Um sein beschädigtes Image zu retten, hat sich Volkswagen "schonungslose Aufklärung" und Transparenz verordnet. Dem Konzern bleibt auch gar nichts anderes übrig.
Um sein beschädigtes Image zu retten, hat sich Volkswagen "schonungslose Aufklärung" und Transparenz verordnet. Dem Konzern bleibt auch gar nichts anderes übrig. © Foto:Volkswagen

Kommentar zum Diesel-Skandal | | von Frauke Schobelt

Sorgenkonzern Volkswagen: Aufklärung muss weh tun

Fast hätte es Volkswagen geschafft. Wochen mit unzähligen Negativberichten über Abgas-Manipulationen liegen hinter dem Konzern, mit Rücktritten, Entschuldigungen und Kniefällen vor den Verbrauchern. Demütigende Tage also eines bis dahin wenig demütigen Konzerns. Doch dann rückten irgendwann andere Themen in den Fokus der Republik. Die Flüchtlingskrise, die Koalitionskrise, die Europakrise und die Türkeikrise verdrängten die Volkswagenkrise auf die hinteren Artikel-Ränge. Eine Verschnaufspause für den Konzern, der sich nach dem Orkan nun intensiver um die Aufräumarbeiten kümmern konnte. Es schien, als habe die Welt die Bitte erhört: Habt Vertrauen, gebt uns Zeit, wir klären alles auf.

Nun ist Volkswagen wieder zurück auf den Titelblättern und in den Nachrichten. Weitere Manipulationsvorwürfe aus den USA erschüttern den Konzern, der sich dagegen jedoch vehemend wehrt. Dafür fördert die eigene Aufklärungsarbeit "Unregelmäßigkeiten" bei der "Bestimmung des CO2-Wertes für die Typzulassung von Fahrzeugen" zu Tage. Der Skandal weitet sich aus, deutlich mehr Modelle, Motoren und Marken sind betroffen, auch Audi und Porsche geraten in den Strudel. Es wird immer verworrener. Und wieder folgen eine Entschuldigung und ein "tiefes Bedauern".

Solche Nachrichten tun jedem weh, dem die Marke Volkswagen nach wie vor am Herzen liegt. Etwa weil der 20 Jahre alte Passat vor der Haustür die Abwrackprämie ausgesessen hat und immer noch fährt und fährt und fährt.

Doch Aufklärung muss weh tun, wenn sie reinigen soll, wenn sie Vertrauen schaffen und das Übel an der Wurzel packen soll. Und die liegt bei Volkswagen in der bisherigen Unternehmenskultur, die Betrug, kriminelle Machenschaften und eine unglaubliche Arroganz förderte. Die Ingenieurskunst hinkte dem Produktversprechen hinterher? Kein Problem: Was nicht passt, wird passend gemacht. Schließlich bauen wir "Das Auto". Die US-Umweltbehörde EPA mahnt und niemand reagiert? Diese Arroganz fliegt Volkswagen nun zu Recht um die Ohren.

Um sein beschädigtes Image zu retten, hat sich Volkswagen "schonungslose Aufklärung" und Transparenz verordnet. "Dabei machen wir vor nichts und niemandem Halt. Das ist ein schmerzhafter Prozess, aber er ist für uns ohne Alternative. Für uns zählt einzig und allein die Wahrheit. Das ist die Voraussetzung für die grundlegende Neuausrichtung, die Volkswagen braucht", sagt Volkswagen-Chef Matthias Müller. Dem Konzern bleibt auch gar nichts anders übrig. Denn der Betrug zerstört den Markenkern, entlarvt die schöne, umwelt- und menschenfreundliche VW-Welt als Lüge. Und zeigt die Grenzen der Ingenieurskunst, auf die der Konzern so stolz ist.

Der Konzern muss diesen inneren Reinigungsprozess fortsetzen und glaubhaft machen, dass er sich von Grund auf erneuert. Dafür muss er in eigene Abgründe blicken, alles in Frage stellen, alte Seilschaften kappen und den Finger in die schlimmsten Wunde legen. Um dann aus dem Scherbenhaufen einen besseren Konzern zu bauen. Der vielleicht irgendwann nicht mehr die Nummer eins, aber trotzdem wertvoller ist. Weil das Markenbild nach außen auch innen passt. 
 

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