| | von Susanne Herrmann

Schummelt Radeberger? Umwelthilfe will Corona stoppen

Das Trendbier Corona wird von Radeberger in Deutschland mit Mehrweg-Pfand verkauft - aber die Flaschen vielleicht nur Einweg benutzt. Für den Käufer ist das - erst mal - ein Preisunterschied von 17 Cent und damit durchaus eine Maßnahme, die sich auf die Verkaufzahlen auswirkt. Nun steht Deutschlands größter Bierkonzern unter dem Verdacht, hier den Gesetzgeber auszutricksen.

Jürgen Resch, der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), fordert nun einen vorläufigen Verkaufsstopp für das Bier Corona Extra. Er wirft Radeberger vor, deutsche Pfandregeln zu dehnen. Im hart umkämpften Biermarkt könne das Millionen-Vorteile bringen. Die Brauerei, die zum Oetker-Konzern gehörent, belegt nämlich möglicherweise das mexikanische Trendbier mit zu wenig Pfand: acht statt 25 Cent sind für die Flasche zu zahlen, das könne man durchaus als verkaufsfördernd bezeichnen, denn "Corona wird meist in Sechser-Trägern für unterwegs gekauft. Sechs mal 17 Cent Preisunterschied beim Pfand machen schon rund einen Euro aus", sagt Resch laut DPA. Beim Kasten betrage der Unterschied schon 4,08 Euro.

Das Frankfurter Unternehmen weist das zurück. Erst einmal steht Aussage gegen Aussage. Die Grupo Modelo, die das Bier produziert, lässt wissen, dass alle Flaschen aus Deutschland via Antwerpen zurück nach Guadalajara in Mexiko verschifft, dort gespült und mit Bier wiederbefüllt würden. Gegenüber der Umwelthilfe sagte hingegen Joaquin Ávalos von der Grupo Modelo in Guadalajara, dass keine Flaschen zurückkämen, es würden stets nur neue gebraucht.

Radeberger selbst teilt mit: "Corona Extra vertritt im deutschen Biermarkt einen eindeutigen Premiumanspruch. Daher setzt der Markenhalter für Deutschland ausschließlich Neuglas ein, um einen ansprechenden Auftritt der Marke ohne Reibringe und
andere Gebrauchsspuren sicherzustellen." Um aber nur acht statt 25 Cent Pfand nehmen zu dürfen, schreibt die deutsche Verpackungsverordnung eindeutig vor, dass Flaschen mehrfach zum gleichen Zweck wiederverwendet werden.

Das Unternehmen betont: Die Grupo Modelo habe bestätigt, dass die aus Deutschland zurückgeführten Flaschen wieder befüllt und in anderen Märkten wiederverwendet werden. Man habe dieses globale Mehrwegsystem mit einem zweistelligen Millionenbetrag aufgebaut. Radeberger kann jedoch laut DPA auf Anfrage zunächst kein anderes Land nennen, wo Corona als Mehrwegflasche verkauft wird. Es wird auf die andere Zeitzone in Mexiko verwiesen, man brauche Zeit zur Klärung, sagt ein Sprecher. Umweltschützer Jürgen Resch findet es in jedem Falle fragwürdig, dass die Flaschen nach Mexiko zurückgebracht würden: "Einen leeren Kasten um die halbe Welt zu transportieren ist nicht nur sündhaft teuer, sondern auch ökologisch schwachsinnig."

Sollte es tatsächlich einen Pfand-Schummel geben, würde es sich um eine Ordnungswidrigkeit handeln. Zunächst wäre das hessische Umweltministerium zuständig. Es sei aber schwer nachzuweisen, was mit den angeblich nach Mexiko zurückgebrachten Corona-Flaschen passiert. Fakt ist, dass diese sehr dünnglasig sind. "Die normalen Bierpullen sind anders, diese lassen sich 20 bis 50 Mal wiederbefüllen", sagt DUH-Anwalt Remo Klinger.

Seit Jahren sinkt der Bierkonsum in Deutschland, daher wird mit harten Bandagen gekämpft. Angeblich werden 4,5 Millionen Liter Corona jährlich in Deutschland abgesetzt. Die Umwelthilfe hat in einem anderen Pfandstreit bereits Lidl in die Knie gezwungen, als der Discounter Einwegbierflaschen anbot, die Mehrwegflaschen zum Verwechseln ähnlich sahen. "Die Großen versuchen immer wieder auszuloten, wo die Grenzen bei dem Pfandsystem liegen, aber der aktuelle Fall ist eine besonders dreiste Verbrauchertäuschung», sagt DUH-Chef Jürgen Resch. (dpa/sh)

(Das Motiv oben stammt aus der US-Kampagne von Corona, "Find your Beach". Agentur: Cramer Krasselt.)

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