Olympia-Sponsor Adidas Zielscheibe von Aktivisten
© Foto:Screenshot/War on Want

| | von Susanne Herrmann

Olympia-Sponsor Adidas Zielscheibe von Aktivisten

Das Engagement kostet Adidas Millionen, nun versalzt die Aktivistengruppe War on Want dem Olympia-Sponsor die Suppe: Am Rande der Sommerspiele in London prangerte die Bewegung Adidas mit einer Riesenprojektion an, Billiglohnkräfte auszubeuten. Eine Videobotschaft wurde auf ein Hochhaus in der Nähe des Olympic Park projiziert. Zuschauer kamen nach dem Sieg von Rekordläufer Usain Bolt an der Guerilla-Werbung vorbei.

Damit will die Aktionsgruppe War on Want, die gegen Bedürftigkeit, Ausbeutung und Armut vorgeht, publik machen, wie der Sportartikelhersteller Adidas in Drittwelt- und Schwellenländern Arbeitskräfte ausnützt. Vor ein paar Wochen strahlte War on Want zum selben Thema ein Youtube-Video aus, in dem eine Schauspielerin in London die Geschichte einer Arbeiterin aus Bangladesh erzählt, als wäre es ihre - um den Zuschauern zu zeigen, dass Ausbeutung nicht ok ist, nirgends auf der Welt.

Adidas aus Herzogenaurach hat Stellung bezogen zur War-on-Want-Aktion: Das Unternehmen respektiere friedliche Protestaktionen, verwahre sich aber gegen die Behauptungen von War on Want, heißt es da. Auf faire und sichere Arbeitsbedingungen in den Fabriken weltweit werde genau geachtet, die unabhängigen Kontrolleure hätten keine Verstöße festgestellt. Adidas wirft War on Want vor, lediglich am Krawall, nicht aber an einem Dialog interessiert zu sein: Die Kontaktanfragen seitens des Sportartiklers seinen unbeantwortet geblieben. "Beschäftigt euch mit Fakten, nicht mit Fiction", fordert Adidas.

Den Herzogenaurachern wird - ebenso wie den Konkurrenten Nike, Puma und Asics - immer wieder vorgeworfen, dass Fabrikarbeiter ausgebeutet werden. Erst kurz vor Beginn der Olympischen Spiele berichtete das britische Blatt "Daily Telegraph", dass das Kommittee  Vorwürfen überprüfe, wonach Arbeiter im Werk Kambodscha für die Herstellung von Olympia-Fanartikeln für eine Arbeitswoche von sechs Tagen ein Monatsgehalt von 50 Euro bis 100 Euro (bei einem Zehnstundentag) bekämen. Der Aktivistengruppe Labour Behind Label zufolge liegt das Existenzminimum eines kambodschanischen Arbeiters mit zwei Kindern bei gut 210 Euro monatlich. Ein Adidas-Sprecher sagte dem "Daily Telegraph", die Arbeiter der Fabrik verdienten durchschnittlich etwa 110 Euro - dies sei mehr als der Mindestlohn.

Vor einigen Tagen hatte Adidas bekannt gegeben, dass dank EM und Olympia den Umsatz deutlich verbessert hat. Mit einem Plus von 15 Prozent stiegen die Einnahmen auf 3,51 Milliarden Euro, der Nettogewinn stieg sogar um 18 Prozent auf 165 Millionen. Rund 60 Millionen Euro hat Adidas für das Sponsoring London 2012 ausgegeben.

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