Umweltschutz | | von Frauke Schobelt

Studie über Transparenz und Nachhaltigkeit: Brauereien gefährden Biermarken

Biermarken kommunizieren gerne - aber offenbar nicht so gerne über ihr Umweltbewusstsein. Die Verbraucherinitiative Rank a Brand Deutschland hat untersucht, wie es die populärsten Biermarken in Deutschland mit der Transparenz zur ökologischen Nachhaltigkeit halten. Das Fazit: Die größten deutschen Bierbrauereien wie Oettinger, die Radeberger Gruppe, Warsteiner, Bitburger, Veltins oder Erdinger sind im internationalen Vergleich in ihrer Umweltleistung "auffallend intransparent". Am besten schneidet die im Verhältnis kleinere Bierbrauerei Neumarkter Lammsbräu ab, die sich mit Öko-Bier am Markt positioniert.

17 der 18 untersuchten Brauereien brüsten sich zwar mit allgemeinen Maßnahmen zum betrieblichen Klimaschutz. Quantifizierbare Ergebnisse und genaue Eckdaten zum Klima- und Umweltschutz sind jedoch Fehlanzeige, bemängeln die Verbraucherschützer. Aus ihrer Sicht bedenklich: Deutsche Brauereien weisen im europäischen Vergleich die geringste Transparenz in Bezug auf Umweltleistungen auf  - gleichzeitig produzieren sie das meiste Bier in Europa.

Dies birgt Risiken für die Marken: "Die geringe Auskunftsfreudigkeit zur Nachhaltigkeit kann für Deutschlands Brauereien in Zukunft wesentliche Reputations- und Regulierungsrisiken bedeuten, welche sich auf das betriebswirtschaftliche Ergebnis auswirken", warnt Mario Dziamski, Gründer von Rank a Brand Deutschland. So steige die Verbrauchernachfrage nach nachhaltig produzierten Konsumprodukten, außerdem werden die Verbraucher insgesamt kritischer. Die Unternehmen müssten sich außerdem für mögliche EU-Regulierungen wappnen, etwa zur Nachhaltigkeitsberichterstattung. "Der dazu bereits 2011 veröffentlichte Gesetzesentwurf wurde zwar noch nicht aufgenommen. Es weist aber vieles daraufhin, dass eine Forcierung der Thematik auf politischer Ebene stattfindet und in Zukunft Gestalt annehmen wird."

Die untersuchten Marken setzen sich aus den zehn beliebtesten Biermarken in Deutschland und den zehn populärsten der Brand-a-Rank-User zusammen, die darüber online befragt wurden.

Spitzenreiter im Ranking ist Neumarkter Lammsbräu. Die Privatbrauerei aus Neumarkt in der Oberpfalz weist einen Nachhaltigkeitsbericht nach dem höchsten Berichtsstandard der Global Reporting Initiative auf. Damit ist die Marke Traditionsmarken wie Krombacher und Veltins oder Brauereigruppen wie Radeberger und Warsteiner einen Schritt voraus. Auch kann die Marke Bestwerte beim Bezug von erneuerbarer Energie, dem Bezug umweltzertifizierter Rohwaren sowie der Bilanzierung zum Verpackungsmanagement für sich verbuchen. Bei den Effizienzwerten zum Wasserverbrauch und CO2-Ausstoß je produziertem Hektoliter Bier sind hingegen andere Marken besser.

Die Marken Astra, Guinness, Beck's und Hasseröder folgen auf den weiteren Plätzen, profitieren jedoch ausschließlich von der Nachhaltigkeitsberichterstattung ihrer internationalen Obergesellschaften Carlsberg Group (Astra), Diageo (Guinness) und ABInBev (Beck's u. Hasseröder). Gepunktet wird insbesondere durch hohe Emissions- und Wassereffizienzwerte bei der Bierproduktion sowie der Veröffentlichung der Wasser- und CO2-Bilanzen.

Das breite Schlussfeld wird von Traditionsmarken wie Augustiner oder Rothaus und - besonders auffallend - durch die größten deutschen Brauereien gebildet: z.B. Oettinger, die Radeberger Gruppe, Warsteiner, Bitburger, Erdinger und Veltins.

Rank a Brand ist eine Initiative, die in den Niederlanden und mittlerweile auch in Deutschland aktiv ist. Ziel ist es Verbrauchern aufzuzeigen, wie nachhaltig ihre Lieblingsmarken wirklich sind und Markenhersteller so für mehr Unternehmensverantwortung und Transparenz zu sensibilisieren. Aktuell sind Rankings zur ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit von knapp 400 Verbrauchermarken aus 18 Sektoren (z.B. Lebensmittel, Kleidung oder Elektronik) online.

Studie über Transparenz und Nachhaltigkeit: Brauereien gefährden Biermarken

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