Darüber freuen sich die Schüler: Der Züricher Verkehrsverbund belohnt schlechte Noten.
Darüber freuen sich die Schüler: Der Züricher Verkehrsverbund belohnt schlechte Noten. © Foto:Screenshot www.zvv.ch

| | von Katharina Hannen

Züricher Verkehrsverbund: Belohnung für schlechte Zeugnisse

Eine ungewöhnliche Werbemaßnahme sorgt zurzeit in der Schweiz für Aufsehen: Pünktlich zum Beginn der Sommerferien verschenkt der Züricher Verkehrsverbund (ZVV) kostenlose Abonnements an Schüler mit ungenügenden Leistungen in der Schule.

Normalerweise ist ein schlechtes Zeugnis kein Grund zur Freude. Dieses Jahr können die Jugendlichen aus dem Kanton Zürich dem Schuljahresende aber ganz entspannt entgegensehen. Die Vier in Geschichte oder die Fünf in Chemie ist nicht weiter tragisch – sie wird sogar belohnt.

Die ersten 500 Schüler, die ihr Zeugnis an die Verkehrsgesellschaft schicken, bekommen einen ZVV-FerienPass geschenkt. Mit dem Ticket haben sie nicht nur freie Fahrt mit Zug, Tram, Bus, Schiff und Bergbahn, sondern genießen viele weitere Vorteile: Der Eintritt in über 40 Museen wie die Archäologische Sammlung, die Kunsthalle oder das Völkerkundemuseum ist frei. Auch in den Zoo können die Schüler mit dem Pass umsonst gehen.

Die Idee hinter der Kampagne: Anstatt sich durch langweilige Nachhilfestunden zu quälen, sollen die Jugendlichen auf spielerische Weise ihre Allgemeinbildung verbessern. Der ZVV ist der Meinung, dass die Belohnung ein guter Ansporn zum freiwilligen Lernen ist. Hingegen wäre eine Rüge wegen schlechter Noten keine so gute Motivation.

Kritik auf die Aktion ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Ungerecht empfinden viele die Kampagne gegenüber den fleißigen Schülern, die hart für gute Noten gearbeitet haben und trotzdem leer ausgehen. Außerdem verspricht der Pass auch Vergünstigungen für Wasserparks, Seilgärten, Kinos oder Kartbahnen – wie groß der Lerneffekt dort ist, bleibt bis zum nächsten Zeugnis abzuwarten.

Generell scheinen sich die Schweizer derzeit uneinig darüber zu sein, ob gute oder schlechte Zensuren eine Belohnung verdient haben. Denn eine Woche vor dem Start der ZVV-Kampagne, machte Mediamarkt in Bern und St. Gallen mit einem Rabatt auf sich aufmerksam, der nur Schülern mit guten Noten gewährt wurde. Wer viele Einser und Zweier auf dem Zeugnis vorweisen konnte, erhielt eine Spielkonsole zum reduzierten Preis. Auch in diesem Fall hagelte es Kritik: Der Leistungsdruck auf die Kinder werde unnötig verstärkt, so der Verein Kinderrechte Ostschweiz.

Züricher Verkehrsverbund: Belohnung für schlechte Zeugnisse

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