| | von Frauke Schobelt

Volksbanken und Raiffeisenbanken marschieren mit Occupy

Wer heute durch die "Süddeutsche Zeitung" blättert, kann über ein Anzeigenmotiv stolpern, das auf den ersten Blick zwei krasse Gegensätze vereint: Die Volksbanken und Raiffeisenbanken werben dort mit einem Bild, das Demonstranten der Occupy-Bewegung mit der markanten Guy-Fawkes-Maske zeigt. Eine heikle Idee: Eine Bankengruppe sympathisiert mit erklärten Bankenkritikern.

Die Protestler fordern auf ihrem Schild mehr direkte Demokratie, mit ihrem Slogan "Jeder Mensch hat etwas, das ihn antreibt. Wir machen den Weg frei." platzieren sich die Volksbanken und Raiffeisenbanken als Verfechter derselben Ziele. Allerdings demonstriert die Bewegung weltweit auch gegen die Macht der Banken und die Folgen der Finanzkrise. Nicht ohne Grund wurde die Wallstreet als einer der Orte für die Massenproteste gewählt. Die meisten Banken zogen es deshalb vor, bisher lieber zu schweigen.

Die genossenschaftlichen Banken fühlen sich durch die Bewegung jedoch sogar bestätigt, wie Cornelia Schulz, Pressesprecherin des Bundesverbandes der Deutsche Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR) auf Anfrage von W&V Online erklärt. "Wir nehmen die aktuelle Bankenprotestwelle ernst und beschäftigen uns ausführlich mit ihren Motiven und Anliegen. Forderungen der Protestler greifen oftmals genau die zukünftige Ausrichtung der Banken auf Realwirtschaft, Bürgerbeteiligung und Menschlichkeit auf - also exakt die Leitmotive, die Genossenschaftsbanken wichtig sind", so Schulz. "Wir geben eine Antwort mit unserem Geschäftsmodell. Viele Forderungen der Demonstranten sind darin verwirklicht." Außerdem würden sich viele Demonstranten ausdrücklich für Genossenschaftsbanken einsetzen.

Das aktuelle Anzeigenmotiv erscheint im Rahmen der "Antriebskampagne", die von der Agentur Heimat entwickelt wurde. Damit signalisiere der Verband, "dass wir die Menschen mit ihren individuellen Wünschen ernst nehmen, auch wenn wir uns nicht persönlich mit jedem Einzelwunsch identifizieren können und müssen", so Schulz. "Dies gilt auch für die Forderungen der Demonstranten, für die wir sicherlich nicht in jedem Einzelfall eintreten, die wir aber vor dem Hintergrund der Finanzkrise gut nachvollziehen können." Zu den Forderungen der Bewegung gehört beispielsweise auch die Einführung einer Finanztransaktionssteuer.

Auch Verbandspräsident Uwe Fröhlich äußert Verständnis für die "große Verunsicherung hinsichtlich der Fähigkeit der Politik und der Banken, einen Lösungsweg zu finden." Die Occupy-Bewegung könne da Impulse geben, sagt er in der "B.Z. am Sonntag". Für die Zeitung stellt er sich einem Zwiegespräch mit einem Occupy-Demonstranten, der den Banker mit der Kritik der Bewegung konfrontiert und mit dem eigenen Investmentgeschäft der Bankengruppe. Fröhlich warnt jedoch vor einer pauschalen Verurteilung der Banken und einer "Vereinfachung" der Themen. "Letztendlich haben wir eine Staatsschuldenkrise und keine Bankenkrise", so Fröhlich. Das normale Bankgeschäft stehe nicht in der Kritik. "Differenzierung ist dringend notwendig", so Fröhlich. Das Geschäftsmodell der Volksbanken und Raiffeisenbanken sei nicht das der internationalen Großbanken. "Wir zocken nicht."

Die Occupy-Bewegung hat mittlerweile weitere Proteste angekündigt. In den USA sammelt sie Spenden, demnächst ist der erste TV-Spot zu sehen. Für Aufmerksamkeit sorgt auch die auffällige Maske, die sich tausende Demonstranten überstülpen. Sie stammt ursprünglich aus der Comic-Verfilmung "V wie Vendetta" und soll Guy Fawkes darstellen, einen Revoluzzer aus dem 16. Jahrhundert. Auch das Internet-Kollektiv Anonymus schmückt sich damit. Sie könnte sich als Symbol auch dieser Bewegung durchsetzen.

Volksbanken und Raiffeisenbanken marschieren mit Occupy

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