Mattel | | von Deutsche Presse-Agentur

Proteste gegen "Abhör-Barbie": Interaktive Puppe kommt in US-Läden

Eine interaktive Barbie, mit der man sich unterhalten kann: Für viele Fans wird damit ein Traum wahr. Für andere aber bedeutet das vernetzte Spielzeug einen Lauschangriff im Kinderzimmer. Pünktlich zum Weihnachtsgeschäft kommt die sprechende "Hello Barbie", mit Mikrofon und WLAN-Schnittstelle versehen, jetzt in die US-Läden - für stattliche 75 Dollar (68 Euro). Sie soll für den seit Jahren schwächelnden Puppen-Klassiker des Spielzeugriesen Mattel Marktanteile zurückerobern. Denn derzeit haben Königin Elsa und Prinzessin Anna ausm dem Disney-Film "Frozen" der Barbie deutlich den Rang abgelaufen.

Seit Mattel die "Hello Barbie" vor einem halben Jahr in New York auf der Spielzeugmesse vorstellte, reißt die Kritik von besorgten Eltern und Datenschützern nicht ab: Von einer "Abhör-Barbie" ist die Rede und vom Missbrauch kindlicher Privatsphäre, auch eine Online-Petition läuft. Doch ebenso wie in Deutschland ist der allgemeine Trend hin zu mehr High Tech im Kinderzimmer stark. Auch mit dem Sprachassistenten steht "Hello Barbie" nicht allein: Das US-Startup Elemental Path nimmt derzeit Vorbestellungen für einen sprechenden und lernfähigen Mini-Dino entgegen - mit IBMs Supercomputer-Technologie Watson versehen.

"Hello Barbie" funktioniert ähnlich wie die Spracherkennung in vielen Smartphones: Ein Mikrofon, das im Nacken der Puppe sitzt, nimmt alles auf, was Barbies Gesprächspartner sagt. Die Daten werden via WLAN in die Cloud geschickt, wo die passende Antwort aus rund 8000 bereitgestellten Dialogsätzen ausgewählt wird. Den gewonnenen Input behält "Hello Barbie" dann für künftige Antworten "im Hinterkopf".

Doch was passiert mit den aufgenommenen Daten? Laut Mattel werden sie nicht zu Werbezwecken gespeichert, sondern nur um das Gesprächserlebnis zu verbessern, und nach zwei Jahren wieder vom Server gelöscht. Außerdem müssten die Eltern zu Beginn auch ihre Zustimmung geben. Doch ähnlich wie bei einigen anderen elektronischen Geräten mit Sprachsteuerung, die den Umgebungsgeräuschen lauschen, um ein für sie gedachtes Schlüsselwort nicht zu verpassen, hält sich Skepsis. Von den Datenschützern bei "Digitalcourage" bekam die Barbie in diesem Jahr prompt den "Big Brother Award" verliehen

In den USA machen unter anderem die Anwälte der "Campaign for a Commercial-free Childhood" (CCFC) mobil und starten zum Verkaufsstart eine Social-Media-Kampagne unter dem Motto "Hell No Barbie". Mehrere Zehntausend haben bereits gegen den Verkaufsstart der Barbie unterzeichnet. CCFC-Geschäftsführer Josh Golin befürchtet, dass persönliche Daten geteilt und für Marketingzwecke genutzt werden. "Da gibt es eine ganze Menge Bedenken, was Privatsphäre und Sicherheit angeht", sagte er in einem TV-Interview. Schließlich würden Kinder ihrem Spielzeug auch geheime, ganz private Dinge anvertrauen, die niemanden etwas angingen.

Das Startup Toy Talk (San Francisco) hat den Sprachassistenten entwickelt und zusammen mit Mattel die Antworten ausgearbeitet - mit Barbie- und kindgerechtem Wortschatz. In einem Testgespräch geht es etwa um spätere Berufswünsche. Barbie: "Hey, du hast mir erzählt, dass du gerne auf einer Bühne stehst. Vielleicht wirst du also Tänzerin? Oder Politikerin? Oder tanzende Politikerin? Hey, du kannst werden, was immer du willst."

Noch ist die "Hello Barbie" weit davon entfernt, gegenüber Erwachsenen den sogenannten Turing-Test für künstliche Intelligenz zu bestehen, bei dem es darum geht, in einem Dialog einen Menschen von Software zu unterscheiden. Aber Kinder reagieren anders als Erwachsene, sagen Mediziner. "Computer-Algorithmen können und sollten die nuancierte Ansprechbarkeit liebevoller Personen nicht ersetzen", zitiert CCFC den Kinderarzt Dipesh Navsaria von der Universität Wisconsin in der Debatte.

Ein anderer Punkt: Auch Eltern laufen Gefahr, mit der "Hello Barbie" in die Privatsphäre ihre Kinder einzudringen. Sie sollen einmal pro Woche die von Barbie aufgenommenen Audiofiles zugeschickt bekommen - aus Sicherheitsgründen, wie es heißt.

Einer Sprecherin von Mattel Deutschland zufolge ist ein Verkauf der "Hello Barbie" in Deutschland derzeit nicht geplant.

 

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Barbie ist jetzt auch kurvig, groß und klein

von Deutsche Presse-Agentur

Die Barbie-Puppe bekommt nach mehr als einem halben Jahrhundert eine neue Figur. Der Hersteller Mattel hat am Donnerstag in den USA drei neue Typen vorgestellt: Barbie gibt es neben dem ultraschlanken Original nun auch in den Bezeichnungen "kurvig", "groß" und "klein". Mattel-Chef Richard Dickson teilte im kalifornischen El Segundo mit: ”Barbie steht für die Welt, wie Mädchen sie sehen.“ Die Puppe habe die Fähigkeit, mit der Zeit zu gehen und zu wachsen.

Die Barbie ist eines der am meisten verkauften Spielzeuge der Welt. Zuletzt hatte Mattel allerdings mit erheblichen Umsatzschwierigkeiten zu kämpfen, er sank zwischen 2012 und 2014 um 20 Prozent. Die Barbie gibt es seit vergangenem Jahr auch in sieben verschiedenen Hauttönen. Dazu kommen 22 Augenfarben und zwei Dutzend Frisuren. Die für Barbie zuständige Mattel-Managerin Evelyn Mazzocco sagte zu den neuen Maßen: "Wir haben die Verantwortung, Mädchen und Eltern eine breitere Auffassung von Schönheit zu präsentieren."

Figur der Puppe und das damit transportierte Schönheitsideal sind oft diskutiert worden. Die Neuerung ist für Mattel nicht ohne Risiko. Die Figur des Originals ist seit 1955 unverändert. Da jede Menge Kleidung und Accessoires nicht zu den neuen Körpermaßen passen werden, schaltet das Unternehmen nach Informationen von ”Time“ eine eigene Hotline. Barbies finden sich angeblich in fast jedem US-amerikanischen Kinderzimmer.

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