Der Phaeton wird in der Gläsernen Manufaktur in Dresden hergestellt. Die Luxuslimousine soll das neue Elektro-Aushängeschild von Volkswagen werden.
Der Phaeton wird in der Gläsernen Manufaktur in Dresden hergestellt. Die Luxuslimousine soll das neue Elektro-Aushängeschild von Volkswagen werden. © Foto:Volkswagen

Sparprogramm und Elektro-Offensive | | von Frauke Schobelt

So kämpft Volkswagen gegen die Krise

Um die Milliardenkosten zu bewältigen, die Volkswagen wegen des Dieselskandals bevorstehen, hatte der neue Konzern-Chef Matthias Müller einen harten Sparkurs angekündigt. Nun gibt der Konzern weitere Details bekannt, wo genau der Rotstift angesetzt werden soll. Und wo die Marke Volkswagen ihre Zukunft sieht.

Investitionen

Die Ausgaben für Investitionen sollen um rund eine Milliarde Euro pro Jahr reduziert werden. Priorität bei den Ausgaben haben "Zukunftsprojekte" und die Entwicklung neuer Technologien - alles andere wird auf den Prüfstand gestellt. "Die Marke Volkswagen stellt sich für die Zukunft neu auf", sagt der Vorstandsvorsitzende der Marke Volkswagen, Herbert Diess. "Wir werden effizienter, richten die Produktpalette und Kerntechnologien neu aus und schaffen uns mit dem beschleunigten Effizienzprogramm den Spielraum für zukunftsweisende Technologien."

Prozesse

Schlankere Prozesse sollen bei der Reduzierung von Fixkosten helfen. Deshalb wird das noch von Ex-Vorstand Martin Winterkorn angeschobene "Effizienzprogramm" schneller umgesetzt.  Ursprünglich wollte VW spätestens von 2018 an rund fünf Milliarden Euro jährlich sparen.

Mit Baukastensystemen will Volkswagen Synergien besser nutzen, etwa in den Elektrofahrzeug-Projekten. Der Standard-Baukasten wird ebenfalls weiterentwickelt, kommt auch für Plug In-Hybride, Großserien-Elektrofahrzeuge und Antriebe zum Einsatz. Für Vernetzung und Fahrerassistenssysteme wird ein neuer Standard definiert.

Sponsoring

Wegen der Sparzwänge hinterfragt Volkswagen auch sein Fußball-Engagement. So soll nach Informationen der "Bild am Sonntag" der Sponsoren-Vertrag für den DFB-Pokal vorerst nicht verlängert werden."Wir steuern auf finanziell schwierige Zeiten hin und stellen uns die Frage, von welchem Engagement Volkswagen welchen Nutzen hat", sagte VW-Konzernsprecher Hans-Gerd Bode der "Sport-Bild" (Mittwoch). Gleichzeitig versichert er: "Der VfL Wolfsburg ist dabei aber gar kein Thema". Der Bundesligist bekommt nun aber doch die ersten Auswirkungen der Krise zu spüren. So wird das neue Nachwuchsleistungszentrum vorerst auf Eis gelegt. Geplant waren Investitionen in Höhe von bis zu 40 Millionen Euro. "Wir waren noch lange nicht soweit, dass man hätte sagen können, das Projekt wird umgesetzt. Aber natürlich ist das derzeit nicht der Moment zu investieren. Da muss man Vernunft walten lassen", erklärt VfL-Geschäftsführer Klaus Allofs die Entscheidung, die die VfL-Geschäftsführung gemeinsam mit dem Aufsichtsrat des Clubs getroffen hatte. In dem Kontrollgremium sitzen auch hochrangige Manager des VW-Konzerns.

Der Bundesligist ist eine hundertprozentige Konzerntochter und bekommt jährlich einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Laut Medienberichten liegt dieser derzeit bei rund 80 Millionen Euro. Außerdem ist VW-Tochter Audi am FC Bayern München und dem FC Ingolstadt beteiligt. 

Neuausrichtung der Produktpalette

VW-Markenchef Herbert Diess kündigt neben den Sparmaßnahmen auch eine Neuausrichtung der Produktpalette an. Der Konzern hält an der Diesel-Technologie fest, will in Europa und Nordamerika aber nur noch die "umwelttechnisch besten Abgassysteme" einsetzen. Der Autohersteller plant mehr Elektromodelle und Fahrzeuge mit Plug-in-Hybridantrieb auf den Markt zu bringen. Die Baukastensysteme des Konzern werden entsprechend weiterentwickelt.

"Technologische Kompetenz" - dafür soll die Marke auch in Zukunft stehen. Um diesen "Markenanspruch" zu verkörpern, kommt dem neuen Phaeton eine Schlüsselrolle zu. Die neue Generation der Luxuslimousine wird es künftig nur noch als reines Elektromodell geben. Der elektrische Phaeton soll mit Langstreckentauglichkeit, Connectivity und neuen Assistenzsystemen "als Leitstern für das Profil der Marke in der nächsten Dekade" stehen, so der Markenvorstand.

Volkswagen-Krise als Hollywood-Film

Nichts verdienen wird Volkswagen am geplanten Hollywood-Film rund um den Abgas-Manipulationen. Sondern eher weitere Imageproblemen kassieren. Wie die Branchenportale Variety und Deadline.com berichteten, wollen Hollywoodstar Leonardo DiCaprio und das Studio Paramount Pictures einen Film über die Volkswagen-Abgasaffäre drehen. DiCaprio ist mit seiner Firma Appian Way als Produzent an Bord. Paramount hatte sich die Filmrechte an dem geplanten Buch von Jack Ewing über den Skandal gesichert. Buch und Film sollen davon handeln, "wie ein 'mehr, besser, schneller'-Ethos eines der umfassendsten Beispiele von Unternehmensbetrug der Geschichte vorangetrieben hat".

VW hatte vor mehr als drei Wochen eingeräumt, mit einer Software Abgastests bei Dieselfahrzeugen manipuliert zu haben. Das Image und der Markenwert haben massiv gelitten. Außerdem drohen Milliardenkosten durch Klagen und Strafzahlungen. (fs/dpa)

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