Keine Chance für Breitbart: Cibas Anfrage an Werbekunden führte zu schnellen Reaktionen.
Keine Chance für Breitbart: Cibas Anfrage an Werbekunden führte zu schnellen Reaktionen. © Foto:Philipp Ciba

Interview mit Philipp Ciba | | von Frank Zimmer

Wie man Breitbart vom Werbeumsatz abschneidet

Wer finanziert eigentlich Breitbart.com? Die rechtspopulistische Plattform, die jetzt auch nach Deutschland kommt, hängt am Tropf der Werbeindustrie. Viele Marken wissen gar nicht, dass ihre Banner auf der Seite erscheinen. Bis sie der Hamburger Werber Philipp Ciba darauf aufmerksam gemacht hat - und unerwartet klare Antworten erhielt. Werbungtreibgende wie Ebay, Nivea, E.On, Dell und die Deutsche Bahn erklärten sich sofort bereit, Breitbart auf die Blacklist zu setzen.

Herr Ciba, Sie haben ein Dutzend Markenunternehmen dazu überredet, keine Werbung mehr auf Breitbart.com zu schalten. Wie funktioniert so etwas?

Aus dem Gedanken heraus, dass man angesichts der kommenden Bundestagswahl nichts unversucht lassen sollte, habe ich in meinem Umfeld nach Mitteln und Wegen gesucht, wie man dem Populismus den Wind aus den Segeln nehmen kann. Die Ansprache richtet sich dabei ganz simpel an die schnell reagierenden Marketing- bzw. Social-Media-Abteilungen der Unternehmen. Hier wird zeitnah Stellung genommen und den Umstand in einem rechten Umfeld zu werben, will dann doch keine Marke auf sich sitzen lassen. Oder ganz simpel: Ich frage in einem Kommentar, wie es denn sein kann, dass in einem rechtspopulistischen Umfeld geworben wird und in wie weit die angesprochene Gruppe mit der eigentlichen Zielgruppe der Marke übereinstimmt. 

Was hat Sie dabei am meisten überrascht?

Überrascht hat mich tatsächlich die schnelle und unbürokratische Einsicht und die damit einhergehende Positionierung gegenüber Breitbart.com und deren Inhalten. Weit mehr überrascht waren aber die angesprochenen Unternehmen, die in der Regel nichts von besagten Werbeschaltungen wussten.

Wollen Sie weitere Unternehmen ansprechen?

Weitere Unternehmen sind bereits angesprochen. Die Antworten stehen noch aus.

Breitbart-Fans werden jetzt von einem Werbe-Boykott und einem Angriff auf freie Medien sprechen. Was würden Sie Ihnen entgegnen?

Marken sind in der Regel keine öffentlichen Institutionen und können somit selbst evaluieren, in welchem Umfeld sie werben und welche Zielgruppe sie ansprechen wollen. Das Recht auf freie Meinungsäußerung bleibt dabei natürlich unangetastet. Auch der Verbraucher kann selbst entscheiden, eine Positionierung von den Unternehmen zu verlangen. Jeder gekaufte Artikel und jede Dienstleistung zahlt schließlich in monetärer Form anteilig auf das Werbebudget ein.

Gerald Hensel von Scholz & Friends hat auf seinem privaten Blog neulich dazu aufgerufen, Breitbart keine Redaktionsräume zu vermieten. Würden Sie auch soweit gehen?

Ich stehe derzeit in regem Austausch mit Herrn Hensel und unterstütze seine Bestrebungen ohne Vorbehalte. Die von ihm publizierten Aussagen treffen in der Branche und darüber hinaus auf starke Zustimmung. Die Frage, ob rechter Hetze eine Plattform geboten werden soll, stellt sich mir dabei gar nicht. Unter dem Hashtag #KeinGeldfürRechts kann sich hier jeder selbst engagieren.

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