Youtube-Video des Anbieters von Adblock Plus: Die Werbefilter gefährden das Geschäft der Vermarkter von Reklameumfeldern im Internet.
Youtube-Video des Anbieters von Adblock Plus: Die Werbefilter gefährden das Geschäft der Vermarkter von Reklameumfeldern im Internet. © Foto:Screenshot Youtube/Eyeo

Sourcepoint befragte Publisher | | von Petra Schwegler

3 Strategien der Verleger gegen Adblocker

Gegen Adblock Plus und andere Werbefilter im Netz ist doch ein Kraut gewachsen: Aktuelle Umfrageergebnisse des Dienstleisters Sourcepoint zeigen, dass Verleger und Inhalteanbieter aus USA und Europa, darunter Deutschland, das Adblocking-Problem erkannt und erste Gegenmaßnahmen eingeleitet beziehungsweise für die kommenden drei Jahre ins Auge gefasst haben. Immer mehr der rund 150 befragten Publisher würden die Kontrolle ihrer Inhalte zurückgewinnen, heißt es da.

Interessant: Die von "WiWo"-Chefin Miriam Meckel geforderte kreativere Werbung als Waffe gegen den Verlagsschreck scheint durchaus zum Einsatz zu kommen: "Publisher nennen verschiedene Optionen wie beispielsweise die Fokussierung auf höherwertige Anzeigen, um die Nutzer besser anzusprechen", heißt es von Sourcepoint, Anbieter einer Content Compensation-Plattform.

Die Mehrheit der Verlage befürworte allerdings zusätzlich eine Kombination dieser drei Maßnahmen - kurz drei "C" genannt:

Erstens. Eine technische Umgehung der Adblocker-Sperre (Circumvention).
Das ist derzeit eine der beliebtesten Lösungen. 75 Prozent der befragten Publisher aus Deutschland befürworten dieses Konzept. In Europa begrüßen 59 Prozent diese Lösung, in den USA sind es 64 Prozent.

Quelle: Sourcepoint

Quelle: Sourcepoint

Zweitens. Eine Direktansprache auf der Seite, über die der Adblocker-Nutzer die Nachricht erhält, den Werbefilter Lesen der Inhalte zu deaktivieren (Consumer-Messaging).
67 Prozent der Publisher aus Deutschland (Europa gesamt 64 Prozent, USA 61 Prozent) befürworten den Einsatz einer On-Site-Direktansprache, über die sie den User bitten, den Adblocker auszuschalten.

Drittens. Das Blockieren von Inhalten, sobald ein Nutzer mit Adblocker die Seite besucht (Content Blocking).
58 Prozent der deutschen befragten Inhalteanbieter begrüßen die Möglichkeit, Content zu blockieren, um den zunehmenden Einsatz von Werbefiltern entgegenzuwirken. Hingegen kommt dies nur für 47 Prozent der US-Verlage in Frage.

Als kaum geeignete Strategien gegen Adblocker werden eingestuft:

Erstens. Das Errichten einer Bezahl-Schranke (Paywall), die dem Adblocker-Nutzer das Bezahlen von Inhalten ermöglicht.

Zweitens. Das Bezahlen eines Adblock-Anbieters, um von der Werbeblockade ausgenommen zu werden (Whitelisting).
Die Mehrheit der befragten Publisher in Deutschland, Europa und den USA bestätigen, dass sie kein Interesse an einer Pay-to-Play-Lösung haben. Die Entwickler von Ad Block Plus etwa unterbreiten so ein Modell, bei dem sich Inhalteanbieter freikaufen können, damit Anzeigen auf deren Seite nicht blockiert werden.

Sowohl die Errichtung einer Paywall als auch das Freikaufen würden von der Mehrheit der Befragten abgelehnt, heißt es von Sourcepoint. Die Umfrage fand über ein webbasiertes Befragungstool im November und Dezember 2015 statt.

Übrigens: Verlage und Inhalteanbieter bleiben skeptisch gegenüber der Gesamtwirkung von mobilen Werbeblockern. Auf die Frage, ob Adblocker auf mobilen Endgeräten eine größere Bedrohung als auf dem Desktop darstellen, bestätigten nur 41 Prozent aller Befragten diese Vermutung. Weitere 35 Prozent aller befragten Verlage planen aufgrund der wachsenden Anzeigenblockierung in mobilen Browser-Umgebungen, sich auf die Entwicklung von Mobile Apps zu konzentrieren – während 62 Prozent der Befragten dies ablehnen.

Gemischte Aussagen erzielte Sourcepoint zu geschlossenen Systemen (Walled Gardens) und ob diese eine Alternative für Publisher darstellen. Auf die Frage, ob Adblocking verstärkt zu Partnerschaften wie mit Facebook, Google, Twitter oder Apple führen wird, verneinten 67 Prozent der befragten Publisher in Deutschland diese Aussage, 74 Prozent sind es in den USA, Europa gesamt 72 Prozent. Und: "Inzwischen erwarten Verlage, dass vermehrt Abo-Modelle zum Einsatz kommen werden", so ein weiteres Ergebnis der Umfrage.

Um die Größenordnung darzustellen: Deutschlands Online-Vermarkter sollten im vergangenen Sommer den Schaden vermessen, der ihnen durch Adblocker entsteht. Demnach konnte bei über einem Fünftel der Seitenaufrufe keine Werbung ausgeliefert werden. Das ging aus einer Umfrage des Online-Vermarkterkreises (OVK) im Branchenverband BVDW hervor. Zwei Drittel der Mitglieder hätten sich daran beteiligt, so der BVDW. Der exakte Durchschnittswert liegt bei 21,49 Prozent.

Erfahrungsgemäß variiert der Adblocker-Anteil je nach Zielgruppe erheblich; Bei Websites mit besonders technikaffinen Lesern sind Werte um die 50 Prozent nicht ungewöhnlich - ein gravierendes Problem für die Portalbetreiber.

3 Strategien der Verleger gegen Adblocker

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