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Für jedes der 68 Ländern, in denen Uber präsent ist, gibt es nun eigene Farbprofile.
Für jedes der 68 Ländern, in denen Uber präsent ist, gibt es nun eigene Farbprofile. © Foto:Uber

Corporate Design | | von Frauke Schobelt

So polarisiert das neue Uber-Logo

Vom charakteristischen "U" ist nichts geblieben. Stattdessen steht nun ein grafisches Zeichen für Uber, das auf den ersten Blick keinen klaren Bezug zur Marke erkennen lässt. Der Fahrdienstvermittler hat sein Corporate Design und Logo überarbeitet. Über Nacht erkannten User ihr altes App-Icon nicht mehr. Auf der Website findet sich "Uber" weiterhin als reduzierter Schriftzug, als erklärungsbedürftiger entpuppt sich das neue Logo.

Für jedes der 68 Ländern, in denen Uber präsent ist, gibt es nun eigene Farbprofile. Verspielter, bunter und weniger aggressiv soll es wirken. Und menschlicher. Quadrat und Kreis stehen für "Bit" und "Atom", wie der Konzern in einem Video erklärt. Die Bits symbolisieren die Technologie, das Atom als Baustein der Welt steht für die Vielfalt des Lebens. Beide Welten will der Konzern zusammenbringen und als multinationaler Technologiekonzern wahrgenommen werden, als Logistikdienstleister, der nicht nur Menschen transportiert: "We leave no bit or atom unturned to create industries that serve the people", heißt es im Video. Mehr Insights zur Entstehungsgeschichte liefert ein Artikel von "Wired".

Weitere Videos zeigen das neue Design:

Reaktionen im Netz zeigen: Das Logo polarisiert. Viele Designexperten finden den neuen Ansatz gar nicht so schlecht. Andere Kommentatoren sind nicht so überzeugt.

Markus Blankenburg, Creative Director bei der internationalen Branding- und Designagentur Landor kommentiert: "Uber überarbeitet sein Erscheinungsbild — äußerst vielseitig und anpassungsfähig — und stellt auch ein Zeichen vor, dass gemeinhin als Logo aufgefasst wird. Doch wenn man ein Logo als grafisches Zeichen definiert, das ein Unternehmen konsistent repräsentiert, dann haben wir es hier nicht mehr mit einem Logo klassischer Bauart zu tun. Ich sehe in dem 'Bit & Atom'-Zeichen vielmehr ein Brand Icon, dass beispielsweise als App-Icon oder Profilbild für die schnelle Wiedererkennbarkeit in digitalen Umfeldern sorgt. Jedoch: Weder auf der Website noch innerhalb der App kommt es zum Einsatz. Kennzeichnendes Element ist dort weiterhin ein schlichter Schriftzug. Und so folgt Uber dem Beispiel globaler Marken wie Google, Ebay oder auch Facebook mit einer klaren Botschaft an die Old Economy: Ihr Verständnis von Logo ist überholt."

Natürlich liefert Uber vielen Usern auch eine Vorlage, um sich lustig zu machen. 

So polarisiert das neue Uber-Logo

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Designkritik: Das Uber-raschungsei

von Norbert Möller

Uber hat ein neues grafisches Erscheinungsbild: Seit dem 2. Februar ist das vertraute App-Icon verschwunden. Schnell habe ich Bewertungen gelesen, wie gut oder schlecht das Design sei, fand jedoch: Das ganze ist so vielschichtig, dass ich es lieber über das Wochenende sacken lasse und mir in Ruhe meine Meinung bilde.

uber-logo

Foto: Uber

Gute Einblicke lieferte hierfür der ausführliche "Wired"-Artikel von Jessi Hempel. Diesem habe ich entnommen, dass sich ein kleines Team um Unternehmensgründer Travis Kalanick fast zwei Jahre um die Design-Entwicklung gekümmert hat. Das hört sich nach einem sehr zähen Prozess an, nachdem man sich vorher schon nicht für eine Agentur entscheiden konnte. Der Artikel macht aber auch deutlich, dass dies eher ein Selbstfindungsprozess für den Gründer war. Man hätte mich natürlich nie gefragt – aber wenn, bin ich mir nicht sicher, ob ich hätte dabei sein wollen.

Dass sich Uber mit dem alten zu dünnen und zu weit gesperrten Schriftzug überhaupt in der digitalen Welt durchsetzen konnte, ist ein kleines Phänomen. Daher ist die Überarbeitung Pflicht gewesen und sieht ja auch passabel aus. Mikrotypografen könnten noch anmerken, dass die Buchstabenzwischenräume nicht optisch ausgeglichen sind. Aber diese Fähigkeit geht sowieso immer mehr verloren.

Der Aufschrei bei den Usern, dass man die neuen App-Icons ja so gar nicht mit Uber in Verbindung bringt, weil man ja das "U"  nicht mehr erkennt – es sah ja auch vorher eher wie eine Gürtelschnalle aus –  wird sehr schnell verstummen. Denn entweder ist die App ja schon installiert oder wenn man sie installiert, weiß man auch von wem. Hier hat Uber verstanden, was ein Icon ist, nämlich ein vereinfachtes Sinnbild. Und das ist perfekt gelungen. Laut Uber soll ich hier Bits und Atome erkennen, das ist eine tolle Herleitung, aber mehr nicht. Ich erkenne eher ein Symbol mit einem Mittelpunkt und beziehe es natürlich auf mich, also den User, der mitgenommen werden möchte. Und das App-Icon für den Fahrer ist ebenfalls eine einfache Form, ein Hexagon mit einem Mittelpunkt, der zu zwei Seiten offen ist: Logisch, denn er muss ja auch fahren.

In vielen Artikeln und Kommentaren tun sich die Schreiber schwer, App-Icon und Logo klar voneinander abzugrenzen. Dies soll aber keine Kritik an den Autoren sein, sondern eher ein Beweis dafür, dass das althergebrachte Verständnis von Design im digitalen Raum überholt ist: Es geht nicht mehr darum ein und dasselbe Logo ständig zu wiederholen, sondern ein System zu entwickeln, das für jeden Touchpoint und jede Zielgruppe eine markengerechte Ansprache ermöglicht.

Wenn bei Uber nun jede Region eine spezifische Musterstruktur und Bildsprache erhält, so ist das strategisch genau das, was modernes Corporate Design leisten muss. Pattern sind natürlich sehr einfältig klischeemäßig und aus den Neunzigern, aber die grundsätzliche Idee dabei ist für Uber der nächste eigentliche Schritt: global und lokal gleichzeitig zu sein. Denn das Geschäft ist nicht mehr der exklusive Chauffeurdienst in San Francisco, sondern umfasst Dienstleistungsangebote in 400 Städten und 65 Ländern.

Wenn man jetzt ganz ehrlich ist, darf man sich nur noch fragen: Muss man für diese Erkenntnis zwei Jahre brauchen? Nicht unbedingt. Ich finde, dass das Ergebnis überzeugt, aber nicht überragt. Auf der anderen Seite habe ich auch kein Startup gegründet, das heute 46 Mrd. Dollar wert sein soll, deshalb bin ich jetzt still und mache mit meiner Arbeit weiter.

Der Autor: Norbert Möller ist Executive Creative Director der Peter Schmidt Group. Die international tätige Agentur für Marken- und Designstrategie mit Hauptsitz in Hamburg gehört zur BBDO-Gruppe. Auf der Kundenliste stehen u.a. Bertelsmann, Boss, Lufthansa, Rewe, die Postbank und das ZDF.

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