Johann Jungwirth | | von W&V Online

VW macht Apple-Manager zum Digitalchef

Der bisherige Apple-Manager Johann Jungwirth soll jetzt die Digitalisierungsstrategie von Volkswagen vorantreiben. Seit dem 1. November ist er Leiter eines neugeschaffenen Fachbereichs. Der 42-Jährige untersteht direkt Konzernchef Matthias Müller. Bisher diente Jungwirth im Silicon Valley Apple als "Director" für die Entwicklung von Mac-Computersystemen, arbeitete aber laut Volkswagen auch an Spezialprojekten.

Der Manager war bis zum Herbst 2014 bei Daimler, sein Wechsel zu Apple interpretierten einige als Beleg für die angeblichen Elektroautopläne des Unternehmens aus Cupertino. Bei Mercedes-Benz hatte Jungwirth unter anderem an der Auto-Vernetzung und Technologien für selbstfahrende Fahrzeuge gearbeitet. 

Im Volkswagen-Konzern kommt bisher der Tochter Audi eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung digitaler Technologien zu. So fuhr ein umgerüstetes Fahrzeug des Modells A7 im Januar autonom rund 900 Kilometer aus dem Silicon Valley zur Technik-Messe CES. Auch eine moderne Cockpit-Anzeige, die Instrumente und Unterhaltungssystem vereint, wurde zuerst im Audi TT eingeführt. (mit dpa)

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VW-Digitalchef prognostiziert sinkende Preise für flexible Mobilität

von W&V Online

Der Digitalisierungs-Wettstreit der Auto-Industrie dürfte für die Kunden von flexiblen Mobilisierungsangeboten spürbar sinkende Preise mit sich bringen. "Bei Taxis fährt man heute mit Kosten von ungefähr 2,00 Euro pro Kilometer. Wir sind zu dem Ergebnis gekommen, dass die Kosten pro km bei unseren Konzepten für gebuchte Mobilität-on-Demand nach Bedarf auf das Niveau vergleichbar mit den Kosten für den klassischen privaten Besitz eines Fahrzeugs reduziert werden können", sagte der VW-Digitalchef und ehemalige Apple-Manager Johann Jungwirth der "Deutschen Presse-Agentur".

Durch die Weiterentwicklung von modernen Mobilitätsangeboten mit selbstfahrenden Fahrzeugen auf Abruf könnten der Transport zudem generell demokratisiert und die soziale Mobilität erhöht werden. "Damit können alle Menschen, auch Menschen ohne Führerschein, Alte, Kranke, Kinder und Blinde in den Genuss von individueller Mobilität kommen", betonte Jungwirth.

Ungeachtet dessen werde der Besitz von Fahrzeugen bestimmter Marken aber auch in Zukunft wichtig bleiben. Jungwirth: "Wir könnten neben Luxus-Lounges und autonomen Pods für den Stadtverkehr mit unterschiedlicher Ausstattung und Größe auch Kino-Autos bauen oder rollende Wellness- und Fitnessräume. Ich bin sicher: Das wird hoch emotional und alle unsere Marken werden ihren Platz finden."

Im weltweiten Wettlauf bei der Entwicklung selbst fahrender Autos habe Volkswagen dank seiner zwölf Konzernmarken große Vorteile gegenüber der Konkurrenz, sagte Jungwirth. "Wir müssen dieses System nur einmal entwickeln - für alle Marken und Anwendungsgebiete", sagte er. Fahrerlose Systeme würden in drei bis fünf Jahren "zum neuen Herzstück des Autos im 21. Jahrhundert". Neben den klassischen Autoherstellern streben auch Branchenneulinge wie Google und Co auf den Markt.

Für einen erfolgreich Wechsel in das Digitalisierungszeitalter müsse aber auch Volkswagen verschiedene Partnerschaften und Allianzen eingehen. "Ich finde es klug und richtig, nicht alles selber zu machen. Und auch beim Thema Selbstfahrendes System wird es verschiedene Kombinationen geben: Bei Google etwa sehen wir das ja schon mit den ersten Automobilherstellern als Partner [Anmerkung: mit Fiat-Chrysler]. Man ist aufeinander angewiesen", betonte Jungwirth.

In diesem Kontext sei das 300 Millionen US-Dollar Investment beim Fahrdienst-Vermittler Gett zu sehen. "Die sind schon die Nummer Eins in Europa. Das ist der Nukleus, um in Europa, Russland, dem Mittleren Osten und weiteren Märkten die Nummer Eins als Mobilitätsanbieter zu werden und so die Kundenschnittstelle zu besetzen, über welche Mobilität gebucht wird."

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