang Niersbach muss Präsident bleiben. Er war im Organisationskomitee für die WM 2006 nur für Medien und Marketing zuständig. Die entscheidenden Männer waren doch Theo Zwanziger und Horst R. Schmidt", sagte der Präsident des niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) Karl Rothmund der dpa. Die Spitze der Deutschen Fußball Liga (DFL) hielt sich in der Causa ebenso weiter bedeckt wie Vertreter aus den Bundesligavereinen.

An der Basis gibt es aber auch kritische Stimmen. "Mit dem derzeitigen Stand kann man überhaupt nicht zufrieden sein. Wenn die Kenntnisse über Unregelmäßigkeiten bereits vor einem guten Jahr vorgelegen haben, hätte man schon früher beginnen müssen", kritisierte Joachim Masuch, Präsident des Landesfußballverbandes Mecklenburg-Vorpommern, die Aufklärungsarbeit von Niersbach. Der Imageschaden für den deutschen Fußball sei "gewaltig", eigentlich könne der Präsident sein Amt gerade gar nicht "unbeschadet" ausüben.

Doch das scheint Niersbach noch anders zu sehen. Sein Amt erst einmal ruhen zu lassen, ist für ihn offenbar keine Option. Und das, obwohl die Lage für den 64-Jährigen prekär ist. Am Dienstag hatten rund 50 Ermittler von Staatsanwaltschaft und Steuerfahndung sowohl den Verbandssitz in Frankfurt am Main als auch die privaten Häuser von Niersbach, Zwanziger und des langjährigen DFB-Generalsekretärs Schmidt durchsucht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt "wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in einem besonders schweren Fall".

Dabei geht es um die Rückzahlung jener ominösen 6,7 Millionen Euro an den früheren Adidas-Chef Robert Louis-Dreyfus, die das deutsche WM-Organisationskomitee 2005 bewusst falsch als Beitrag zu einer FIFA-Gala getarnt hatte. Die Frage, wohin das Geld des Franzosen ursprünglich einmal geflossen ist, steht seit Wochen im Zentrum des gesamten Skandals und ist weiter nicht geklärt. Zwanziger hat den DFB inzwischen sogar aufgefordert, zu prüfen, ob man die 6,7 Millionen nicht vom damaligen OK-Chef Beckenbauer zurückfordern müsse.

von Deutsche Presse-Agentur - Kommentare Kommentar schreiben