Kunden konnten mit Yapital via QR-Code mobil bezahlen. Anfang 2016 stellt das Startup seinen Dienst für Verbraucher ein.
Kunden konnten mit Yapital via QR-Code mobil bezahlen. Anfang 2016 stellt das Startup seinen Dienst für Verbraucher ein. © Foto:Yapital Financial AG

Online-Payment-System | | von Frauke Schobelt

Otto stellt Bezahldienst Yapital für Verbraucher ein

Auf der Homepage sind Registrierungen nicht mehr möglich, stattdessen informiert Yapital dort seine Kunden: "Pioniere haben es nicht immer leicht. Leider haben wir es nicht geschafft, mit Yapital den Paymentmarkt zu revolutionieren, so wie wir es uns vorgenommen hatten." Die Ambitionen waren hoch, doch die Verbraucher zogen nicht mit: Die Otto Group stellt Anfang 2016 ihren Bezahldienst Yapital weitgehend ein.

Der Konzern ziehe damit die Konsequenzen "aus dem wettbewerbsintensiven, sich aber nur langsam entwickelnden digitalen Payment-Business", teilt das Unternehmen mit. Yapital wird mit Wirkung zum 31. Januar 2016 vom Verbrauchermarkt genommen, der Standort Hamburg schließt. Ganz verschwinden wird die Marke jedoch nicht: Otto will Yapital mit "deutlich reduzierter" Mannschaft von Luxemburg aus im B-to-B-Bereich als "E-Geld-Institut" fortführen.

Mit dem 2011 gegründeten Bezahldienst wollte die Otto Group das erste europaweite Cross-Channel-Payment-System für den Einzelhandel aufbauen. Kunden konnten sowohl online als auch mobil via QR-Code im Laden bezahlen. Doch die Verbraucher spielten nicht mit. "Die Verbrauchergewohnheiten ändern sich deutlich langsamer als von allen Marktbeobachtern prognostiziert", so das Unternehmen. Marc Berg, Geschäftsführer von Yapital: "Die Geschäftsentwicklung und vor allem die Entwicklung der Endkundenzahl ist in diesem Bereich zum aktuellen Zeitpunkt schlicht nicht kalkulierbar. Bereits vor drei Jahren sprach man vom Mobile-Payment Durchbruch, und dennoch gibt es heute laut Studien gerade mal 200.000 Nutzer in Deutschland." Das Marketing, das nötig wäre, um genügend Neukunden zu gewinnen, ließ sich "betriebswirtschaftlich nicht umsetzen".

Außerdem erschwert eine neue Rechtslage das Geschäftsmodell: Nachdem in der EU die Entgelte für Kartenzahlungen gekappt wurden, könne man Kunden ohne einen starken Partner nicht rentabel gewinnen. Dafür ändere sich das Kundenverhalten zu langsam. Gespräche mit möglichen Kooperationspartnern hätten jedoch zu keinem Ergebnis geführt. Marc Berg: "Wir waren bis zuletzt optimistisch, aber leider hat es letzlich nicht gepasst. Wir wussten immer, dass wir das Henne-Ei Problem lösen müssen, um erfolgreich zu sein. Leider haben wir nur eine Seite lösen können – die Gewinnung von attraktiven Partnern aus dem Einzelhandel." Im Frühjahr hatte Yapital mitgeteilt, dass das mobile Bezahlen mit der Yapital-Software per Smartphone in Deutschland bei rund 350.000 Händlern möglich sei. Dafür kooperierte das Unternehmen unter anderem mit den Branchenspezialisten Tele Cash, ICP und Cardtech.

Im Markt für neue mobile Bezahlmodelle über das Smartphone konkurrieren seit geraumer Zeit eine ganze Reihe von verschiedenen Anbietern, bislang setzte sich aber noch keine Lösung signifikant durch. Yapital sah vor allem als Konkurrenz zum US-Pionier Paypal. Den Markt in Schwung bringen könnte der Bezahldienst  Apple Pay, der derzeit nur in den USA verfügbar ist. Auch Samsung rüstet sich mit der Akquisition Loop Pay. Mit Paydirekt haben die deutschen Banken nach langer Vorbereitung ihr eigenes System für Online-Zahlungen an den Start gebracht.

Otto stellt Bezahldienst Yapital für Verbraucher ein

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