Stephan Hilpert (l.) ist Regisseur des neuen Spots, mit dem die Deutsche Bahn für ihre neue Mitfahrer-App wirbt. Privat nimmt Hilpert dagegen notfalls auch mal den Fernbus.
Stephan Hilpert (l.) ist Regisseur des neuen Spots, mit dem die Deutsche Bahn für ihre neue Mitfahrer-App wirbt. Privat nimmt Hilpert dagegen notfalls auch mal den Fernbus. © Foto:Andreas Pfohl

Bahn-Werber Stephan Hilpert im Interview | | von Sebastian Blum

"Wir dachten erst: Jetzt gibt es Ärger!"

Stephan Hilpert studiert an der HFF München Dokumentarfilmregie. In seinen Werbespots mag es das Regie-Talent dagegen lustig: Mit dem Spec-Spot "Last Minute" gab es komische Nachhilfe für die Deutsche Bahn - und das mit Erfolg: In seinem aktuellen 60-Sekünder für die Mitfahrer-App der DB Regio Bayern verwandelt der Berliner die Zugfahrt augenzwinkernd in einen Singletreff.   

Herr Hilpert, Sie pendeln oft zwischen Berlin und München. Ihre Einschätzung als Bahnkunde: Auf einer Humor-Skala von eins bis zehn – wo steht die Deutsche Bahn?

Genaue Punkte möchte ich jetzt nicht vergeben. Nach der Zusammenarbeit mit der Bahn habe ich jedoch das Gefühl, dass man doch sehr offen für lustige Sachen ist. Von so einem großen Konzern habe ich das nicht erwartet. Mit unserem Spot für die neue Mitfahrer-App konnten wir uns auf jeden Fall richtig austoben.

Der Spec-Spot "Last Minute", den Sie zuvor gedreht hatten, war als Humor-Nachhilfe für die Deutsche Bahn gedacht. Das Unternehmen hat das angenommen. Wie kann es zu der Zusammenarbeit?

"Last Minute" war ein Projekt der HFF München und nur für unser Portfolio gedacht. Wir fanden die Bahn als Kunden interessant, das Thema Pünktlichkeit hat uns zudem gereizt. Von der Bahn haben wir uns die Dreherlaubnis geholt, aber die Reaktion des Unternehmens war uns vor der Veröffentlichung nicht klar. Ein paar Wochen später kam dann eine Mail von der DB Regio, die der W&V-Artikel auf uns aufmerksam gemacht hatte. Wir dachten erst: Jetzt gibt es Ärger! Beim Treffen hieß es dann aber, die Bahn plane mehr lustige Sachen mit jungen Leuten. Das Produkt, die neue Mitfahrer-App, stand schon fest. Im Brainstorming haben wir dann die Idee zum Spot entwickelt. Dass das Ganze jetzt geklappt hat, freut uns natürlich sehr.

Gegenüber dem Kunden muss man als Werbefilm-Regisseur oft kreative Abstriche machen. Wie war das im Fall der Bahn?

Natürlich hat die Bahn hat uns nicht einfach einen Haufen Geld gegeben, damit wir einfach mal drehen. Über Details haben wir uns verständigt, die ursprüngliche Projekt-Idee wurde aber fast eins zu eins umgesetzt. Es hat sicher auch geholfen, dass keine Werbeagentur dazwischen geschaltet war – mit der Produktionsfirma Neuesuper konnten wir unser Konzept direkt bei der Marketingabteilung einbringen. Ich habe davor einen Spot für die AOK gemacht, bei dem das Projekt schon vorgegeben war. Das hat auch sehr viel Spaß gemacht, aber im Fall der Bahn hatten wir deutlich mehr kreativen Einfluss.

Sie studieren an der HFF München Dokumentarfilmregie mit Schwerpunkt Werbung? Was reizt Sie am Marketing?

An Werbespots fasziniert mich, dass man innerhalb von kurzer Zeit schnell zu einem Ergebnis kommt. Es sind viele kreative Leute beteiligt, denen alle Details wichtig sind. Der 45-Sekünder soll am Ende so gut wie möglich werden. Die Produktion für einen Dokumentarfilm gestaltet sich dagegen langwieriger: Für die Recherche, das Drehen vor Ort und den Schnitt ist ein größerer Zeitraum notwendig. Mir macht aber beides Spaß. In meiner Zukunftsplanung schließen sich Dokumentarfilm und Werbespots nicht aus.

Ihre Meinung: Wie wichtig ist Humor in der Werbung?

Für Marken und Produkte gibt es natürlich unterschiedliche Ansätze – nicht jeder kann mit Humor punkten. Andere Leute drehen zudem lieber Hochglanzspots und schöne Vignetten. Mir liegen eher lustige Spots. Ich denke jedoch, dass Humor auf jeden Fall einen Platz in der Werbung hat. Gerade im Netz können Marken einiges machen.

Mit der Mitfahrer-App reagiert die Bahn auf die große Konkurrenz durch die Fernbusse. Ein anderes Unternehmen, das gerade unter Druck steht ist VW. Wie würde ein Hilpert-Spot für die Wolfsburger aussehen? Wäre er lustig?

Aus dem Stehgreif die perfekte VW-Kampagne zu entwickeln, fällt mir jetzt schwer. VW hat in der Vergangenheit einige Comedy-Spots gemacht. In der jetzigen Extrem-Situation müssen sie natürlich sehr vorsichtig sein, allzu Lustiges kann schnell verprellen. Die beste Lösung wäre vielleicht ein Schuss Selbstironie gepaart mit einer offenen Kommunikation. Ganz sicher bin ich mir jedoch nicht.

Ein Geständnis zum Schluss: Sind Sie schon mal mit dem Fernbus gefahren?

Ja, das bin ich tatsächlich. Ich fahre jedoch lieber mit der Bahn, wenn ich in dem komplizierten Preissystem ein günstiges Angebot finde. Die Mitfahrer-App ist da vielleicht der richtige Schritt. Aber: Wenn ich es mir als Student nicht leisten kann, Bahn zu fahren, nehme ich den Bus.

"Wir dachten erst: Jetzt gibt es Ärger!"

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