VfL Wolfsburg | | von Ulrike App

Volkswagen stellt Fußball-Sponsoring in Frage

Martin Winterkorn ist ein echter Fußball-Fan. Und vielleicht gerade deshalb musste der Ex-Volkswagen-Chef die zahlreichen Fußball-Engagements des Konzerns immer wieder verteidigen. Winterkorns Nachfolger Matthias Müller hinterfragt nun diese Sponsoringstrategie. "Wir drehen jeden Stein um und werden uns auch das ansehen", sagte er im Interview der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Müller muss unbedingt sparen, um die drohenden Strafzahlungen in Milliardenhöhe zu kompensieren. Die Dieselaffäre rund um die manipulierten Abgaswerte dürfte für Volkswagen sehr teuer werden. Am Dienstag hatte der Vorstandsvorsitzende auf einer Betriebsversammlung seine Mitarbeiter über ein "Effizienzprogramm" informiert.

Der Bundesligist VfL Wolfsburg ist eine hundertprozentigen Konzerntochter und bekommt jährlich einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Außerdem ist VV-Tochter Audi am FC Bayern München und dem FC Ingolstadt beteiligt. VW engagiert sich auch als Sponsor des DFB-Pokales.

Zu den weiteren Volkswagen-Profiteuren gehören unter anderem: FC Schalke 04, SV Werder Bremen, TSV 1860 München, 1. FC Kaiserslautern, SpVgg Greuther Fürth, VfL Bochum, Chemnitzer FC, MSV Duisburg (alle VW), Eintracht Braunschweig (Seat), RasenBallsport Leipzig (Porsche/VW) und Hannover 96 (VW Nutzfahrzeuge).

"Es gibt keinen Grund, sich jetzt Sorgen zu machen", sagte der Sportchef des VfL Wolfsburg, Klaus Allofs. "Es gibt da brennendere Themen. Da geht es um andere finanzielle Größenordnungen." Der Verein wird die Sparwut bei Volkswagen wohl noch nicht sofort spüren. Müller ist erst seit kurzem im Amt und muss sich um so viele Baustellen kümmern.

Schon vor Müllers Worten war der VfL von der Krise bei VW betroffen. Nach dem bisherigen Konzernchef Winterkorn musste in Kommunikationschef Stephan Grühsem ein weiterer wichtiger VfL-Aufbauhelfer den Konzern und damit nun auch den Aufsichtsrat des Clubs verlassen. Winterkorn und Grühsem entwickelten zusammen die Strategie, nicht nur den VfL, sondern die gesamte Bühne Fußball als Marketinginstrument für VW einzusetzen.

Beide sind nun weg. Auch der bisherige VW-Finanzchef und designierte Konzern-Aufsichtsratschef Hans Dieter Pötsch muss das Kontrollgremium des Bundesligisten verlassen. Wie der Aufsichtsrat beim VfL neu besetzt wird, ist offen. Dieses Gremium nickt immerhin millionenschwere Investitionen beim Bundesligisten ab. Und angesichts des VW-Sparkurses ist zumindest fraglich, ob dem VfL künftige Groß-Investitionen wie in diesem Jahr für die Weltmeister André Schürrle und Julian Draxler für zusammen knapp 70 Millionen Euro genehmigt werden. Weniger wegen des Geldes, sondern mehr wegen der Außendarstellung. (app/mit dpa)

Volkswagen stellt Fußball-Sponsoring in Frage

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Medienbericht: Volkswagen legt DFB-Pokal-Vertrag auf Eis

von Deutsche Presse-Agentur

Der Volkswagen-Konzern will nach Informationen der "Bild am Sonntag" den Sponsoren-Vertrag für den DFB-Pokal vorerst nicht verlängern. Das Unternehmen reagiere mit der Verweigerung der Unterschrift auf die Abgas-Affäre, von der Kosten in Milliardenhöhe erwartet werden. Ein VW-Sprecher wollte den Vorgang am Sonntag auf Anfrage nicht kommentieren. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) äußerte sich nicht zu dem Thema.

Nach Angaben der Zeitung hatte sich VW mit dem DFB-Vermarkter Infront bereits auf einen neuen Drei-Jahres-Vertrag von 2016 an geeinigt. Pro Jahr sollten fünf Millionen Euro an den DFB fließen. Der Wolfsburger Autobauer ist seit 2012 Sponsor des DFB-Pokals, alle 64 Mannschaften spielen von der ersten Runde an mit dem VW-Logo auf den Ärmeln.

Wegen der aktuellen Krisen-Situation bei VW wird seit Tagen darüber spekuliert, dass der Konzern seine umfangreichen Aktivitäten im Sport-Sponsoring erheblich reduziert. Zuletzt hatte VW-Vorstand Francisco Javier Garcia Sanz am Freitag aber erklärt, dass das Unternehmen den deutschen Fußball-Vizemeister VfL Wolfsburg auch zukünftig "angemessen" unterstützen werde.

Hohe Beträge sollen zudem im Bereich Motorsport eingespart werden. Welche Wettbewerbe und Rennen davon betroffen sind, ist aber noch unklar. Der VW-Sprecher verwies darauf, dass Berichte über einen Rückzug bei der Rallye Dakar gar nicht stimmen könnten, weil das Unternehmen schon seit Jahren dort nicht mehr Sponsor ist.

von Deutsche Presse-Agentur - Kommentare Kommentar schreiben

VW dementiert: Keine Sponsoring-Streichliste

von Deutsche Presse-Agentur

Wegen des Skandals um gefälschte Abgaswerte und den daraus resultierenden Kosten für den Konzern steht auch das immense Sport-Sponsoring von Volkswagen auf dem Prüfstand. Die "Bild am Sonntag (BamS)" hatte am Wochenende von konkreten Plänen berichtet, Sponsoring teilweise zu streichen.

Über das zukünftige Fußball-Sponsoring ist laut VW aber noch keine Entscheidung gefallen. Eine Streichliste gebe es nicht, hieß es. In einer offiziellen Stellungnahme schrieb die Presse-Abteilung: "Sport und insbesondere der Fußball sind wesentliche Säulen in der Sponsoring-Strategie unseres Unternehmens. Diese wichtige Kommunikations- und Werbeplattform wurde in der Vergangenheit sehr erfolgreich genutzt und dies wird auch in Zukunft der Fall sein. In welchem konkreten Umfang ist derzeit noch nicht entschieden."

Laufende Verträge sollen dem Vernehmen nach nicht gekündigt werden. Dazu zählen etwa die VW-Engagements bei den Fußball-Bundesligisten Werder Bremen und Hannover 96. Hingegen laufen die Sponsoring-Vereinbarungen mit Schalke 04 und dem Zweitligisten 1860 München am Ende der Saison aus. Alle vier Namen fielen in dem "BamS"-Bericht - als Streichkandidaten. 

Vor allem bei der hundertprozentigen VW-Tochter VfL Wolfsburg rechnet man nicht mit einer Kürzung der jährlichen Gelder im hohen zweistelligen Millionenbereich. "Ich kann mir das im Moment nicht vorstellen", sagte VfL-Geschäftsführer Wolfgang Hotze.

Betroffen könnte auch ein Club der Deutschen Eishockey Liga sein: die Grizzlys Wolfsburg. "Wir haben bislang keine Signale, dass es mit dem Eishockey am Standort Wolfsburg zu Ende geht", sagte Grizzly-Geschäftsführer Charly Fliegauf am Montag der Deutschen Presse-Agentur. Er rechne kurzfristig mit einer Entscheidung, ob die VW-Tochter Skoda als Hauptsponsor die Grizzlys auch künftig mit laut Medienberichten rund fünf Millionen Euro pro Jahr unterstützt.

Der "Kontakter" hat in Ausgabe 42 die Sponsoring-Aktivitäten der VW-Marken zusammengetragen:

Fußball 

Deutsche Vereine: Am meisten gibt VW für den VfL Wolfsburg aus. Ebenfalls unterstützt werden die Vereine FC Schalke 04, SV Werder Bremen, TSV 1860 München, SpVgg Greuther Fürth, VfL Bochum, Chemnitzer FC, MSV Duisburg, Hannover 96, Rasenballsport Leipzig, VfL Osnabrück sowie die Regionalligisten FSV Zwickau und Hessen Kassel und Oberligist Lupo Martini. Audi ist beim FC Bayern München und FC Ingolstadt beteiligt und fördert Mönchengladbach, Hamburg, Hertha BSC Berlin, 1. FC Nürnberg und Hoffenheim. Seat sponsert Eintracht Braunschweig, MAN unterstützt den 1. FC Kaiserslautern.

International: VW fördert Vereine wie den FC Valencia, den FC Basel und hat einen Vertrag mit der Major League Soccer sowie der French Football Federation und unterstützt Clubs in Brasilien. Audi ist global beim FC Barcelona, Real Madrid, bei der Major League Soccer sowie bei der Australian Football League engagiert.

Motorsport

Deutsche Rennen: Audi ist bei der DTM vertreten und führt dort den Audi Sport TT Cup aus. Internationale Rennen Volkswagen dominiert die Rallye-WM. Audi und Porsche kämpfen regelmäßig um den Sieg im Langstreckenrennen von Le Mans. Daneben existieren kleinere Rennserien wie der Seat Leon Nachwuchscup.

Weitere Sportarten

Wintersport: Audi ist offizieller Sponsor des Skiverbandes FIS und Hauptsponsor des Ski Weltcups, der Nordischen Kombiniation, der Freestyler und des Ski Jumping World Cups.

Basketball: Audi sponsert den FC Bayern Basketball und die Dallas Mavericks in den USA.

Eishockey: Skoda ist Hauptsponsor der IIHF Eishockey-WM und der Champions Hockey League.

Baseball: Audi unterstützt die New York Yankees, eines der global größten Sportteams.

Tischtennis: Hier ist Volkswagen stark in China, unter anderem bei den VW Open China involviert.

Radsport: Skoda sponsert die Tour de France, VW unterstützt das Multivan Merida Biking Team.

Surfen: VW Nutzfahrzeuge hat diverse Top-Surfer als Testimonials unter Vertrag.

Golf: Turniere wie der Porsche Golf Cup World Final und die European Open in Bad Griesbach. (lp/bb)

von Deutsche Presse-Agentur - Kommentare Kommentar schreiben