"Die Konjunkturerwartung ist sehr stark vom Meinungsbild in den Medien abhängig", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl.
"Die Konjunkturerwartung ist sehr stark vom Meinungsbild in den Medien abhängig", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. © Foto:Dreamstime/Archiv

GfK-Studie zur Verbraucherstimmung | | von Deutsche Presse-Agentur

Wie die Flüchtlingskrise das Konsumklima beeinflusst

Die Flüchtlingskrise drückt zunehmend auf die Verbraucherstimmung in Deutschland. Das Konsumklima trübt sich weiter ein, die Bürger fürchten eine steigende Arbeitslosigkeit und die Kauflaune sinkt, so das Fazit des Marktforschungsinstituts GfK in ihrer monatlichen Konsumklima-Studie. Der Gesamtindikator sank zum dritten Mal in Folge auf nur noch 9,4 Zähler für November. Für den Vormonat hatten die Experten noch 9,6 Zähler verzeichnet. Der neue Wert ist der niedrigste seit neun Monaten.

Auf Nachfrage sagten 44 Prozent der befragten Bürger, dass sie steigende Arbeitslosenzahlen erwarteten. 70 Prozent davon schoben das auf die Flüchtlingskrise. "Da zeigt sich jetzt par excellence, dass die Konjunkturerwartung sehr stark vom Meinungsbild in den Medien abhängig ist", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl der Deutschen Presse-Agentur. Die Flüchtlinge spielten dort und somit auch in den Köpfen der Verbraucher die beherrschende Rolle, urteilte er.

Lediglich 15 Prozent begründeten ihren Pessimismus mit dem anstehenden Winter, der sich auf viele Außenberufe negativ auswirkt. Vom VW-Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Dieselfahrzeugen geht nach Einschätzung der Verbraucher dagegen kaum ein Risiko für den Arbeitsmarkt aus. "Ich vermute, dass die anderen Gründe, die wir abgefragt haben, die VW-Krise überlagern", sagte Bürkl.

Die Verbraucherstimmung erlitt damit ebenso einen Dämpfer wie die Stimmung in der deutschen Wirtschaft. Der am Montag veröffentlichte Ifo-Geschäftsklimaindex hatte im Oktober leicht nachgegeben. "Was die Entwicklung betrifft, scheint sich hier eine Trendwende abzuzeichnen", sagte Bürkl. Allerdings sei das Niveau nach wie vor zufriedenstellend.

Offen ist die Frage, ob sich die Verunsicherung unter den Verbrauchern in Zukunft weiter verstärkt. Es sei aber durchaus möglich, dass sich der Trend fortsetze und sich das Konsumklima weiter eintrübe: Die Uneinigkeit der europäischen Staaten in der Flüchtlingsfrage und die spärliche Solidarität untereinander wirkten sich besonders negativ auf die Stimmung aus, so ein Fazit der GfK.

"Die Verbraucher gewinnen den Eindruck, dass es an Deutschland allein hänge, mit dem Flüchtlingszustrom fertig zu werden" sagte Bürkl. Auch Meldungen über Flauten in wichtigen Schwellenländern wie China, Russland und Brasilien machen sich bemerkbar. Auf das anstehende Weihnachtsgeschäft werde sich die getrübte Stimmung aber "nicht übermäßig negativ auswirken", prognostizierte Bürkl. Das bestätigt auch der aktuelle "Christmas Survey" von Deloitte.

Die Werte für Konjunkturerwartung und Kauflust müssen laut GfK Einbußen hinnehmen. Die Einkommenserwartung bleibt dagegen stabil. "Hier können die Verbraucher eher auf eigene Erfahrungen zurückblicken und da sind die Rahmenbedingungen für sie weiter sehr günstig: Die Inflation ist mehr oder weniger verschwunden, dadurch haben die Verbraucher spürbar mehr in den Taschen", sagte Bürkl.

Dagegen rutscht die Konjunkturerwartung zum ersten Mal seit Mai 2013 ins Minus. Der Indikator verlor 9,3 Punkte und sank auf -2,9 Zähler. Die Nulllinie markiert den langjährigen Durchschnittswert.

Verstärke sich die Furcht vor einem Jobverlust, lasse das die Planungssicherheit bei Verbrauchern schwinden. Dadurch werde auch weniger gekauft, erklärte der Experte. Derzeit sei die Konsumfreude aber "noch zu einem beträchtlichen Teil vorhanden". (fs/dpa)

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