Wertvolle Ressourcen werden an vielen Stellen weitgehend unkoordiniert verteilt und fehlen dann dort, wo sie tatsächlich nötig sind. Statt wirtschaftlichen Uplift bringen die neuen Maßnahmen eher zusätzliche Belastungen fürs Unternehmen: nicht nur zeitlich und finanziell, auch die Komplexität der Aufgaben steigt um den gefühlten Faktor 10. Um endlich wieder einen Baum vor lauter Wald zu sehen, holen sich Firmen dann häufig sehr spezialisierte Dienstleister ins Haus. Doch statt für den nötigen Durchblick zu sorgen und den Blick frei zu machen, wollen diese eigentlich nur ihren eigenen Schwerpunkt durchboxen.

Guter Vorsatz für 2016: Entrümpeln!

Kennen Sie diese Situation? Dann habe ich einen Tipp für Sie: Lassen Sie los, entspannen Sie sich! Sie müssen nicht jeden Trend mitmachen – auch wenn Sie Marketer sind. Misten Sie in ihrem Marketing-Mix mal ordentlich aus und veranstalten Sie ein Digitales Ramadama. Haben Sie den Mut, sich wieder zu konzentrieren! Auf die Maßnahmen, die für Sie den Hauptbeitrag zur Wertschöpfung abliefern.

Ihr guter Vorsatz für 2016: Beginnen Sie das neue Jahr doch mal mit einer Bestandsaufnahme, welche Elemente in ihrem Marketing-Mix vorhanden sind und was sie genau leisten sollen. Stellen Sie valide Bewertungskriterien auf, anhand derer sie entscheiden können, welchen Wirkungsbeitrag eine bestehende Maßnahme leistet. Und entwickeln Sie unternehmens- oder produktspezifische Kriterien für die nächsten Kandidaten im Hype Cycle.

Nehmen wir das Beispiel Content Marketing. Jeder will investieren, die meisten wollen es 2016 umsetzen. Aber die wenigsten stellen sich die Frage, ob das Unternehmen oder die eigene Marke überhaupt die Voraussetzungen dafür erfüllen kann. Spannender Content wächst nämlich nicht nur nicht auf Bäumen, sondern kostet auch noch Geld. Wer erstellt die Inhalte? Für wen sind diese realistischerweise relevant? Und kann Content Marketing in ihrem Mix überhaupt rentabel sein? Beziehungsweise anhand welcher Meßgrößen wollen Sie ermitteln, ob es rentabel ist.

Oder nehmen Sie Native Advertising als nächstes Trendthema: Wenn Sie stark auf den schnellen Verkaufserfolg fixiert sind, dann ist das weniger das Format ihrer Wahl. Denn Native Ads zeichnen sich eher durch eine journalistische Herangehensweise und Aufbereitung von Themen aus. Der Kauf mich-Call to action-Button gehört da sicher nicht dazu. Ähnliches gilt für das Viral. Klar, dieses Format lockt mit hohen Klickzahlen. Aber ein Viralerfolg ist schwer planbar und funktioniert sehr oft über einen schrägen Humor. Das passt aber nicht zu jeder Marke oder Unternehmensphilosophie.

Also, spielen Sie neue Ansätze doch erst einmal vor für sich und ihr Unternehmen durch. Oder testen Sie für einen vorher definierten Zeitraum ruhig neue Ansätze. Dann ziehen Sie ein Fazit. Und was sich nicht im Zielkorridor der eigenen Kommunikationsplanung befindet und keinen wesentlichen Effekt auf die Reichweite, den Umsatz oder die Kundenrelevanz zeigt, muss (wieder) raus. Nach dem Motto: Nicht das Neuste bekommt die meiste Aufmerksamkeit, sondern das Wichtigste.

Also, her mit dem "Qi" und entrümpeln Sie ihren Marketingraum 2016 ordentlich. Dann kommt auch der Energiefluss wieder in Schwung und bringt die nötige Dynamik und Agilität zurück.

* Der Autor: Wolfgang Bscheid ist Geschäftsführer der Performance-Marketing-Agentur Mediascale, einer Tochter der Serviceplan-Gruppe.


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