Real | | von Deutsche Presse-Agentur

Mineralöle: Foodwatch-Kampagne greift Handel an

Die Handelskette Real hat nach einer Foodwatch-Kampagne eine Reissorte aus den Regalen genommen. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher. Die Verbraucherschützer hatten nach eigenen Angaben in dem Spitzen-Langkornreis der Marke "reis-fit" Rückstände aromatischer Mineralöle nachgewiesen. Diese seien potenziell krebserregend und erbgutverändernd, erklärte die Organisation. Wesentliche Quelle solcher Verunreinigungen sind demnach Verpackungen aus Recyclingmaterial.

In einem Brief an Foodwatch betonte das Real-Qualitätsmanagement, die Handelskette werde "das Produkt erst wieder verkaufen, wenn uns von dem Lieferanten überzeugend nachgewiesen werden konnte, dass Maßnahmen eingeleitet wurden, um Mineralölgehalte auf ein Minimum zu reduzieren".

Der Reishändler Euryza, zu dem "reis-fit" gehört, verwies darauf, dass das Unternehmen schon seit Jahren nur noch mineralölfreie Druckfarben und Kartonagen aus reiner Frischfaser verwende. Im Zuge der aktuellen Foodwatch-Ergebnisse sei nun die Vermutung aufgekommen, Mineralöle könnten auch aus den Transportkartons auf die Ware übergehen. Um dies zu klären, habe das Unternehmen eigene Analysen bei unabhängigen Instituten in Auftrag gegeben. Um jedes Restrisiko auszuschließen, werde man schnellstmöglich auch bei den Transportverpackungen anstelle von umweltfreundlichem Recycling-Karton nur noch Frischfaser verwenden.

Foodwatch hatte bei seiner Untersuchung 120 in Kartons verpackte Lebensmittel aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden auf ihren Mineralölgehalt hin untersuchen lassen. In Deutschland seien die unerwünschten Verunreinigungen in jedem fünften Produkt nachgewiesen worden, berichtete die Organisation. 

Die von Foodwatch aufgrund der Untersuchungsergebnisse ausgesprochenen Warnungen sind allerdings nicht unumstritten. Der Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) - der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft - warf der Organisation in einer ersten Stellungnahme vor, abweichend von der wissenschaftlichen Einschätzung willkürlich eigene und nicht plausible "Belastungskriterien" zu definieren.

Die Supermarktkette Rewe hatte in der vergangenen Woche die Aufforderung von Foodwatch, den Rewe Bio-Weichweizengrieß wegen angeblicher Mineralölbelastungen zurückzurufen, entschieden zurückgewiesen. Das Produkt sei "uneingeschränkt verkehrsfähig und gesundheitlich unbedenklich". Rewe warf Foodwatch "gezielte Verbrauchertäuschung" vor. Die Verbraucherschützer revanchierten sich wiederum - und animierten Verbraucher zum Shitstorm auf Rewes Facebookseite.

Der italienische Reishersteller Curti hatte seinen Langkorn-Naturreis im Kochbeutel, der in Deutschland über Kaufland vertrieben wurde, nach der Foodwatch-Studie bereits im November vorbeugend zurückgerufen.

Der Großhändler Metro soll laut Foodwatch außerdem den Cerealienproduzenten Kellogg's kontaktiert haben. Zu den kritisierten Produkten gehören auch Cornflakes der Marke.

Mineralöle: Foodwatch-Kampagne greift Handel an

Artikel bewerten

Vielen Dank, Ihre Bewertung wurde registriert!

Sie können leider nur einmal pro Seite bewerten.

Ihre Bewertung wurde geändert, vielen Dank!

Leserkommentar

Wir freuen uns über Ihre Kommentare.

* Pflichtfeld
** Pflichtfeld, wird nicht veröffentlicht