Frauke Schobelt ist Ressortleiterin Marketing & Agenturen bei W&V Online.
Frauke Schobelt ist Ressortleiterin Marketing & Agenturen bei W&V Online. © Foto:W&V

Kommentar | | von Frauke Schobelt

Warum ich kleine Läden liebe und trotzdem online einkaufe

Ich gebe zu: Ich bin eine faule Sau. Deshalb setze ich mich samstags nur sehr selten in die S-Bahn, um eine dreiviertel Stunde lang  – wie sonst zur Arbeit - zum Shoppen in die Innenstadt zu zuckeln. Die übervolle Einkaufszone in München schreckt mich ab. Das Flanieren durch die schönen Stadtviertel mit den vielen kleinen Läden mittlerweile ebenso – denn es kostet einfach zu viel Zeit. Außerdem ist nie sicher, ob ich das Gesuchte auch wirklich finde.

Dabei mag ich es, durch Läden mit individueller Note zu schlendern, die Waren zu berühren, sie an- und auszuprobieren. Im Urlaub. In der Woche bleibt nach der Arbeit für entspanntes Einkaufen zu wenig Zeit, denn in Bayern schließen alle Geschäfte spätestens um 20 Uhr. Die kleinen oft auch früher. Da schafft man dann höchstens noch einen Einkaufsspurt in zentrale Läden entlang der S-Bahn-Strecke.

Deshalb shoppe ich – wie mittlerweile wohl jeder zweite Deutsche - gerne im Internet. Aus reiner Bequemlichkeit und Stressvermeidung. In den Shops wartet eine riesige Auswahl, ich kann gezielt suchen. Und dann warte ich nur noch auf den Paketboten, der die Sendung praktischerweise auch vor unserer Haustür abstellt, wenn keiner da ist.

Dabei geht es mir gar nicht so sehr um den Preis. Wenn der günstig ist – fein. Wichtiger ist mir: Ich möchte vergleichen. Und dann einfach und unkompliziert bestellen. 

Früher war das anders. Da bevorzugte ich kleine Läden, um Giganten wie etwa Amazon nicht noch mehr Geld in den Rachen zu schmeißen. Auch in meiner Heimatstadt, einem 25.000-Einwohner-Städtchen. Man kennt sich dort. Den Versuch, für das Weihnachtsfest im dortigen Spielzeugladen Geschenke zu bestellen, musste ich jedoch irgendwann aufgeben. Weder telefonisch noch per E-Mail war jemand zu erreichen. Trotz mehrmaliger Versuche. Den Spielzeugladen gibt es mittlerweile nicht mehr.

Will ich heute Beratung, durchforste ich Foren oder Testberichte. Oder ich gehe eben in ein Geschäft. Überzeugt mich das Produkt, kaufe ich es dann dort auch. Denn gute Beratung ist eine Leistung und gehört honoriert. Bei bestimmten Produkten ist das für mich ein Muss - bei Wanderschuhen zum Beispiel. Spülmaschinen. Musikinstrumenten. Büchern. Und unserem neuen Zelt. Stimmen Beratung, Auswahl und Atmosphäre, werde ich in diesen Geschäften zum Stammkunden. Und fahre dafür gerne in die Stadt. 

Ich bin mir meiner Verantwortung als Konsument durchaus bewusst. Deshalb berührt mich die Aktion der Händler in Haidhausen, die ihre Schaufensterscheiben als Warnung vor einer Verödung der Städte zuklebten. Ich habe früher in Haidhausen gelebt. Es gibt sehr schöne Läden dort, sie prägen das Viertel. Ich bin gerne dort unterwegs. Aber eben nicht zum Einkaufen, denn nach einem langen Arbeitstag haben die Läden meist schon geschlossen. Deshalb bleibt mir nur der Sonnabend. Und der ist mir mittlerweile zu heilig. Denn es gibt auch sonst viel zu tun.

Würde es helfen, wenn die lokalen Händler gemeinsam einen Online-Shop hätten oder sich einem anschließen würden? Vermutlich schon.

Natürlich habe ich beim Internet-Shopping auch schon viele Reinfälle erlebt, die ebenfalls Zeit kosten. Die Retouren sind lästig. Und in unserem Keller stapeln sich die Kartons der Online-Shops. Wir müssen dringend mal wieder zum Wertstoffhof. Vielleicht nächsten Samstag.   

Warum ich kleine Läden liebe und trotzdem online einkaufe

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