Das sind nicht Sarah-Anessa, Dominique und Luisa, sondern "Europe's next Top-Scientists".
Das sind nicht Sarah-Anessa, Dominique und Luisa, sondern "Europe's next Top-Scientists". © Foto:Screenshot/Youtube

| | von Susanne Herrmann

Zu sexy: EU zieht Spot zurück

Röcke zu kurz, Labor zu küchenartig: Weil das Online-Video, das junge Frauen für die Wissenschaft begeistern soll, zu viele Klischees einsetzt, hat die Europäische Union nun den Viral-Film zurückgezogen. Tatsächlich wirkt das Online-Video mehr wie ein Trailer für "Germany's next Topmodel" als ein EU-Film. Bunte Farben, heiße Feger, Minröcke, Stöckelschuhe, coole Fotos in lässigen Posen vor ausgefallener Kulisse, dazu ein Lippenstift-Logo. Viele Stimmen im Netz beklagen sich, einmal mehr reduziere das Frauen darauf, dass sie heiß zu sein hätten und weiter nichts.

Das Video der EU-Kommission zum Thema "Wissenschaft ist Mädchensache" ("Science: it's a girl's thing") ist Teil der Kampagne, die seit 21. Juni mehr Frauen zu einer Karriere in der Wissenschaft ermutigen und Vorurteile abbauen soll. Der Kommission ging es darum, die Sprache der jungen Frauen zu sprechen, um ihre Aufmerksamkeit zu erlangen, und das Video sollte Spaß machen und gewinnend sein. Ziel: Die jungen Frauen sollten damit in die Kampagne hineingezogen werden und sich dann die Filme von jungen Wissenschaftlerinnen ansehen, die über ihren Beruf und ihre Erfolge sprechen.

Stattdessen löste das Video eine Welle der Empörung und des Hohns aus: Die Küche sehe ja mal schräg aus, kommentiert einer. "Ich arbeite seit zehn Jahren im Labor und sehe nicht wie ein Model aus", klagt eine Nutzerin. "Wohl wieder ein Experiment fehlgeschlagen ..." Andere Besucher halten das für einen klasse Trick, weil enorm viel Aufmerksamkeit auf das Projekt gelenkt worden sei und wahrhaftig viral verbreitet werde.

Der österreichische Titel Standard.at berichtet, im Internet sei der Spot von Forscherinnen und Kommentatoren "entsetzt bis höhnisch" aufgenommen worden: "Von 'ekligen Klischees' ist da die Rede und von einer Kampagne, mit der Wissenschaftlerinnen dazu gebracht werden sollen, kürzere Röcke zu tragen." "Das ist keine Parodie, das ist keine gemeine Kreation von Anti-Europäern", schreibt das "Forbes Magazine". Die EU-Kommission hat nun Forscherinnen dazu eingeladen, auf Twitter Mitglied von #realwomeninscience zu werden. 500 Mitglieder und 200 Abonneten hat der Kanal bereits.

Nun hat die EU den Film zurückgezogen, auf der Plattform finden sich nur noch die Fallbeispiele. Die einbezogenen Geschlechterrollen-Profis machen der Kommission Mut: Ihre Empfehlungen umzusetzen, sei für die Werber eine große Herausforderung gewesen, die Diskussionen, die der Film ausgelöst habe, seien aber wichtig und müssten weitergehen. Entmutigen lassen solle sie die EU keinesfalls. "Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Gleichberechtigung, vor allem von Frauen in Wissenschaften", zu sehen auf der Projekt-Webseite, schreibt online der Schwedische Gleichberechtigungsexperte Curt Rice.

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