Im Zentrum der "Spiegel"-Kritik: Das Aufklärungsportal Media Smart.
Im Zentrum der "Spiegel"-Kritik: Das Aufklärungsportal Media Smart. © Foto:Screenshot Media Smart

Reaktion auf "Spiegel"-Artikel | | von Anja Janotta

Wie die OWM das Schul-Engagement verteidigt

Die Organisation Werbungtreibende im Markenverband (OWM) wehrt sich gegen den kritischen "Spiegel"-Artikel "Die gekaufte Schule" in der aktuellen Printausgabe. Dieser greift die Werbe- und PR-Praxis verschiedener Unternehmen an Lehranstalten auf. Das Fazit der Reporter: Die Wirtschaft nutze verstärkt die Finanznot der Schulen, um Einfluss auf den Lehrstoff zu nehmen.

In die Kritik geraten sind nicht nur einzelne werbungtreibende Unternehmen wie RWE, sondern auch das Projekt Media Smart. An dem Aufklärungsportal für Kinder ist neben dem BVDW, Super RTL, VPRT, Hasbro und Ferrero auch die OWM beteiligt. Vorstandsvorsitzender von Media Smart ist Claude Schmit von Super RTL. Auf www.mediasmart.de werden Kinder nicht nur über Werbung aufgeklärt und mit Spielen an das Thema herangeführt. Auch Lehrer erhalten umfangreiches Material, mit dem sie in der Grundschule Lerneinheiten zum Thema gestalten können. Der "Spiegel" bemängelt in seiner aktuellen Ausgabe jedoch explizit, dass Media Smart keinerlei kritische Auseinandersetzung mit der verführerischen Kraft der Werbung biete.

Nun hat die OWM zu diesen Vorwürfen Stellung genommen. Geschäftsführer Joachim Schütz: "Das pädagogische Material, das Media Smart Schulen zur Verfügung stellt, liefert eine gute Grundlage für eine aktive Auseinandersetzung mit Werbung und den reflektierten Umgang mit Medien." Der OWM-Geschäftsführer unterstreicht, dass das Projekt von der EU-Kommission anerkannt sei und sagt, ein Expertenbeirat wache über die didaktische Vermittlung. "Um sich vom Schulsponsoring klar abzugrenzen, treten die Mitgliedsunternehmen bewusst ohne Logo oder Markennamen auf."

Die 2004 gegründete Initiative hat mittlerweile eine ordentliche Reichweite erzielt: Jede zweite Grundschule hat Materialien bei Media Smart bestellt. 2014 waren es insgesamt 5.722 Exemplare. Derzeit haben 1.272 neue Schulen bundesweit die dritte Auflage des Grundschulpaketes angefordert. Die Downloads erreichen eine Zahl von 13.000 für das vergangene Jahr. Die Nachfrage hat sich laut OWM im Jahr 2014 verdoppelt.

Tatsächlich sind in der betreffenden Broschüre, die viele Spiele und didaktische Tipps gibt, wenig Werbekritisches zu finden. Der OWM  verweist dazu auf den Lehrauftrag der Schulen und Kindergärten: Die Kritik sei sicherlich auf die Vorschulbroschüren gemünzt. Diese seien mit Medienpädagogen erstellt worden. Auch Geschäftsführer Joachim Schütz spielt den Ball zu den Schulen zurück: "Hier sind vor allem die pädagogischen Fachkräfte aber auch Eltern gefordert, die Kinder zu begleiten und anzuleiten. Denn Medien- und insbesondere Werbeerziehung sind Teil des Bildungsauftrages."

Der "Spiegel" zitiert auch die Watch-Group Lobbycontrol. Sie bemängelt schon seit längerem die PR-Praxis an deutschen Schulen. Im Zentrum ihrer Recherchen ist derweil RWE. Der Energiekonzern hatte  Frühstücksboxen und Unterrichtsmaterial an Schulen verteilt - was die Gruppe nun mit einer Unterschriftenaktion stoppen will. Trotzdem scheint der "Spiegel"-Artikel einen besonderen Missstand aufzudecken: Die prekäre Lage mancher Schulträger sorgt demnach dafür, dass Unternehmen und Interessensverbände ihre Materialien immer besser platzieren können.

Die OWM geht damit offensiv um: Man habe als Verein die Erfahrung gemacht, dass Schulen für die Projekte und kostenlosen, hochwertig aufbereiteten Materialien dankbar sind, da es oftmals an Personal oder Mitteln fehle. An den Universitäten sehe man schon länger, dass Kooperationen und wirtschaftliche Förderung dort Lücken schließen könnten, wo die öffentlichen Gelder nicht mehr ausreichten.

Wie die OWM das Schul-Engagement verteidigt

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