| | von Petra Schwegler

Absage an Springers Geburtstags-Pläne: "Alle gegen ‚Bild‘" startet

Der Boykott läuft an: Anlässlich des 60-jährigen Bestehens der "Bild"-Zeitung” hat Springer über seinen Vermarkter angekündigt, am 23. Juni allen deutschen Haushalten eine Ausgabe der Boulevard-Zeitung schicken zu wollen - und vermarktet dies eifrig bei Werbekunden. Die Initiative "Alle gegen Bild" und Campact wollen nun schon mal Willigen dabei helfen, der Zustellung zu widersprechen. Seit Donnerstag kann über die Websites alle-gegen-bild.de und campact.de per Online-Formular der möglichen "Bild"-Gratisausgabe eine Absage erteilt werden. Das Ziel der Initiative sei es, der Springer-Werbeaktion öffentlich eine Stimme entgegenzusetzen, die darauf hinweise, "dass die Bild keine allgemein akzeptierte Zeitung ist und weiterhin Ziel von Kritik sein muss", heißt es zum Start.

Nadja Ratkow von der Anti-"Bild"-Initiative steckt dahinter und kündigt kampflustig an: "Jede Absage wird den logistischen Aufwand für Springer erhöhen sowie die geplante Auflage senken." Auch außerhalb des Netzes soll die Kampagne gegen "Bild" in den nächsten Monaten sichtbar machen. Auf der Kampagnenseite würden alle Aktionen, auch von Gruppen und Einzelpersonen, die sich selbstständig einbringen wollen, dokumentiert. "Es gibt viele Gründe, die Bild als Leitmedium abzulehnen und ihr den Werbeerfolg einer verteilten Auflage von 41 Millionen Exemplaren zu vermiesen", heißt es da. Ratkow reibt sich an der "Hetze der Bild-Zeitung’ gegen alle emanzipatorischen Bewegungen", an der "nationalistischen Berichterstattung" und ihrem "Beharren auf einem sexistischen Frauenbild".

Wie der Springer-Verlag reagiert? Man wolle alle Widersprüche gegen die Geburtstagsaktion beachten, so Springer-Sprecher Tobias Fröhlich, sollte das bundesweite Blatt finanziert sein und zustande kommen. Man denke über diese Aktion Ende Juni jedenfalls nach und führe derzeit Gespräche mit Werbekunden. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Immerhin - ein Gratisblatt an alle deutschen Haushalten verursacht hohe Kosten und muss verteilt werden.

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